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Middle of the road

Jarvis Live

Ganz viel Vorfreude, Euphorie und Singalong-Bereitschaft - und dann doch viel Ernüchterung. Nichts spricht gegen das Einläuten der nächsten Phase, nur dann eben konsequent.
Geschrieben am
25.01.07 Live Music Hall, Köln

Also, so war das mit Jarvis und uns gestern abend in Köln: Ein Wiedersehen mit allem, was dazugehört. Ganz viel Vorfreude, Euphorie und Singalong-Bereitschaft - und dann doch viel Ernüchterung. Über ihn müssen wir nicht reden, die Ausstrahlung wird nie gelöscht sein, das Acting werden wir für immer verehren, dieses Zucken und Breaken der Gelenke, gebrochen mit britischer Coolness.
Doch der Sound dahinter, die Songs darauf, das will alles nicht mehr so richtig passen, ist zu sehr middle of the road. Nicht nur zu wenig ekstatisch (das ist ein Problem des Pulp-Fans in mir, das ich ihm nicht ankreiden kann und will), sondern vor allem zu wenig gut. Die Songs sind noch nicht da, wo sie für einen Showman wie ihn hin müssen. Aber das wird noch, auch Scott Walker hat nicht nur Gold abgeliefert auf seinen Solowegen.
Und: Nichts spricht gegen das Einläuten der nächsten Phase, nur dann eben konsequent und nicht noch mit Pulpesken Bühnenbild und Acting. Wenn man sich schon neu erfinden will, dann eben auch ganz. So bleibt der Neuanfang halbherzig, sprich: zum Scheitern verurteilt. Gerade von einem Mann der großen Geste, wie Jarvis einer ist, hätte man etwas mehr erwartet.
Aber noch ein Wort zur Vorband, den sympathisch-bescheidenen Baby, You Can Follow Me Down, die so bescheiden sind, dass sie, glaube ich, nur einmal ihren Namen gehaucht haben. Aber sonst war das Duo keineswegs schüchtern, lieferte ab als ob es jeden Tag auf so einer großen Bühne steht und nicht erst vorgestern von Jarvis auf myspace gecastet wurden - wegen ihrer Will Oldham trifft auf Modern Folk Kleinode. Die behalten wir im Auge, ob wir wollen oder nicht.

Felix Scharlau sagt: "Die Synchronisierung zwischen Jarvis und Publikum dauerte eine ganze Weile. Ungefähr so lange hat mich das Konzert auch nicht sonderlich berührt. Die letzten 20 Minuten inklusive „Running The World“ waren dann aber Wahnsinn. Würdevoll auch, dass Jarvis eben keine Pulp-Stücke gespielt hat, obwohl sie jeder hören wollte. Das muss man erstmal durchziehen."

Und Martin Lippert: "Etwas spät dran, konnte ich das Set nicht ganz sehen. Was mich zunächst - genauso wie das Album, leider - wenig berührt hat, wurde dann zum Schluß hin dann doch wieder sehr furios. Jarvis bleibt halt eine Lichtgestalt, aber die ganz großen Gesten fehlten mir dann doch etwas - als nächstes bitte dringend eine Pulp-Reunion!"