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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

So klingt 2016

Japanese House im Gespräch

Neue Sounds, neue Farben: Wir stellen euch zehn Künstlerinnen und Künstler vor, die unserer Meinung nach den Sound des kommenden Jahres prägen werden. Diesmal: The Japanese House aus London. Illustration: Vanessa Weber
Geschrieben am
Es gibt viele Gründe, Amber Bain eines Sauberkeitsfimmels zu verdächtigen. Ihr von Dubstep und Dream-Pop geprägter Sound ist so rein wie klares Wasser und ihre Songs tragen Titel wie »Clean« oder »Cool Blue«. Aber keine Sorge: »Beim Saubermachen bin ich eher nachlässig«, erzählt die 20-Jährige am Telefon. »Ich mag es zwar ordentlich, aber es gelingt mir nur selten, aufzuräumen«. Wohl auch, weil Bain ihr Projekt The Japanese House dieses Jahr nach vorne gebracht und dementsprechend wenig Zeit hatte. Im April debütierte sie mit der EP »Pools To Bathe In«, nun folgt »Clean« mit vier neuen Titeln. Ihren Sound schleift die Londonerin an der Gitarre zurecht. Den Rest programmiert sie am Computer, verfremdet Gitarrenspuren und Gesang und schichtet Drum-Effekte und weitere Beats zu glasklaren, sich in Zeitlupe entfaltenden Sound-Gebilden. George Daniel und Matthew Healy von The 1975 begleiten die Autodidaktin im Produktionsprozess und luden The Japanese House auch als Live-Support ein: Premiere für Bain. Das zwangsläufige Lampenfieber bekämpfte sie natürlich nicht mit anhaltendem Waschzwang sondern – ganz klassisch – mit Rotwein. Das ist mindestens so nachahmenswert, wie ihre Musik hörenswert ist.
Du hast erst im April mit deiner EP »Pools The Bathe In« debütiert, jetzt ist gerade die zweite EP »Clean« raus. Fühlst du dich im Miniformat wohler oder warum gibt es noch kein ganzes Album von dir? 
Ich fühle mich so tatsächlich erst mal wohler. Es ist eine gute Möglichkeit, sich vorzutasten und Sachen beim Publikum an zu testen. Zu schauen, ob sie meine Sachen mögen. Das ist eine gute Basis, um ein ganzes Album rauszubringen.   

Klingt, als hättest du einen richtigen Karriereplan. 
Das eigentlich nicht. Es geht mehr darum, auszuprobieren und zu experimentieren. Erst mal ein paar Songs zu veröffentlichen ist nicht so ein Aufwand, wie ein ganzes Album zu produzieren. Für mich ist es auch ein Reifeprozess.   

Das Album kommt aber noch? 
Auf jeden Fall. Nächstes Jahr werde ich erst noch eine weitere EP veröffentlichen und mich dann nur noch aufs Album konzentrieren. Versprochen!      
Wir sind auf jeden Fall schon mal sehr glücklich mit »Clean«! Was mir aufgefallen ist, das Cover zeigt einen Amischlitten, auf dessen Autokennzeichen das Wort »Quick« steht. Nichts aber trifft weniger auf deine Musik zu, als »schnell« zu sein. 
(Lacht) Absolut nicht. Das Foto stammt aus derselben Serie, aus der auch schon das Coverbild von »Pools To Bathe In« stammt. Ich habe es in den USA aufgenommen und mich dieses Mal für das Bild entschieden, weil es heller und heiterer wirkt. Und das trifft auch auf die Musik auf »Clean« zu.  Klar, es ist immer noch ziemlich deprimierend, aber es hat eine lichte Seite.   

Und woher kommen die vielen Wasser-Assoziationen in deinen Songs. Neben »Pools To Bathe In« gibt es schließlich noch Titel wie »Clean Blue« und »Letter By The Water«?
Das ist keine bewusste Entscheidung, weil ich einen Reinlichkeitsfimmel oder so hätte. Die Wasser-Anspielungen sind wohl eher dem ständigen Regen in diesem Jahr geschuldet. Während ich Songs in meinem Zimmer schrieb, habe ich verdammt oft den Regen die Fensterscheiben runterlaufen sehen. Ich glaube, diese Stimmung hat »Clean« sehr geprägt.  

Unbedingt! Man hat ständig das Gefühl, man müsse sich abtrocknen. Du schreibst nicht erst seit diesem Jahr Songs, sondern hast schon mit elf Jahren damit begonnen. 
Noch früher. Mein Vater ist Musiker und ich habe immer sein Gitarrenspiel bewundert, bis er mir das Ding einfach in die Hand gedrückt hat. Das war ich fünf oder sechs. Und dann habe ich auch ziemlich bald angefangen, Songs zu schreiben.   

Du bist auch sonst Autodidaktin. Wie entstehen deine Songs heute? Beginnst du mit der Gitarre und baust den Song drum herum? 
Das ist unterschiedlich, mal beginne ich mit der Gitarre, mal habe ich eine kurze Soundsequenz, mit der ich rumspiele und daraus den Rest entwickele. Abgesehen von der Gitarre programmiere ich den Rest am Laptop. Ich verfremde die Gitarrenspuren und meinen Gesang und  schichte dann Beat für Beat drüber. Das ist ziemlich aufwendig, aber nicht so schwierig wie die Drums. Die sind echt ne Herausforderung für mich.     

Unterstützt wirst du von George Daniel und Matthew Healy von The 1975. Haben die nicht Angst, dass du ihre Band bald an Popularität übertrumpfst? 
Bestimmt nicht. Ich lerne so viel von ihnen und sie sehen mich eher als einen Schützling als eine Bedrohung. Außerdem ist unsere Musik sehr unterschiedlich, auch wenn ich öfters gehört habe, The Japanese House habe Ähnlichkeit mit The 1975. Das stimmt absolut nicht.

The Japanese House

Clean - EP

Release: 06.11.2015

℗ 2015 Dirty Hit