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So war's in Köln: Funk gebückt

Jamie Lidell live

Jamie Lidell kann dem musikalischen Vokabular des Funk heute keine neuen Töne hinzufügen. Als Personifizierung von James Brown geht er mittlerweile aber locker durch.
Geschrieben am
16.03.13, Köln, Bürgerhaus Stollwerck
 
Samstagabend, Köln, das Publikum will Electro-Funk. Kein guter Start für Ludwig Persik, der an diesem Abend den Support von Jamie Lidell gibt. Mit Gitarre, Drumcomputer und diesem Post-Coldplay-Wimpgesang steht er also auf der Bühne, niemand hört so wirklich zu - klassisches Supportdilemma, leicht unterdurchschnittlich gelöst.
 
Aber vielleicht war es auch einfach Taktik, weil man den Hauptact eh nicht einholen kann. Auf der Rampensau-Skala steht Jamie Lidell locker im oberen Drittel, und das obwohl er ein Handicap hat. Wo Legenden, Gottväter und andere Vollinstitutionen des Funk mit vollem Körpereinsatz den Mikrofonständer und ihr Publikum umgarnen können, muss sich Lidell immer ein wenig gekrümmt über seine Controller bücken, damit sein Funk so unglaublich tight seinen Weg aus dem Laptop zu den Boxen findet. Trotz Dauerbombardement durch Vektorgrafik-Projektionen in den schönsten Tönen zwischen Katholisch-Grün und Katholisch-Violett übt sich Lidell im visuellen Understatement.

Der Funk-Sänger mit Frickelvergangenheit löst dieses Problem dadurch, dass er seine Basslines an der richtigen Stelle droppt oder den Hall immer dann in Richtung Ozean aufdreht, wenn man das Gefühl hat, dass sein Set ein wenig durchhängt. Dann begibt sich Lidell ins Duett mit seinem digitalen Spiegelbild, in dem dank Bartschatten und Highlander-mäßigem Trenchcoat keine Verwechslungsgefahr herrscht. Egal ob bei "What A Shame" oder "A Little Bit More" – in diesen Momenten wird Lidell am ehesten zu dem, was seine Vergangenheit versprochen hat: Der fleischgewordenen Mensch-Sex-Maschine mit Crooner-Organ.
 
Damit hat er das Publikum im Griff, die Stimmung ist gut, aber nicht allzu ausgelassen –stilsicher halt. Denn nach gut 80 Minuten ist Lidell ist ebenfalls klar, dass dem musikalischen Vokabular des Funk heute keine neuen Töne hinzugefügt werden – als Personifizierung von James Brown geht Lidell aber mittlerweile locker durch.