×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Master of Funk & Soul

James Brown

Er war und ist das enfant terrible des Soul. Ein Macho der Sonderklasse, der von sich behauptet, mehr für die Musik getan zu haben als BEETHOVEN, BACH und BRAHMS zusammen. Seine Gickser sind die meistgesampleten Partikel der Pop-Geschichte. Seine Hymne 'Sex Machine' ist das schweißtreibendste Epos ü
Geschrieben am

Autor: intro.de

Er war und ist das enfant terrible des Soul. Ein Macho der Sonderklasse, der von sich behauptet, mehr für die Musik getan zu haben als BEETHOVEN, BACH und BRAHMS zusammen. Seine Gickser sind die meistgesampleten Partikel der Pop-Geschichte. Seine Hymne 'Sex Machine' ist das schweißtreibendste Epos über die Potenz des Mannes und - ganz nebenbei - die Schnittstelle, an der Soul seine neuen Varianten Disco und HipHop zu ahnen begann. JAMES BROWN ist ein Maniac: In seiner Band spielten nur die besten Instrumentalisten. Das Publikum und seine Musiker huldigten ihm als Abgott des Shuffles. Wer MICK JAGGER, MICHAEL JACKSON und PRINCE je tanzen sah, der weiß, wer ihnen die flinken Schritte eingebimst hat: der Ober-Soul-Brother.
Sammy Davis Jr., Sidney Potier und Bill Cosby betrachtete BROWN stets als natürliche Feinde. Für ihn waren sie nur die Renommierneger Hollywoods. Der Godfather war nie der Salon-Farbige, der wie die Motown-Posse künstlerisch vor allem auf ein weißes Publikum zugeschnitten war. JAMES BROWN war ein Killer, ein Großmaul, ein Anti-Held. Seine Discographie liest sich wie das Evangelium des Soul: 'Live At The Apollo' (1962), 'Please, Please, Please' (1957/65), 'Papa's Got A Brand New Bag' (1965), 'Mr Dynamite' (1968), 'I've Got The Feeling' (1968), 'Get On The Good Foot' (1972) - die Reihe seiner Klassiker ist die Reihe seiner Veröffentlichungen. Seine Liebe zu Frauen war immer auch ein Kampf mit sich selbst. Im Suff verprügelte er im Frühjahr 1988 seine Gattin Adrienne derart heftig, daß sie anschschließend im 'National Enquirer' mit ihren Blutergüssen posieren durfte. Seine Meinung über Frauen ist bis heute - euphemistisch gesagt - ambivalent: 'Ein Mann sollte ein Macho sein: um die Frau zu schützen und sie zu lieben, aber auch, um sie verlassen zu können. Die Aufgabe einer Frau ist es, einen Mann zu befriedigen. Gott hat sie erschaffen, damit sie für den Mann da ist und nicht dafür, daß sie irgendwo der Boß ist.'
Dem Mann, der elternlos bei seiner Tante Honey Washington in deren Bordell in der 944 Twiggs Avenue in Augusta, Georgia aufwuchs, fehlten von Beginn an die Maßstäbe: eben noch Schuhputzer, Wagenwäscher, Autodieb und Einbrecher, dann schon Amerikas perfekteste Revuemaschine, Bühnen-Akrobat, Dollar-Millionär, Frauenliebling und Held der diskriminierten schwarzen US-Bevölkerung. Zu Zeiten Martin Luther Kings eilte BROWNs Signalfunktion ein legendärer Ruf voraus: 'Eine Handbewegung von JAMES BROWN ist soviel wert wie hundert Polizisten', erklärte ein Polizeisprecher. Der Derbling konnte im Dienste seiner Leute auch Verantwortung übernehmen und im Fernsehen zu Solidarität und Frieden aufrufen. Nach Gefängniseskapaden wegen Steuerhinterziehung und unerlaubtem Waffenbesitz ist BROWN jetzt zurück. Und zwar dort, wo er seit eh und je am besten aufgehoben war: auf der Bühne. INTRO freut sich und präsentiert den größten Performer unter der Sonne bei seiner November-Tour in Deutschland, das ihm, dem ewigen Spötter, ach soviel bedeutet: 'Ich liebe die Deutschen. Sie waren gut zu mir: Sie haben viele Platten gekauft.'
Im Rahmen der 'Masters of Funk & Soul'-Tour trifft BROWN auf die Überbleibsel der Motown-Legende THE TEMPTATIONS, die mit dem Sänger der Ur-Besetzung Dennis Edwards unterwegs sind. Mit von der Partie sind auch die SUPREMES, nach dem Ausstieg von DIANA ROSS allerdings mit Mitgliedern der zweiten Generation wie Sherrie Payne und Lynda Laurence.