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Von Rosen und Nachtigallen

Jakuzi im Gespräch

Von überallher fliegen ihnen derzeit Rosen zu: Jakuzi, die Dream-Pop-Helden des Istanbuler Untergrunds, die sich von Anadolu-Popklassikern, Krautrock und Roxy Music inspirieren lassen, fordern in ihrem Debüt »Fantezi Müzik« vom Leben und der Liebe pure Selbstbestimmung ein. Sermin Usta erklärten sie warum.
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Es beginnt im Winter 2016: Die Macher des Istanbuler Musikmagazins Bant schicken eine Kassette an ein Berliner Indie-Label. Darauf steht in dicken Lettern »Fantezi Müzik«. Kurze Zeit später finden sich die Musiknerds von City Slang blitzverliebt im ausverkauften Babylon in Jakuzis Heimatstadt Istanbul wieder und werden Zeugen davon, wie die türkische Indie-Szene textsicher und euphorisiert einer frisch formierten Band zu Füßen liegt. Jakuzi, das sind Sänger Kutay, Drummer Can und Keyboarder und Bassist Taner. Letzterer ist als Veteran der Istanbuler Punk-Szene mit 33 Jahren der Älteste in der Runde. Den 27-jährigen Singer/Songwriter Kutay hat er wenige Jahre zuvor über Freunde kennengelernt. »Ein echtes Match, wie auf Tinder«, so der Sänger amüsiert. Zwei Punks auf der Suche nach einem neuen Sound. Einen, den es in ihrer Heimat so noch nicht gegeben hat. Türkischer Dream-Pop mit Synth-Flächen und New Wave mit Indie-Herz, ob dieser Mix gut geht? Kutay: »Was wären wir für Musiker, wenn wir die Dinge nur aus einer Perspektive betrachten würden? Jemand, der ausschließlich Punk hört, kann doch keinen guten Punkrock machen.« 
Der Titel ihres Albums, damals auf Taners Label Domuz Records (übersetzt: Schweine Records) veröffentlicht, ist eine ironische Abrechnung mit einem Genre, das es Anfang der 1980er wirklich gegeben hat: »Fantezi Müzik« gilt als Subgenre des Arabesken, einer populären Musikrichtung, die äußerst beliebt war, lange bevor türkischem Pop der Durchbruch gelang. Einfache Musik zum Mitsingen, die ausschließlich von der Liebe und der Melancholie handelt. Sänger wie Ibrahim Tatlises, Orhan Gencebay und Ferdi Tayfur zählen zu den namhaftesten Vertretern. Jakuzi sehen sich als Nachfahren einer gegensätzlichen und enthusiastischeren Pop-Generation. Eine, die sich mit der noch immer diskriminierten LGBTQI*-Szene solidarisiert, in ihren Videos Latex trägt und in jedem Song für das wilde, selbstbestimmte Leben einsteht. Dass man dabei Fehler macht und Dinge bereut, nimmt man für die Freiheit dankbar in Kauf. Kutay: »Es gibt vieles, was ich bereue. Ich habe meiner Ex-Freundin mal eine Geburtstagsparty ausgerichtet. Aber anstatt mich mit ihr zu amüsieren, habe ich an diesem Abend mit einer anderen Frau geschlafen.« Offene Worte einer Band, die gerne schockiert und gleichzeitig romantisch und liebenswert ist. Frei sein vor und hinter geschlossenen Türen, das ist, was sie wollen. Das ist, was Jakuzi machen.

Jakuzi

Fantezi Müzik

Release: 24.03.2017

℗ 2017 City Slang

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