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Shangri La

Jake Bugg

Starproduzent Rick Rubin ließ sich vom 19-jährigen Jake Bugg zur Zusammenarbeit überreden. Der Teenager setzt seine Ansprüche in der Liga eines Johnny Cash an.
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Shangri-La, dieser oft besungene paradiesische Ort, liegt nicht etwa irgendwo in der Karibik, wie man angesichts der vielen Erwähnungen in Surf- und Rock’n’Roll-Songs denken könnte. Er soll sich im Himalaya befinden, irgendwo auf tibetischem Gebiet. Jake Bugg hingegen kommt aus Nottingham, und man kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass der bodenständige, wenn auch tourbedingt mittlerweile weit gereiste Brite über paradiesische Orte viel zu berichten weiß. Wovon er etwas erzählen kann (der Albumtitel bringt es unverblümt an den Tag), ist das Studio, in dem er sein zweites Album eingespielt hat: Es heißt so, Shangri La, liegt in Malibu und ist seit zwei Jahren im Besitz von Rick Rubin. Dieser Rick Rubin, legendärer Starproduzent mit einer atemberaubenden Liste an Klienten (Kunden 2013: Black Sabbath, KanYe West, Eminem), ließ sich von dem 19-jährigen Lad aus den Midlands dazu überreden, auch seine Platte aufzunehmen. Das allein sagt schon viel über Jake Bugg und sein Zweitwerk aus: Der Teenager setzt seine eigenen Ansprüche hoch an, in der Liga eines Johnny Cash, dessen Spätwerk Rubin bekanntermaßen veredelte. Dieser scheint seinerseits ein ähnliches Potenzial in Bugg zu sehen, sonst hätte er den Job kaum angenommen. Wenn das kein Ritterschlag ist, was dann?


Tatsächlich kann man angesichts von »Shangri La« den Eindruck gewinnen, dass das alles schon seine Ordnung hat, dass hier niemand zu hoch gegriffen hat, denn das Album ist von einer souveränen Klasse und offenbart noch mehr als Buggs Debüt dessen unwahrscheinliches Talent. Natürlich ist es nicht falsch, Lobpreisungen der englischen Musikpresse mit Vorbehalt zu betrachten, und natürlich ist Buggs Stil nicht neu. Trotzdem wäre es grundfalsch, sich davon irritieren zu lassen und sein Songwriter-Talent aufgrund dessen zu unterschätzen. Denn nahezu jeder der zwölf neuen Songs, ob nun Rocker oder Ballade, ist perfekt. Perfekt geschrieben, perfekt arrangiert und perfekt interpretiert. Bugg hat sich für sein zweites Album etwas mehr an amerikanischer Rock’n’Roll-Tradition orientiert, oft verrät nur noch seine Stimme den Briten. Er hat sich mehr denn je einen Dreck um aktuelle Trends geschert, hat im Gegenteil seine Arrangements von jeglichem Tand befreit. Wenn der Begriff nicht schon so ausgelutscht wäre, müsste man »Shangri La« das Prädikat »zeitlos« verleihen. Stattdessen kann man sagen: Einen besseren Songwriter gibt es derzeit im Pop nirgendwo. Nicht mal in Shangri-La.

 

In drei Worten: Talent / History / Paradies