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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Jake The Rapper

Jake

Aufmerksame Zeitgenossen werden sicher schon beobachtet haben, dass immer noch dieses alte Miller/Hemingway-Phänomen existiert: Nordamerikaner, die zur künstlerischen Befruchtung den europäischen Städte-Kulturtourismus nutzen. Zu Millers Zeiten war es zum Beispiel Paris, Ende des Kalten Krieges Prag
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Aufmerksame Zeitgenossen werden sicher schon beobachtet haben, dass immer noch dieses alte Miller/Hemingway-Phänomen existiert: Nordamerikaner, die zur künstlerischen Befruchtung den europäischen Städte-Kulturtourismus nutzen. Zu Millers Zeiten war es zum Beispiel Paris, Ende des Kalten Krieges Prag und nun (auch nicht zum ersten Mal) Berlin. Nicht selten steigen Skurrilos oder Landeier in der Fremde zu schillernden Paradiesvögeln empor, die irgendwann aus den Zentren der alteuropäischen Metropolen nicht mehr wegzudenken sind. Man denke dabei nur an die Frankokanadier Peaches oder Gonzales. Und, um es kurz zu machen, der Amerikaner Jacob Dove Basker ist genau dieser Typ Künstler. Ein kuschliger, robuster Harleyfahrer-Grizzlybär mit der Ausstrahlung eines Scheinwerfers, dem Timbre eines Märchenonkels und der Präsenz eines Wagner-Epos’. Wenn man den Gerüchten glaubt. Keine Garantien also, auch nicht für sein Pseudonym Jake The Rapper. Denn so furchtbar ist seine künstlerische Aktivität nun wirklich nicht. Vielmehr handelt es sich um den Gegenentwurf zur Globalisierung des Raps nach amerikanischem Muster, zur Pimpiesierung durch all die Snoobs, Daddys oder Pharrells. Also: um die Opposition des amerikanischen Mainstreams im Geiste der Beastie Boys. So weit kann man gehen, ohne sich ‘nen Satz heiße Ohren zu holen. Jake rappt nicht nur, er elektroschockt, er breakt und tanzt und querstylt. Zum Beispiel mit einem Buzzcocks-Cover (›Hollow Inside‹). Das kann kein Zufall sein, denn Jake performte schon mit Mitgliedern von Pearl Jam, Soundgarden und Chad Channing (dem Ausgemusterten) von Nirvana! Solch belebte Biografien rütteln an der eigenen kleinen Welt, den Bequemlichkeiten des Alltags. Jake versetzt einen ordentlichen Tritt ins Phlegma, und das ohne vorgeschobene Aggressivität. Und das kann man so machen. Man sollte es sogar genau so tun.