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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Enge Jeans. S(ch)lim(m) fit

Jahresrückblick

Es wird leider sehr altklug klingen, aber das Ganze war natürlich nur eine Frage der Zeit. Der gute Hedi Slimane konnte es bei Dior Homme schon seit Jahren nie slim genug kriegen; als Karl Lagerfeld sich zum Klappergestell runterhungerte, war auch längst klar, was Sache ist; und irgendwie hatte man
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Es wird leider sehr altklug klingen, aber das Ganze war natürlich nur eine Frage der Zeit. Der gute Hedi Slimane konnte es bei Dior Homme schon seit Jahren nie slim genug kriegen; als Karl Lagerfeld sich zum Klappergestell runterhungerte, war auch längst klar, was Sache ist; und irgendwie hatte man – wenn man sein Geld nun nicht gerade als Rapper verdiente – den Dicke-Hose-Style sowieso längst über. Also: enge Jeans! Engere Jeans! Noch engere Jeans! Zuerst trauten sich die, die es sich leisten konnten. Sprich: die wenigen, die die passende Figur, also eigentlich gar keine Figur hatten. So dürr wie die Dior-Boys, Pete Doherty oder Kate Moss kann ja nun nicht jeder sein. In Schweden schien es allerdings genug Magere zu geben. Daher kamen jedenfalls im vergangenen Jahr die Labels, die ganz vorne mitmischten. Wobei eigentlich? Beim Kopieren des Slimane-Looks? Oder bei der Ausgrabung dessen, was sich auch Slimane nur geklaut hatte – des Looks also, der sich anno dazumal von Glam-Rock bis zu Hair-Metal konsequent durchquetschte? Wie auch immer: Acne, Cheap Monday, Nudie, J Lindeberg hießen die Marken, die 2006 ein Weniger an Denim als ein Mehr an Style verkauften und dabei die sonst so mächtigen Jeans-Riesen Levi’s, Diesel und Replay – man verzeihe den Kalauer – in die Röhre glotzen ließen. Die hatten den Trend nämlich verschwitzt, beim Entwickeln aller möglichen unnötigen Waschungen. Fazit: 2006 war das Jahr, in dem man sich, um seine Hose zuzubekommen, wieder auf den Boden legen musste. Und in dem wohl der Grundstein für den einen oder anderen Hodenkrebs gelegt wurde. Dafür, dass der Trend seinen Zenit längst wieder überschritten hat, spricht dann wohl, dass mittlerweile auch diejenigen, die es sich besser nicht leisten sollten, mitmachen wollen. Wobei man der Fairness halber sagen muss: Wurst in der Pelle, warum sollte das heute viel schlimmer aussehen, als es schon in den 70ern und 80ern schlimm aussah? Damals hat sich bekanntlich irgendwann keiner mehr dran gestört. Man gewöhnt sich eben an alles. Auch ans Weggucken.