×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Sound-Strecke: Was ist Musik?

Jahresrückblick

Björk, Brian Eno, Hudson Mohawke und Scott Walker im Produzentengespräch (über Songwriting, Sounds und Zukunftstechnik)
Geschrieben am

Der Fortschritt ist, das hat die Geschichte gezeigt, oft der Motor der Künste. Entstehen neue Produktions- und Präsentationsformen, lösen sie kulturelle Brüche aus, an denen Künstler sich und ihre Arbeitsweise neu ausrichten.

Man denke auf musikalischem Terrain an die Erfindung der elektrischen Gitarre. An die Auswirkungen des Samplers für die Produktion elektronischer Musik. Oder auch an die Einführung der CD, die die Spannungsbögen von Alben verändert hat. Andererseits müssen neue Möglichkeitsräume nicht deren zwanghafte Nutzung bedeuten.

Auf den folgenden Seiten finden sich vier Gespräche mit den ProduzentInnen Björk, Brian Eno, Hudson Mohawke und Scott Walker über ihre individuellen Produktionsweisen, die Bedeutung von aktuellem technischen Fortschritt für die eigenen Produktionen und die Einschätzung des aktuellen musikalischen Status quo.

In Sachen Soundinnovation ist Björk traditionell weit vorne. Ihr 2011 erschienenes Album »Biophilia« war ein multimediales Spektakel zwischen Musik, Show und Technik, das mit retrofuturistischen Instrumenten und digitalen Apps daherkam, durch die der Hörer die Songs selbst remixen konnte. Das »Biophilia«-Remixalbum »Bastards« greift den Gedanken auf, spielt ihn aber zurück in die Hände von prominenten Klangforschern wie Hudson Mohawke, Death Grips oder Carsten Nicolai. Sebastian Ingenhoff sprach mit der Technikfetischistin über den Drang, musikalisches Neuland erkunden zu müssen.

Ob als Gründungsmitglied von Roxy Music, Schöpfer wegweisender Ambientalben oder als Produzent von Stadionrockbands wie U2 oder Coldplay: Brian Eno hat in den letzten vierzig Jahren Musikgeschichte geschrieben. Der vierundsechzigjährige Klangdesigner war auch 2012 sehr produktiv und sorgte zuletzt mit der App »Scape«, durch die der User selbst zum Komponisten wird, für Aufsehen. Sebastian Ingenhoff dachte mit Brian Eno über neue Möglichkeiten des Komponierens und die dafür nötigen digitalen Spielzeuge nach.

Der aus Glasgow stammende Produzent Ross Birchard hat in letzten drei Jahren den Durchbruch geschafft. Der Schotte, der dem LuckyMe-Produzentenkollektiv angehört, stieß mit seinen HipHop/Turntablism-geschulten Wonky-Produktionen auch abseits enger Szenezusammenhänge auf großes Interesse. So heuerte der Rapper Kanye West den 26-jährigen Hudson Mohawke als Produzenten für sein Crew-Album »Cruel Summer« an. Just nach einem weiteren Studioaufenthalt mit West bot sich Thomas Venker die Gelegenheit, mit Birchard über seine musikalische Reise zwischen den Welten zu sprechen.

Aus der Musiker-Generation, die ihre großen Erfolge noch im Swinging London der 60er-Jahre feierte, ging Scott Walker als rätselhaftester Protagonist hervor. Nach der Trennung der Walker Brothers im Jahre 1967 nahm Walker vier existenzialistische Meisterwerke des Orchester-Pomp auf. Immer schon zur Introspektion neigend, zog er sich mit Beginn der frühen 80er aus dem Alltag des Pop-Geschäfts zurück, um in zunehmend größeren Abständen stetig unzugänglichere Alben zu veröffentlichen. Mario Lasar traf ihn in Paris zum Gespräch über seine spezielle Art der Soundgenese, für die er auch mal auf einen toten Tierkadaver zurückgreift, wenn es nötig ist.