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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Part II: Nashville Musicity

Jack Daniel's Backstage Festival

Teil 2 des munteren USA-Erlebnisberichts von Volkmann und Venker. Heute mit: The Rapture.
Geschrieben am
12. - 16.04.07, Lynchburg + Nashville, Tennessee, USA.

Und weiter ging es. Auf den Spuren von Musicity Nashville besucht man Honky Tonk-Läden mit Livemusik schon am Vormittag. Dazu gibt es Elvis-Kitsch an jeder Strassenecke. Und natürlich US-typisch: keine Fußgänger sondern bloß Autos. Mittags geht es zu den Siegern der internationalen Bandausscheide. Unter anderem schocken Finnen, Türken und Spanier mit Bon-Jovi-Posen ordentlich was weg. Letztere faszienieren uns so sehr mit ihrer erfrischenden Absenz von Cool, dass ihnen bald ein eigener Beitrag gewidmet werden wird (inklusive Fotos von Le Volkmann und den Toreros).

Abends zieht man sich eine Jacke über und wird via Bus in die Mercy Lounge geshuttlet. Jacke? Ja, genau. Mittlerer Westen hin oder her, hier ist es zehn Grad kälter als zur selben Zeit im frühlingsgefühligen Deutschland. Zudem zieht ein Sturm über die Ostküste heran, der viele der 360 internationalen Gäste an ihren morgigen Flügen hindern wird. Aber davon ahnt hier noch niemand etwas. Alle haben nur The Rapture im Kopf. Gut, einige denken dabei an den aufwühlenden Song von der 1980er Blondie-Platte 'Autoamerican', aber auch diese vor zwei Jahrzehnten im Pop Hängengebliebenen trauerten nicht lange, als statt der erhofften Debbie Harry doch nur eine All-Man Nu-No-Wave-Band die Bühne betrat.

Klar, haben die Jungs doch einige Hits im Repertoire. Wir sagen nur 'Sister Savour', 'House Of The Jealous Lovers' undundund. Ja und natürlich auch noch die Songs des aktuellen Albums 'Pieces Of The People We Love', mit dem sie es, wie schon der Act des Vorabends, also die Kaiser Chiefs, aufs Introcover geschafft haben. Insofern wurde hier abgeliefert ohne Pause. Nur in einem kurzen Zwischenmoment, als sich Sänger und Keyboarder zum Duo allein auf die Bühne begaben, blieb mal Zeit zum Durchatmen, wurde im furiosen Dauerstakkato dieses High-Energy-Experimentalrocks einem so bewusst, wieviel Catchyness die Band in ihren Songs trotz aller Avantgardeansätze zu droppen vermag, und wie sinnig somit der Namensbezug zur Popmaschine Blondie doch ist.

The Rapture sind eine der wenigen Bands, die den schmalen Grad zwischen Ambitionen und Bedienen locker meistern. Und wie es der Zufall so wollte, spielte nur hundert Meter weiter, aber durch eine Mauer getrennt im Cannery Ballroom eine weitere aktuelle Band, die dieses seltene Talent besitzt: TV On The Radio. Insofern wurde Nashiville in der Tat mal wieder seinem Ruf als Musicity mehr als gerecht.