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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Vergifte dich«

Isolation Berlin

Obacht, ihr Erstis, Selbstfinder und Cool Kids: Berlin ist richtig scheiße. Serotoninhemmung, Spelunken-Romantik und Bamborschkes verkaterte Aphorismen auf »Vergifte dich« geben das unverblümte Manifest der Anti-Hipness.

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Bereits sein Gedichtband war ein lyrischer Magen-Reflux – Tobi Bamborschkes Kotzkragen platzte. Und auch »Vergifte dich«, das zweite Album seiner Band Isolation Berlin, gleicht nicht weniger einem Hassgelübde – zu großen Teilen wieder an die selbstverschwenderische Hipness der Hauptstadt. Das Credo ist frustrierend wie die Sonne, wenn sie dir halt mal nicht ins Gesicht scheint: Besoffene Gedankenspiele, dionysischer Wahnsinn und hedonistische Kompensation bestimmen das Metrum in jeder Zeile dieser unprätentiösen Spoken-Word-Psychose.

Wenn das nun Spelunken-Pop (»In deinen Armen«) oder gar Berliner Schule ist, dann passt das entweder besser nach Hamburg oder hat schon jetzt die meisten Klassenbucheinträge. Aufmüpfiger Noise (»Vergifte dich«), melodiöse Piano-Liebelei (»In deinen Armen«) und schlaftrunkene Synthies kippen dem Imperativ des Albumtitels schizophrene, aber immerhin klare Sounddestillate ins Schnapsglas. Von schwelgerischer Melancholie bleibt eigentlich nur Tristesse übrig, die Traditionslinie tagebuchtauglicher Poesie findet dennoch ihr Plätzchen. Für »Marie« trotzdem blöd: Sie ist mit Sicherheit die letzte Germanistik-Kommilitonin, die auf den romantischen Nihilismus Bamborschkes reinfällt. Mit »Die Leute«, ganz sicher aber mit »Kicks«, einer Ode irgendwo zwischen Electro-Punk und selbstzerstörerischer Individualitätstheorie, gelingt Isolation Berlin dann auch noch der Hit, den diese bewusstseinsströmenden Notizen nicht mal gebraucht hätten.

Isolation Berlin

Vergifte dich

Release: 23.02.2018

℗ 2018 Staatsakt.