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Introducing

So war’s in Berlin: haarig, psychedelisch und punkig

Introducing mit Suns of Thyme, Splashh und Parquet Courts

Punk der 70er, Shoegaze der 80er, Grunge der 90er. Die Acts des Introducing im Oktober besinnen sich auf handgemachte, krachige und treibende Musik vergangener Zeiten.
Geschrieben am

22.10.2013, Berlin, Lido

 

Lange Haarmähnen, groovige, hervorstechende Basslines und ein genussvolles Zelebrieren von instrumentalen Breaks ziehen sich als Leitmotive durch den Abend, was die drei Bands zu einem runden, harmonischen Klangpaket zurrt. Weitere Gemeinsamkeiten sind der Lo-Fi-Sound und die DIY-Attitüde, die sowohl Suns of Thyme als auch Splashh und Parquet Courts charakterisieren. Selten haben sich bei Introducing die vorgestellten Newcomer so gut ergänzt beziehungsweise gegenseitig vorbereitet wie an diesem Abend.

 

Suns of Thyme aus Berlin setzen mit ihrem mystischen, düsteren Psychedelic-Space-Rockgemisch die musikalische und atmosphärische Basis. Von ihr aus schreiten die Londoner Splashh ähnlich shoegazy voran, greifen aber zusätzlich noch tief in die Grunge- und Surf-Werkzeugkiste. Es bleibt verträumt, verschwommen und verhallt; die Grundstimmung ist jedoch trotzdem etwas sonniger und positiver. Vor allem als Sänger Sasha Carlson gegen Ende des Sets ekstatisch ins Mikrophon schreit, steigt das Dynamik- und Energielevel im Lido merkbar an.

 

Parquet Courts aus New York setzen anschließend sowohl die schnodderigen, teilweise an Oasis erinnernden Vocals, als auch die kraftvollen Schrammel-Chords von Splashh fort. Was das Genre betrifft, regiert nun aber eindeutig der Punk der 70er und 80er Jahre. Die Publikumsfavoriten und Pogo-Garanten »Borrowed Time« und »Master of My Craft« rücken Parquet Courts erst relativ spät raus. Zunächst nutzen sie die Aufmerksamkeit, um ein paar neue Songs vorzustellen, darunter auch der Track »Bodies«, bei dem sich Sänger Andrew Savage und Gitarrist Andrew Brown ein interessantes Vocal-Wechselspiel liefern.

Der Abend der großen Stimmen ist dieses Introducing Konzert allerdings nicht. Der Gesang der Suns of Thymes tönt zwar majestätisch und mantra-artig, ist aber gleichzeitig auch sehr monoton und vom Tonumfang her ziemlich begrenzt. Splashh und Parquet Courts konzentrieren sich größtenteils aufs Bellen oder – im Fall der letzteren  – auf eine Art emotionslosen Sprechgesang. Über ein bisschen mehr Melodie, ein bisschen mehr stimmliche Professionalität und Sauberkeit, hätte sich das sensible Ohr gefreut.