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Intro vor Ort: The Flaming Lips, Suicide, Grinderman und mehr

So war das Primavera Sound 2011

Das Primavera Sound öffnete Mittwoch die Tore mit unter anderem Suicide, Grinderman und die Flaming Lips. Thomas Venker hat ihnen auf die Finger geschaut. Das hier hat er gesehen.
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Und am Ende leuchtet dann doch alles hell beim Primavera Sound 2011. The Flaming Lips (Foto) stehen auf der nach einer spanischen Biersorte benannten Hauptbühne und machen mal wieder alles vergessen: Das eigene Leben, die durchschnittlichen Performances der anderen, oder auch Getränkenachschubprobleme, Müdigkeit oder langweilige Gespräche mit noch langweiligeren Leuten. Das Primavera steht in Flammen während ihres Auftritts, Wayne Coyne hebt seine riesigen Hände in die Höhe oder sind es doch künstliche? Wer will es um drei Uhr morgens noch sagen? Die tagsüber gecasteten Tänzerinnen drehen durch wie sonst nur beim Spring Break und das Publikum führt sich auf als ob es gerade kollektiv Prozac geschmissen hat. Es ist also alles so herrlich wie es nur werden kann auf einem Festival.

Das war nicht bei allen Bands des ersten Hauptabends der 2011 Auflage des Primaveras so. Das Racist zum Beispiel rappten sich relativ schlapp durch die Songs ihres an sich hervorragenden letzten Albums »Shut Up, Dude«. Rap live ist eben oft eine enttäuschende Sache. Dass es nicht so sein muss, zeigte ein paar Stunden zuvor Big Boi, der eigentlich nicht viel mehr machte, als präsent zu sein, das aber mit allem was er zu geben hat. Man kann es Charisma nennen, vielleicht aber doch lieber Selbstanspruch. Keine Blödeleien, keine großen Spielereien drumherum: einfach nur tight knackig abliefern. Angenehm erfrischend war das.
Aber bleiben wir doch erstmal bei den Enttäuschungen. Draufhauen macht doch immer Spaß. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Salem sich nicht langweilen, wie sie da zu ihrem Backing-Band ein paar Livegeräusche fabrizieren. Ein sattes Gähnen ist noch zuviel der geschenkten Reaktion. Ähnlich öde war der Auftritt des Glenn Branca Ensemble. Zumindest was Gesichtsprominenz betrifft war diesmal kein Thurston Moore oder jemand aus der vergleichbaren Liga dabei. Und auch was die Skills angeht musste man sich schon wundern. Die große Idee des Brancaschen Gitarrenorchesters reduziert auf ein paar Leute, die mehr oder weniger mit Nulldynamik dem Schlagzeug folgen – und somit den Herr im Ring als Dirigenten obsolet machen. Legende ist ja eh ein großes Wort, heute war es im Kontext mit Glenn Branca ein falsches zudem. Der Auftritt von Seefeel war zwar auch alles andere als originell, visuell gesprochen, aber musikalisch eben überzeugend. Man kann also auch nach vielen Jahren noch mit Verve überraschen und nicht nur den Status verwaltend abliefern. Letzteres hat PIL zwar gemacht, und der Autor fand es auch schrecklich öde, hat jedoch den Verdacht, dass das damit zusammenhing, dass er ihn angeschaut hat. Manchmal ist nur zuhören doch die bessere Wahl.



Was gibt es noch zu sagen?

1. Das Festivalgelände ist in diesem Jahr noch größer, dabei wieder angenehm übersichtlich und leicht begehbar. Die Atmosphäre entspannt und sehr auf die Musik als Hauptereignis zugeschnitten. Ja, das klingt trivial, aber bei den meisten Festivals ist es leider eben nicht so.

2. Grinderman wollte jeder sehen. Zu Unrecht, denn das war das ödeste, was man aus Rock 2011 rausholen kann. Aber die Spanier mögen eben ihren Nick Cave sehr. Was man an sich auch verstehen kann, solo hat er es ja - einen Stromausfall habe ich mir aber trotzdem herbei gewünscht.

3. Gleiches Fazit gilt generell für Gothic-Bands. Schuld sind die Black Dogs. Mal ehrlich, wenn die einzige Idee für eine Band eine Synthieline, über den Kopf gezogene Kapuzenpullis und ein bisschen Hokuspokus sind: Aufgeben.

4. Machen wir natürlich nicht. Denn Morgen und Samstag geht es weiter. Das Primavera 2011 hat ja erst angefangen.

5. Das Schlusswort gehört Suicide. Martiv Rev und Alan Vega sind noch immer die coolsten. Angemessen laut bratzen sie sich durch ihre Hits. Keine Spielereien, keine großen Stories, da sind sie ganz bei Big Boi. Wer es hat muss eben nicht viel Make Up auflegen. Schön dass ich das sehen durfte. 


Bilder vom Festival findet ihr hier.
Mehr vom Primavera Sound 2011 fortlaufend auf intro.de und festivalguide.de.