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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

In eigener Sache

Intro verabschiedet sich

An dieser Stelle müssen wir leider schlechte Nachrichten verkünden: Intro wird es ab Juli nicht mehr geben. Bis dahin erscheint noch die reguläre Mai-Ausgabe, der Festivalguide, ein Praise-Heft und ein Abschieds-Intro. Die Gründe erklärt Chefredakteur Daniel Koch.

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»Warst du nicht fett und rosig?«

Damit sind die harten Fakten auf dem Tisch, und ich kann ein wenig ausholen. Die Gründe für diese Entscheidung dürften jedem klar sein, der sich in der Musik- und Medienbranche bewegt. Trotz gemeinsamer Bemühungen ist es uns nicht gelungen, die negativen wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre zu kompensieren – womit uns ein ähnliches Schicksal ereilt wie erst kürzlich das Neon-Heft. Der Anzeigenmarkt für Printmagazine ist dramatisch geschrumpft – in einem Maße, das auch durch Digital-Erlöse nicht aufzufangen war. Leider ist es uns nicht gelungen, diese Verluste langfristig auszugleichen. Nun ziehen wir die Konsequenzen.

»Man muss immer weiter durchbrechen.«

Matthias Hörstmann, Gründer und Verleger, sagt:

»Intro ist für mich zu keinem Zeitpunkt ein Job gewesen, sondern das große Privileg, eine Leidenschaft zum Beruf machen zu können. Und das mit großartigen Menschen, die diese teilen. Wenn man für diese Arbeit auch noch Zustimmung von Lesern, Konzertgängern und der Branche erhält, ist das wirklich eine wundervolle und einzigartige Sache. Umso bewegender ist es für mich jetzt, aufgrund immer aussichtloser werdender wirtschaftlicher Rahmenbedingungen kapitulieren und ›Tschö‹ sagen zu müssen.

Da Intro mein erstes Baby war und ich die Verantwortung trage, überwiegen derzeit natürlich Frust, Melancholie und Trauer. Aber auch wenn uns die großartige Aufgabe und ein Traum-Job genommen werden und wir dieses Magazin künftig leider nicht mehr im gewohnten Redaktions- & Verlags-Team publizieren können: Was ewig bleiben wird und mir und allen Wegbegleitern und Wegbegleiterinnen niemals zu nehmen ist, sind all die wundervollen Episoden und Erinnerungen, das Wissen um die Freude, das Glück, der Stolz!

Für den Moment bleibt mir erst mal nur zu sagen: von Herzen Danke an alle, die über all die vielen Jahre ihren ganz persönlichen Teil dazu beigetragen haben – allen voran meinem Team!«

»Das haben sich die Jugendlichen selbst aufgebaut.«

Als ich Intro Ende der 90er bei Shock Records in Osnabrück zum ersten Mal in die Hände bekam, war ich begeistert und fragte den Verkäufer nach dem Preis. Der knurrte nur, dass Intro gratis sei, das wisse man doch. An diese erste Begegnung muss ich immer wieder denken. Nüchtern betrachtet war Intro ein werbefinanziertes Gratismagazin, aber das beschreibt höchstens das Geschäftsmodell. Intro war Haltung und Nerdwissen, enthielt Massen an Texten und geile Bilder mit mutigem Layout, Witz, und – ja, gut – es gab auch das eine oder andere vergurkte Advertorial. Aber Intro war eine Instanz im Popjournalismus, vor allem, nachdem Thomas Venker und Linus Volkmann das Heft auf ihren Kurs gebracht hatten. Und aus Intro sind Sprösslinge entstanden, die heute selbst als einzigartige Marken dastehen: 11Freunde, Melt Festival, Melt! Booking und andere namhafte Festivals. All diese Unternehmen aus der Wurzel Intro haben eine wunderbare Zukunft vor sich.

»Kommst du mit in den Alltag?«

Ich stieß 2006 zum Team hinzu, erst als Praktikant, dann als Volontär des Festivalguides und ab 2014 als Intro-Chefredakteur. Damit verkörpere ich eine weitere Besonderheit dieses Heftes und dieses Verlages: Man kommt an Bord, bleibt irgendwie hängen, will gar nicht mehr weg – und bekommt zum Dank plötzlich einen Job, auf dem man sich selbst erst in fünf Jahren gesehen hätte. Biografien wie meine gab es bei Intro viele. Dieses Vertrauen in junge Talente versuchten wir stets weiterzugeben – und haben dabei hoffentlich ein paar Musikjournalistinnen und -journalisten oder Fotografen und Fotografinnen früh auf ihren Weg geschubst. Intro war schon immer eine Gang, in der es zwar auch mal ruppig zugehen konnte, die aber zusammengehalten und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Stolz erfüllt hat. Ich habe immer gerätselt, wie es sein kann, dass ich in all den Jahren höchstens zwei oder drei Kollegen hatte, mit denen ich nicht jederzeit einen saufen hätte gehen wollen. Das ist eine verdammt gute Quote für eine Firma.

Und damit sind wir schon bei den wichtigsten Menschen: dem Team. Erst kürzlich fragte mich eine gute Freundin nach einer gelungenen Heftproduktionsnacht, warum ich mir denn immer noch diesen stressigen Job gebe, der mich dazu zwingt, jede Woche zwischen dem Kölner und dem Berliner Büro zu pendeln. Und ich sagte völlig ernst und ein wenig Euphorie-besoffen: »Weil ich das Gefühl habe, mit dem geilsten Team der Welt am geilsten Heft der Welt zu arbeiten.« Das ist natürlich pathetisch verklärt und übertrieben und anmaßend – aber es traf meine Motivation und mein Empfinden einfach am besten. Deshalb an dieser Stelle noch einmal ein Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Intro über Jahrzehnte mitgestaltet und geprägt haben. Es waren diese familiäre Kultur und freundschaftliche Verbundenheit untereinander, die Intro in allen Höhen und Tiefen ausgezeichnet haben – und die mir persönlich diesen Abschied sauschwer machen.

»Meine Leute da draußen.«

Ein ebenso großer Dank gilt natürlich allen Lesern und Leserinnen, Autorinnen und Autoren, Fotografinnen und Fotografen, Partnerinnen und Partnern, Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern, die – wie wir – bis zum bitteren Ende an diese Marke geglaubt haben. Ihr wisst, wer gemeint ist, und wir hoffen, mit euch in den nächsten Wochen noch mal anstoßen zu können.

»Finger on the trigger for the years to come.«

Puh. In dieser ganzen Wortflut ist hoffentlich deutlich geworden, dass wir uns nicht grimmig ins Grab knurren, sondern diesen wundervollen 27 Jahre währenden Ritt stilvoll zu Ende bringen werden. Intro.de und festivalguide.de bleiben bis Juli fresh und aktuell. Und das letzte Intro-Heft wird natürlich ein Knaller.

Wir sehen uns!