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So war Köln, so war Berlin…

Intro Intim - Stickman Special

Es hätte alles auch ganz anders kommen können, wenn Favez keine Autopanne in Bad Hersfeld gehabt hätten. Genau dies führte nämlich zu einer ganz schönen Verspätung des Zeitplanes bei unserem "zwar nicht Geburtstag aber mindestens genau so schön" Intro Intim - Abend zu Ehren unseres Lieblingslabels
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Es hätte alles auch ganz anders kommen können, wenn Favez keine Autopanne in Bad Hersfeld gehabt hätten. Genau dies führte nämlich zu einer ganz schönen Verspätung des Zeitplanes bei unserem "zwar nicht Geburtstag aber mindestens genau so schön" Intro Intim - Abend zu Ehren unseres Lieblingslabels Stickman/Sticksister im Berliner Magnet Club. Die Stunde Verzögerung hatte natürlich auch so seine Vorteile, denn als Chris, der Sänger von Favez zu seinem Solo-Akustik-Set The Sad Riders aufspielte war der Magnet Club schon nahezu ausverkauft. Und das an einem Mittwoch!

Mit Akustik Gitarre bewaffnet saß er auf einem Stuhl auf der Bühne und warnte das Publikum schon mal mit leiser Stimme vor: "dies wird eine leise Show, nachher wird gerockt. Bitte nehmt Rücksicht. Wer reden will soll das in der wunderbaren Bar tun." Und er hatte recht. Denn The Sad Riders ist die countryesque Essenz aus dem, was Chris mit Favez macht. Mit Sinn für Details und ganz, ganz leise.

Die Schweizer Brazen knüpften mit ihrem Opener an die melancholische aber wohltuende Vorarbeit des Favez Sängers an und verzögerten ihren emotional Hardcore Ausbruch ein wenig. Nach dem ersten Stück wurde dann aber klar gestellt: dies ist eine Punk Rock Band. Und das haben sie wirklich gut gemacht, zumal der Magnet inzwischen ausverkauft war. Favez rockten danach garandios und voller Freude gen Mitternacht.

Alle Ängste, dass nach einer furiosen Favez Show 99% des Publikums aufgrund der doch schon späten Uhrzeit den Club verlassen und 35007 [=Loose, Anm.d.Red.] alleine da stehen würden haben sich glücklicherweise nicht bestätigt [Red.: Berlin wir lieben dich]. Um 01.30h haben die 4 Holländer dann wohl ihre beste Show ever gespielt. In ihrer fulminanten Multimedia-Show including erstklassige Visuals und Synths meets Inferno-Space-Rock stimmte alles. Und, liebe Berliner, ihr habt mit der Band gefeiert und die lieben euch auch dafür. Danke Berlin. Wir kommen wieder.

Tag 2 in Köln, Gebäude 9. 18h und keine Band in der Halle. Ein Deja-Vu. Aber alles wurde dann doch noch gut. Chris saß fast pünktlich auf der Bühne und ließ das Publikum erstmal hinsetzen. "Sit down, same as I do" sagte er, und das Gebäude 9 wurde zu einer Pfadfinder-Lagerfeuer Jurte umgewandelt. Wer hätte das Gedacht. Es funktionierte.

Brazen legten dann ohne Kompromisse los, und errichteten ihre Gitarrenwand ohne lange Spielereien. Die wohl einzige etwas eigenartige Situation entstand, als Favez-Sänger Chris vor ihrem Auftritt verkündigte, wie scheiße er eigentlich das Gebäude 9 findet [Anm. der Red.: Gebäude 9 we like you]. Klar, ist seine Sache, aber es gehört nicht auf die Bühne. Dem Publikum zuckte dazu nur mit den Schultern und feierte die nächste Stunde zusammen mit der Band.

Wenn es eine Klimax von Konzerten gibt, dann muss das Statement zum Tag davor revidiert und behauptet werden: die Klimax aller 35007 Gigs und die Mutter aller Klimaxe [Red.: Hallo Griechischlehrer, ist das Wort ein Singularitantum?] fand hier statt. Das aufgewärmte und relaxt verteilte Publikum stieg zusammen mit der Band tief in den psychedelischen Sound-Kosmos ein und kam dadurch z.T. in spirituelle Erweckungszustände, so dass der ein oder andere Slo-Mo-Derwisch gesichtet wurde. Ausgewachsene, zufällig anwesende Techno-Jünger hatten plötzlich das Licht gesehen und ließen sich im Namen der Gitarrenmusik taufen. Vielen Dank liebe 35007, ihr habt uns mal wieder gezeigt, dass wir noch lange nicht alles gesehen haben. Ihr seid toll. Und Stickman auch.

Eindrücke könnt ihr Euch in der Bildergalerie verschaffen.