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Es ist so hell

Intro Intim Mai live

Mit Sometree, Kante, Radio4. 24.05.06, Köln, Gebäude 9. Hier geht's zur Fotostrecke Ein riesiger Strahler vom WDR-Ü-Wagen leuchtet von außen durch die Scheiben ins Gebäude 9. Ganz ungewohnt, die Räumlichkeiten im Hellen zu sehen. Man wird das Gefühl nicht los, dass es noch mitten am Tag ist. Ein
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Mit Sometree, Kante, Radio4. 24.05.06, Köln, Gebäude 9. Hier geht's zur Fotostrecke

Ein riesiger Strahler vom WDR-Ü-Wagen leuchtet von außen durch die Scheiben ins Gebäude 9. Ganz ungewohnt, die Räumlichkeiten im Hellen zu sehen. Man wird das Gefühl nicht los, dass es noch mitten am Tag ist. Ein bisschen wie Festival ist das. Die ungewohnte Stimmung im Gebäude ist noch nicht ganz bei mir angekommen, als Sometree ihr Set beginnen. Ruhig und getragen habe ich die Songs der Ex-Hannoveraner und nun Wahl-Berliner in Erinnerung. Doch trügt mich diese anscheinend gewaltig, denn was die Jungs auf der Bühne abfackeln, hat mit Kerzenschein-Untermalung nichts zu tun. Sometree lenken den Hörer durch vertrackte Passagen mit schwermütigen Melodien hin zu rauschartigen Zuständen, in die sich die Musiker zum Ende des Sets mit vollem Körpereinsatz steigern. Der unüberhörbare HC/Emo-Background wird bei Sometree durch experimentelle Soundeinlagen und durch technisch-versiertes Spiel, vor allem von Schlagzeuger Björn, ergänzt. Mein Nachbar kommentiert den Auftritt lapidar mit ‚gut'. Das ist untertrieben, kann man aber getrost so stehen lassen.

Peter Thiessen tritt mit Künstlerschal auf. Diese offensichtlich boheme Geste steht jedoch entgegen dem fast schon bodenständig rockenden Set der Hamburger. Rock ist auch der SG-Gibson Bass vom nicht mehr ganz so neuen Zugang Florian Dürrmann, der übrigens ganz nebenher als Düsseldorfer geoutet wird. Und da haben wir es: Frotzeleien und Rockismen arbeiten gegen die verkopften, intellektuellen Erwartungen, die im Vorfeld eines Kante-Konzert kursieren. Gerade live steht ihnen das äußerst gut zu Gesicht. Sphärisch-ausufernde Parts wie beispielsweise "Best Of Both Worlds" sucht man bei Kante also vergeblich. Straight und kompakt geht es zur Sache. "Die Tiere sind hungrig" eröffnet das Set und gibt einen Vorgeschmack auf das im August erscheinende Album mit dem selben Titel. Inhaltlich bleibt es mit Songs wie "Zombi" und zum Schluss natürlich "Die Summe der einzelnen Teile" selbstredend tiefgründig. Alles jedoch ohne die Handbremse zu ziehen - eben doch "Best Of Both Worlds".

Mit der ersten Schwemme der New-Disco-Punk-Welle kamen Radio4 angeschwappt, mit den besten Empfehlungen und soundtechnischer Patenschaft von den Gurus der Tanzflächen-Stampfer James Murphy und Tim Goldsworthy. Die haben dem New Yorker-Quintett bei ihrem zweiten Album "Gotham" den endgültigen Weg vom Punk Richtung Dancefloor gezeigt. "Enemies Like This" heisst der aktuelle Opus und bietet so gesehen keine bahnbrechenden Neuerungen, was den Radio 4-Sound angeht. Anthony Roman und Co. legen an der Stelle, wo The Rapture in funkige Gefilde driften, noch eine Kelle nach. Das Gebäude weiss das zu schätzen und so sieht man vom hinteren Teil, durch den immer noch beleuchteten Raum, überall schwingende Gliedmaßen bis hin zu ekstatischen Bewegungen vor der Bühne. Als Antwort gibt es im Zugabenteil "Dance To The Underground", der noch mal deutlich macht, dass es nicht den geringsten Grund gibt, mit der eingeschlagenen Richtung zu Beginn ihrer Karriere zu brechen - es funktioniert. So, und jetzt Licht aus.