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Selbstmitleid? Geschenkt!

Intro Intim Köln

Wie immer ein eklektisches Line-Up beim Intro-Intim. Diesmal geht es durch die frischen Hoffnungen des tanzbaren Indie: Wave mit The Pigeon Detectives, Miami Disko mit Lo-Fi Fnk und Post-Punk-Elektro mit Shitdisco.
Geschrieben am
17.01.2007 Gebäude 9
Bildergalerie

Der erste Sturm des Jahres kündigt sich an. Orkan "Kyrill" liegt in Lauerstellung und soll morgen auch Köln überrollen. Vielleicht keine schlechte Idee, heute nochmal feiern zu gehen, bevor morgen die Hölle losbricht? So oder ähnlich könnten die Gedankengänge der Intim-Crowd an diesem Mittwoch abend in Köln ausgesehen haben.

The Pigeon Detectives, ein junges Quintett aus Leeds, stellen da nicht den schlechtesten Opener. Vielleicht hat Sänger Matt auch schon von der Sturmwarnung gehört und will seinerseits nun auch ein bisschen für Wirbel sorgen, jedenfalls lässt er über die gesamte Dauer des gut 45-minütigen Gigs das Mikrokabel kreisen wie einst Roger Daltrey seinen "Propeller". Der beherzt vorgetragene UK-New Wave-Schrammelpunk hat große Momente, etwa die Single 'I Found Out', deren Chant "Going out with, yes, you're going out with" auch viele Abnehmer findet. Neu ist das alles nicht, aber wer so schön mit der Tür ins Haus fällt, braucht sich keine Sorgen zu machen, in der Nachbarschaft nicht bemerkt zu werden.

Lo-Fi-Fnk im Anschluss starten sehr vielversprechend, als einer der ersten Songs wird schon der Hit 'Wake Up' auf die Leute losgelassen. Der Funke springt aber trotz aller Bemühungen nicht auf jeden über, sodass sich im Laufe ihres Sets die zwei Lager immer deutlicher voneinander unterscheiden: Auf der einen Seite die Befremdeten, die nichts mit dem hemmungslosen Hedonismus der Band anfangen können, auf der anderen Seite die hemmungslosen Hedonisten, die feiern bis zum Abwinken. Das zu ihrem Sound, der ein wenig daran erinnert, wie das damals war, als man sich Selbstmitleid und Soundgarden das erste Mal geschenkt hat und in den Club gegangen ist, aus dem die Beats dröhnten. Und für etwa die Hälfte des Publikums verkörpern Lo-Fi Fnk die Sehnsucht genau danach.

Nach einem viel zu kurzen Set dann erstmal Umbaupause. Ziemlich nichtsahnend hat man das Bier gegen ein neues getauscht und dem Aufbau der interessanten Gerätschaften von Shitdisco zugesehen. Zwei Bässe und Vintage-Synthies. Die Synthies hat man auch erwartet, zwei Bässe nicht unbedingt.

Dann fangen sie an und gänzlich unerwartet bricht die Hölle los. Komplett das gesamte Spektrum hörbarer Töne decken Shitdisco ab. Gleichzeitig und auf brachialer Lautstärke. Gelegentliche Spitzen im Sound markieren den Rhythmus, der durchaus tanzbar ist, aber der Großteil versinkt im chaotischen Mahlstrom der Amps am Anschlag. Dass es zu einem größeren Knall kommt, wenn man Post-Punk mit elektronischer Tanzmusik kreuzt, leuchtet sicher jedem ein. Dass ein solches Inferno daraus würde, überrascht dann doch. Nur die schlimme Lautstärke stört, das Konzert schmerzt irgendwann einfach in den Ohren. Aber man kann dem Schmerz einfach durch Tanztherapie entgegen wirken, das hilft und macht Spaß. Dazu noch mit den Merch-Gimmicks der Stunde gewedelt (fluoriszierende Shitdisco-Leuchtstäbe, Anspielung auf 'Reactor Party') und deftig gefeiert. Der Sturm kann kommen.



Und das sagt Sonja Eismann: "Meine Güte, sind Lo-Fi Fnk jung und dünn! Oder sind wir schon so alt? Und ob der Schlagzeuger mit seiner Sonnenbrille wohl gut gesehen hat? Shitdisco barsten vor Bühnenenergie und waren sehr laut."

Und Dominik Scheidt so: "Shitdisco, Name nicht Programm, haben gut gerockt, satte Beats, Drums haben mir gut gefallen. Habe mir die Single gekauft. Beste Band des Abends, meiner Meinung nach."

Und aufgeschnappt von Mick Schulz: "Warum diese Assoziation sich mir so aufdrängt kann ich nicht begründen, aber die ganze Zeit muss ich bei Lo-Fi-Fnk an 'Miami Vice' denken oder manchmal an Jamiroquai. Da weiß ich aber, dass es daran liegt, dass der Schlagzeuger so eine Brille anhat, die aussieht, wie ein Prototyp für ein Head Mounted Display. Und das wiederum erinnert mich an das alte Video von 'Supersonic'. Ich musste mir die ganze Zeit vorstellen, dass er auf seiner Brille dieses Video sieht…."