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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Fantasy? Reality!

Intro-Intim April

06.04., Köln, Gebäude 9 ProgRock steht auf dem Plan beim heutigen Intro-Intim. Und es ist ja wirklich neu, dass die Indie-Gemeinde plötzlich einsteigt in die Materie der 7/8-Takte, Schachtelkompositionen und Keyboardburgen. Den Anfang machen Super 700 aus Berlin: Vier instrumentalfric
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06.04., Köln, Gebäude 9

ProgRock steht auf dem Plan beim heutigen Intro-Intim. Und es ist ja wirklich neu, dass die Indie-Gemeinde plötzlich einsteigt in die Materie der 7/8-Takte, Schachtelkompositionen und Keyboardburgen. Den Anfang machen Super 700 aus Berlin: Vier instrumentalfrickelnde Jungs als Backingband, und vorneweg drei anmutige Schwestern aus 1000 und einer Nacht, eine davon die Leadsängerin, die anderen beiden der Chor. Ganz schön betörend, akustisch und visuell, aber auch hochkomplex in Sachen Arrangement und Song-Dramaturgie. Moloko mit Indie-Attitüde könnte man das nennen, aber Super 700 machen ihr eigenes Ding, schlachten ihre offensichtlichen Verkaufsargumente nicht aus, sondern fordern das Publikum mit musikalischer Finesse.

Auch Kate Mosh kommen nicht auf den Punkt. Wollen sie auch gar nicht. Die Berliner Boys kommen optisch unscheinbar in schwarzen T-Shirts daher, verzichten auf große Worte und fackeln ein großes Emo-Feuerwerk ab. Da werden gefällige Rocksongs mittendrin jäh abgesägt und münden in Klanginferni, Screamo-Parts oder Electro-Frickel-Avantgarde-Pop-Passagen. Ein ziemlicher Höllenritt auf dem Indie-Bullen, von dem man sich aber keinesfalls abwerfen lassen sollte.

Zu später Stunde und nach langen Soundcheckorgien dann Mew. Die schießen den Vogel wirklich ab. Der Keyboarder mit wallender Lockenpracht, Vollbart und Brille könnte jederzeit bei Emerson Lake And Palmer einsteigen, der Sänger würde mit seiner Heliumstimme garantiert auch bei Yes unterkommen. Diese Musik klingt wie ein vertonter Fantasy-Roman und fönt mit einer solch enormen Druckwelle aus den Boxen, dass auch die Marsmännchen noch anerkennen mitnicken können. Die fünf Dänen spielen vor einer Leinwand, auf der Textfragmente durchs Weltall fliegen und illuminierte Trickfilmkatzen mit Motorsägen spielen. Geht es noch überambitionierter? Ist das der geile neue Scheiß? Kommt jetzt tatsächlich die Artrock-Welle? Ich bitte um Aufklärung.