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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Intro feiert bzw. beleidigt deine Lieblingsstars

BuViSoCo 2012

Hallo Max-Schmeling-Halle Berlin. This is the internet calling. Zum jüngsten BuViSoCo gab es an dieser Stelle einen einen liebevollen flame-war gegen die Schlechten im Musik-Biz und eine Superlike-Offensive für die Guten. Join our Ticker! (Sorry, aber mehr Anglizismen gingen wirklich nicht.)
Geschrieben am

Finale!
So sieht es also aus. Xavas gewinnen deutlich mit dem kitschig- wie mediokren "Schau nicht mehr zurück". Wer den Live-Ticker verfolgt, kann sehen, dass eine Schlüsselprognose damit Lügen gestrafe wurde. Die Orsons featuring Cro siegen nicht, Ba-Wü hat doch alles richtig gemacht. Verdammte Hellseherei. Nichts klappt. Obwohl auch das Saalpublikum mit diesem Ausgang nicht wirklich glücklich schien. Um die mäßigen Platzierungen von Fiva und Johanna Zeul ist es etwas schade. König Boris wird sich in den Hintern beißen, als einziger Big Name in der zweiten Hälfte gelandet zu sein. Überraschungen sicher die Band Ich kann fliegen und vor allem Laing aus Sachsen. Letztere kann man getrost als Siegerinnen der Herzen einstufen. 

Fazit: Viel Schatten, einiges an Licht. Und leider immer noch das Dilemma, das in
den allermeisten Fällen nicht der beste Song sondern eben der populärste Interpret ganz oben steht.




Xavas „Schau nicht mehr zurück“ (Baden-Württemberg)
Die Alphatiere sind los. Leider haben sie einen guten Song daheim vergessen. Und das obwohl sie an diesem Team-Up hier seit sieben Jahren (!) dran sind. (Quelle: aktuelle Bravo). Soßige Feelbad-Mucke mit Schüttelreimen und ganz ohne Charme: „Worte flowen wie Nasenbluten“, alles klar... Savas kann rappen. Aber das hilft irgendwann doch auch nicht mehr.

Laing „Morgens ziemlich müde“ (Sachsen)
Rapunzel hat auch 100 Jahre geschlafen – und hat’s ihr geschadet? Nö! Diese schwarzen Kleider und die roten Bäckchen. Was ist nur los im Fundus von Bands wie Ideal, was geht bloß ab in den wenigen guten Nischen des Format-Radios? Eigentlich überhaupt nichts. Hier aber doch. Und zwar einiges. 

Der König tanzt „Häuserwand“ (Hamburg) 
Uh, der liebe Pummel von Fettes Brot mit seinem super-heteromäßigen Gaylord-Alter-Ego. Und noch der von Bonaparte? Jeder, der sich verkleidet, ist David Bowie. Ich schwör's euch. In jedem Fall: Gekauft

Schné „Alles aus Liebe“ (Bremen)
Wie lange kann ich mich eigentlich damit aufhalten, wie scheiße der Name in dieser Schreibweise ist und vor allem aussieht? Kann an nichts anderes denken. Okay, höchstens noch daran, wie sehr das vulgär-poetische Schrottstück nervt. Mmh, Gummistiefel und nicht geschminkt a.k.a. "Ich bin eine Frau zum Pferde stehlen!"

B-Tight „Drinne“ (Berlin)
 Himmel, da war es ja fast noch attraktiver, als Aggro Berlin einen Mitte der Nuller mit Hass und Hormonen terrorisierten. Jetzt erfindet der "Blutsbruda" von Sido also Crossover neu. Also nicht den guten Crossover (falls es den je gab), sondern Zumutungen à la Emil Bulls oder 4lyn. Wenn das „drinne“ ist, will ich draußen bleiben.

Wie schlecht kommt Elton eigentlich mittlerweile rüber? Körpersprache und "Gags" auf Null. #greenroom

Ich kann fliegen „Mich kann nur Liebe retten“ (Niedersachsen)
Niedersachsen – eh schon die Antithese des Pops. Bedankt euch bei Wulff und Schröder. Und hört dann halt diese christliche GZSZ-Hintergrundmusik aus dem „Verworfen“-Ordner der ersten Echt-LP. Im Verhältnis zu den anderen Neo-Schlager-Fuzzis aber noch unter den Besseren.

Johanna Zeul „Sandmann“ (Sachsen-Anhalt)
Gute Stimmung im Außenseiterkäfig (den Status sieht man allein schon in den gernigen Klicks des Videos bei youtube). Aber nicht ohne Charme. Und emotional nicht bis zum Scheintod durchkonzipiert. Willkommen im letzten Viertel und in meiner Gunst.

Die Orsons feat. Cro „Horst und Monika“ (Saarland)  
Die Orsons! Die spackigste Boygroup der Nachkriegszeit. "Weg mit den Nazis, her mit der Scheide". Dazu noch der Erfolgspanda Cro. Da hat Oskar Lafontäne auf drei Flaschen Rotwein ein gutes Näschen erwiesen bei diesem Transfer. Instant-Sieger - und das nicht zu unrecht. Absoluter Loser dabei: Ba-Wü, das dachte, der staatstragende Xavier Naidoo sei noch das Maß aller Dinge. Von wegen. Das hier läuft.

Vierkanttretlager „Fotoalbum“ (Schleswig-Holstein)
Norddeutsche Bachelor-Studenten in Ekstase, die „Turbostaat“ erwähnen. Im Trailer-Video bei "TV Total" sah man die haarlosen Nerds kurz alle nackt. Niedlich mit ihren Stöckchenarmen, fusseligen Bärtchen und Penissen. Richtig schönes Stück.

The Love Bülow „Nie mehr“ (Mecklenburg-Vorpommern)
Härtere Rap-Parts als Counterpart zur gefühligen Gesangsstimme. Tja, wer kennt es nicht noch von Eurodisco: Also Acts wie Mr.President, Culture Beat etc.? Aber letztlich stehen auf der Bühne doch nur: Junge Leute, die irgendwie eine Grönemeyer-Ausgabe von Linkin Park sein wollen. Danke für gar nichts, SPD! 

Mellow Mark „Bleib bei mir“ (Brandenburg)
Früher Weltverbesserer, heute auch nur noch ein weiterer befindlicher Schlager-Hongo mit Sprechgesang-Rest.
„Ich will nur bei dir sein, bitte lass mich nicht allein“... da ist ja der ZDF-Fernsehgarten krasser. Clueso wirst du niemals sein, Mark. Sorry, dass das heute so ungefiltert deutlich wird.

Fiva & Das Phantomorchester „Die Stadt gehört wieder mir“ (Bayern)
Fiva!!! In die waren wir Nerds alle Ende der 90er, Anfang der 00er verknallt. Da war sie voll Rap, jetzt ist sie voll das Sprechgesang-Orchester und muss mit welchen von Sportfreunde Stiller abhängen. Schöner Song, tragisches Schicksal.

Pickers „1000 Meilen“ (Rheinland-Pfalz)
Mmh, wem die abwaschbare Neo-Rockband Auletta noch zur real und authentisch erschien, der kann sich hier vielleicht was abholen. Franz Ferdinand von einem bösen, defekten Computer ins Deutsche übersetzt und frisiert von irgendwem, der sonst bei „Popstars“ das Styling macht. Rheinland-Pfalz verliert Kurt Beck und bekommt dafür Hair-Indie. Hallo 2012.

Maras April „Himmel aus Eis“ (Thüringen)
Eine der wenigen wirklich Unbekannten im Feld. Liebe Güte! Zu Zeiten der NDW wären Maras April selbst von Nena und Fräulein Menke noch verprügelt worden. Die Entwicklung von Pop hin zu biederem Schlager scheint dieses Jahr wieder weiter vorangeschritten. 

Chris Cosmo „Herzschlag“ (Hessen)
Immerhin ... die könnte man bekifft versehentlich für Cro halten. Obwohl, nee, doch nicht. Trotzdem ganz okay bis putzig. Wenn es sonst keine Musik auf der Welt gäbe, wäre ich sicher großer Fan. 

Luxuslärm „Liebt sie dich wie ich?“ (NRW)
Das geht ja gut los, mit diesen Vögeln. Und der Titel hält, was er verspricht. Geht darum, wie man als Frau sich gegen eine Nebenbuhlerin durchsetzt. Und zwar indem man dem Mann einfach bis zur Selbstaufgabe zu gefallen sucht. Nieder mit weiblicher Solidarität. Ziemlich triste Message von LaFee. Ach, nee, ist sie ja gar nicht. Luxuslärm halten deren traurige Nische nur gerade besetzt. Dürften aber auch bald wieder rausgemobbt werden. Wegen natürlicher Auslese und diesem echt schlechten Vibe, der von ihnen ausgeht.

Ach, Harry Potter hat letztes Jahr gewonnen? #Tim_Bendzko

Himmel, es geht los!
Klappt das technisch mit dem Hochladen? Bin ich noch nüchtern genug? Schnell noch mal in das neue Personalausweis-Lesegerät hauchen. Okay, alles spaghetti. Peter Foxx eröffnet mit Seeed den Abend. Ersterer hat seit seinem Nummer-Eins-Album auch fünf Kilo zugelegt. Alptraum: Stoffwechsel. Warum sollte es den Stars auch besser ergehen als uns Menschen?



Ist es wirklich schon ein Jahr her, dass Raabs Deutschpop-Gala an dieser Stelle getickert wurde? Offenbar. Dass damals der unsägliche Tim Bendzko mit »Wenn Worte eine Strafe wären« gewann, ist geschenkt. Interessanter eher, wie gut Thees Uhlmann auch ohne Tomte aussah, und vor allem dass eine damals kaum bekannte Band aus Sachsen den fünften Platz schaffte. Nackt unter ihrem Bodypainting waren die Boys - und ihr Song hieß: »Ich will nicht nach Berlin«. Genau, Kraftklub. Mittlerweile schon die Beatsteaks für U30-jährige.

Wir sind gespannt, was diesmal alles geschieht. Ein paar der Acts hat unser Korrespondent Linus Volkmann jedenfalls bereits auf dem Kieker. Also, ob es da warme Worte für zum Beispiel Xavas geben wird... es darf bezweifelt werden.

Startseiten-Bild: visual.dichotomy / Flickr / CC