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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Interview: Mein Kumpel Musik

Honig

Nachdem uns Stefan Honig in diesem Jahr bereits fachkundig über das Haldern Festival begleitet hatte, traf ihn Bastian Küllenberg zum ausführlichen Gespräch in einem Kölner Cafe. Frisch von einer USA-Tour heimgekehrt, erzählte der Düsseldorfer Indie Pop-Songwriter von musikalischen Freunden und zukünftigen Konzertabenteuern.
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Indie Pop und Folk treffen auf einnehmenden Gesang und eine Note Pop. Das sind die Zutaten aus denen Honig seine Lieder schöpft. Noch bevor Fleet Foxes oder Bon Iver diesen Klang in den Mainstream transportiert haben, gehörten zum Konzertrepertoire des Düsseldorfers bereits Coverversionen von Radical Face und Sufjan Stevens. In den Wohnzimmern der einheimischen Singer/Songwriter-Szene ist Honig daher schon länger ein Begriff. Diese Nische wird jedoch so langsam zu eng.

Do-It-Yourself vs. Partners In Crime

Am 21.9. erscheint das neue Album »Empty Orchestra« beim Festival-Ableger Haldern Pop Recordings. Vier Jahre sind vergangen, seit der Düsseldorfer zuletzt mit einer Plattenfirma zusammengearbeitet hat. »Treehouse« war 2008 in Kooperation der kleinen Indie Labels Alison Records und Babsies Diktatur erschienen, doch die Aufmerksamkeit seitens der Medien hielt sich in Grenzen. »Die Promo-Bemühungen waren recht überschaubar. Irgendwann dachte ich, dass es einfacher sei, künftig auf eigene Faust zu veröffentlichen, meine Shows alleine zu buchen und die CDs bei Konzerten zu verkaufen. Das hat dann über einige Jahre auch sehr gut funktioniert«, kommentiert Stefan Honig seinen damaligen Entschluss zur Selbstständigkeit. »Ich habe die Freiheiten des D.I.Y. lange genossen, freue mich allerdings jetzt sehr, mit so guten Partnern wie Haldern Pop Records und dem Booking von Grand Hotel Van Cleef arbeiten zu können.« Dabei unterstreicht der Freund des Home Recordings, dass es sich vor allem bei seinem Label um einen absoluten Wunschkandidaten handelt. »Ich weiß nicht, ob ich bei einem anderen Label unterschrieben hätte. Mein Fantum für das Haldern Festival und ihr Label hat sicher den Ausschlag gegeben, bei diesem Angebot nicht lange überlegen zu müssen.«

Ein Ergebnis der Zusammenarbeit mit Label und Booking, die Honig als »Profis mit Leidenschaft« beschreibt, sind die neuen Konzertmöglichkeiten. »Als D.I.Y.-Musiker bist du in einem bestimmten Netzwerk verortet und es ist schwer, darüber hinaus Kontakte zu knüpfen. In diesem Jahr habe ich einen Auftritt beim Reeperbahn Festival und wurde für Anfang Oktober zum Waves Vienna-Festival eingeladen. So etwas habe ich in meiner D.I.Y.-Laufbahn bisher nicht geschafft.«
Dennoch, es geht auch alleine und mit der Hilfe von Freunden, wie der Düsseldorfer unlängst durch eine fünfwöchige USA-Tour mit der Harfinistin Gillian Grassie unter Beweis gestellt hat. »Die Reise war ein großartiges Erlebnis mit vielen Wohnzimmerkonzerten«, gerät Honig ins Schwärmen. »Eine Show hatten wir auf einer Veranda direkt unterhalb des Hollywood-Zeichens in Los Angeles. Unter den rund 100 Leuten im Publikum war auch ein Typ, der früher die Drehbücher für ›MacGyver‹ geschrieben hat.«

Musikalischer Freundeskreis

Nach einigen Jahren, in denen Honig bei Aufnahmen und live vor allem als Soloprojekt in Erscheinung trat, hat der Songwriter gegenwärtig eine vierköpfige Band um sich versammelt. »Das neue Album klingt einfach nach mehr, als nur Gesang und Gitarre. Als Zuschauer würde auch ich die Lieder am liebsten von einer Band gespielt sehen wollen. Es ist zwar ein finanzielles Desaster weitere Musiker mitzunehmen, aber das sehe ich ganz aus der Perspektive des Konsumenten.« Auch wenn er bereits seit der Jugend selbst auf der Bühne steht, ist Honig noch immer zuallererst begeisterter Musikliebhaber und weiß, worauf es dem Zuhörer bei Konzerten ankommt. Es ist klar, dass er die Instrumente daher nicht einfach irgendwem überlässt, sondern seine Bandmitglieder aus dem Freundes- und Bekanntenkreis rekrutiert. »Die Musik ist zwar mittlerweile mein Job, aber das bedeutet nicht, dass ich mit jedem beliebigen Idioten zusammenarbeiten möchte«, hält der frisch gebackene Bandleader fest. »Mit Menschen zu spielen, die man schon lange kennt, hat viele Vorteile. Einerseits weiß man musikalisch, worauf man sich verlassen kann und muss nicht ewig proben. Andererseits erleichtert es das Tourleben ungemein, wenn man nur von sympathischen Leuten umgeben ist. Ein Tag auf Tour besteht schließlich aus etwa eineinhalb Stunden Konzert und 22 ½ Stunden Warten.«

Bis Stefan Honig sein Leben im Januar diesen Jahres ganz der Musik widmete, arbeitete er in einem Kindergarten. Im Mittelpunkt zu stehen, war dabei keine Seltenheit. Obgleich vor einem ungleich jüngeren Publikum als heutzutage. Eine Erfahrung, von der er auf der Bühne profitieren kann? »Ich denke, es ist eher umgekehrt«, kommentiert Honig mit einem Lächeln. »Seit ich 16 bin, mache ich Musik und trete auf. Ich habe bereits recht früh gemerkt, dass es mir liegt, einen Draht mit dem Publikum herzustellen und mit den Zuhörern zu kommunizieren. Deshalb habe ich mich damals auch für den Beruf des Erziehers entschieden.« Dennoch, für bandinternen Zwist hat er sicher die richtigen Konfliktlösungsstrategien bereit. »Das schönste an meiner Band ist, dass uns die Egos nicht im Weg sind. Es gibt daher eigentlich nie wirklich Streit. Außerdem sind wir mittlerweile fast alle über 30, da wird man ruhiger«, schmunzelt Stefan Honig. »Falls es aber doch mal Streitigkeiten geben sollte, kann ich sicher durch meine Berufserfahrung gut vermitteln.«





Honig - »Empty Orchestra« (Haldern Pop Recordings / Rough Trade / Vö: 21.9.)