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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Interview: Dann mach ich’s lieber selbst

Bersarin Quartett

Thomas Bücker ist der Kopf hinter dem Ambient-Projekt Bersarin Quartett. In der Musikindustrie herrschen andere Regeln als in Bückers Job als Grafiker. Dadurch lernte der Münsteraner aber Moskau und DIY zu schätzen.
Geschrieben am
Du bist zuletzt mit deinen beiden Begleitmusikern für einen Auftritt nach Moskau geflogen. Wie war das für euch?
Wir wurden von einem Veranstalter eingeladen, der uns über das Label Denovali entdeckt hat. Dort ist gerade unser zweites Album erschienen. Das Ambiente und die technischen Voraussetzungen für die Show stimmten - darum haben wir das gemacht. Es waren etwa 150 Leute beim Konzert, was für Moskau relativ viel ist, denn die alternative Szene ist dort sehr klein. Als wir begannen zu spielen, klatschten die Leute bereits, da sie die Platte scheinbar schon kannten. Das ist mir noch nie passiert. Ein richtiger Glücksmoment (lacht).

Warum habt ihr nicht eine ganze Russland-Tour gebucht?

Ich habe für uns als Band entschieden, dass wir uns nicht jedem Veranstalter aufdrängen. Früher, als ich noch als Jean-Michel elektronische Musik gemacht habe, wollte ich jeden Booker davon überzeugen, dass ich genau der richtige Support für The Notwist oder so bin (lacht). Das will ich nicht mehr. Wir spielen nur dann, wenn wir eingeladen sind und der Rahmen passt. Dann haben wir und das Publikum auch Spaß beim Konzert.  

Das klingt nicht nach Do It Yourself Metalität, für die Denovali aber durchaus steht. Ist dir dieser Geist fremd?
Ich komm nicht aus dem DIY. Ich bin Grafik-Designer, da gibt’s einen Auftrag und der wird erledigt. Das bin ich so gewohnt. So wie ich DIY kenne, macht man alles per Handschlag, ohne Vertrag und teilweise ohne Bezahlung. Das war mir erst mal neu. Mir ist aber klar, dass es heute nicht mehr möglich ist ein Label zu führen oder ein Album zu veröffentlichen, ohne diesen DIY-Gedanken im Hinterkopf zu haben. Die Alternative wäre es nicht zu tun. Und das will ich auch nicht. Dann mach ich’s lieber selbst.

Was heißt das konkret?
Das bedeutet zum Beispiel dass ich den Trailer für die Platte selbst mache, weil kein Geld da ist jemanden zu bezahlen. Das heißt aber auch, dass ich selber entscheide wie das Ding am Ende aussieht.

Der Trailer zeigt Teile aus alten Schwarz-Weiß-Filmen. Unterlegt ist er mit deiner sphärischen, fast neoklassischen Musik. Was ist die Idee hinter diesem Auftreten und diesem Look?
Jeder sagt ja, dass er Musik machen will für Filme, die noch nicht gedreht wurde. Tatsächlich ist das mein Ziel! Ich will etwas anstoßen beim Hörer. Teilweise möchte ich ihn auch lenken. Da fängt beim Artwork an. Diese kyrillischen Zeichen auf der CD ergeben streng genommen keinen Sinn, wirken aber mystisch. Der Trailer zum Album mit den Ausschnitten aus alten Filmen beschwört ja auch eine geheimnisvolle Atmosphäre. Ich spiele gern mit so etwas. Man darf natürlich auch nicht über’s Ziel hinaus schießen, sonst wird es zu eindeutig und damit kitschig.