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in Köln: "Der Vogel war schon tot."

Get Well Soon live

Einen besseren Ort als das Gloria-Theater kann man sich für ein Get-Well-Soon-Konzert kaum vorstellen. Meint unser Autor Florian Weber.
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Einen besseren Ort als das Gloria-Theater kann man sich für ein
Get-Well-Soon-Konzert kaum vorstellen. Eigentlich hätte man den Saal auch bestuhlen können, mit Ohrensesseln inklusive Kaminfeuer und Halter für das Rotweinglas. Meint unser Autor Florian Weber.


26.02.10 Köln, Gloria

Doch, eigentlich ist er ein richtig witziger Typ, dieser Konstantin Gropper. Da schimmert immer ein recht feines komödiantisches Talent in den trockenen Ansagen durch. Er fühlt sich wohl auf der Bühne, dann und wann huscht sogar während des Spielens ein Lächeln über seine Lippen.

Vielleicht kommen die Songs des neuen Albums "Vexations" am heutigen Freitagabend auch deshalb nicht so düster wie auf Platte rüber.

Einen besseren Ort als das Gloria-Theater kann man sich für ein Get-Well-Soon-Konzert kaum vorstellen. Die versamteten Wände schlucken den Hall und machen die vielen leisen Momente des Konzerts erst richtig leise. Eigentlich hätte man den Saal auch bestuhlen können, mit Ohrensesseln inklusive Kaminfeuer und Halter für das Rotweinglas, so andächtig lauscht das Publikum. Mitunter wirkt das Spiel der Band etwas schleppend, wenn sich die langgezogenen Crescendi aus dem Nichts empor kämpfen. Doch womöglich braucht es das, um die großen Momente auch ganz in Szene zu setzen.


"Und der Vogel war schon tot." Gropper bezieht sich auf den Vogel im Video zu "Angry Young Man", der von einem Kind mit der Steinschleuder erlegt wird. Der Moment des Aufpralls Stein gegen Vogelkopf wurde für die Leinwand über der Band noch einmal herausgearbeitet und sorgt tatsächlich für Belustigung im Publikum. Soviel zur nachgesagten Todtraurigkeit bei Get Well Soon. Wir befinden uns am Ende des Konzerts und Konstantin Gropper hat gerade eine Lobes- und Dankesrede auf Philipp Käßbohrer, Regisseur des Videos und Kölner, gehalten. Dieser zeigt sich auch für alle anderen Einspieler verantwortlich, die während des Konzerts über die Leinwand flimmern und sich mal atmosphärisch, mal augenzwinkernd, mal abgefahren und vor allem auch mal interaktiv einbringen. Die Leinwand als siebtes Bandmitglied quasi.

Das Zusammenspiel der Stamm-Sechs ist im Vergleich zu den letzten Konzerten nochmal sicherer. Nicht alle Songs des neuen Albums wirken bereichernd auf die Spannung im Get-Well-Soon-Set, doch Ausnahmen wie "5 Steps / 7 Swords" sorgen umso mehr für Ekstase im Publikum. Anders ekstatisch, für manch einen unbehaglich, geht es bei einer Mitsingstelle zu, die auch nebenan im Kölner Dom nicht unangenehm aufgefallen wäre. Unterm Strich steht bei Get Well Soon aber immer ein sehr dynamischer und einzigartiger Livesound, für den allein sich der Konzertbesuch schon lohnt.