×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

in Hamburg: Mitbewohner in Strumpfhosen

Billie The Vision And The Dancers live

Unsere Autorin Lisa Weil war beim Hamburger Konzert der Band und plant nun eine Wohngemeinschaft mit den Schweden...
Geschrieben am
Unsere Autorin Lisa Weil war beim Hamburger Konzert der Band und plant nun eine Wohngemeinschaft mit den Schweden... .


14.10.2009, Hamburg, Hafenklang.

Leere Klorollen werden bitte sofort weggeschmissen und gegen neue eingetauscht. Das ist meine einzige Bedingung! Einen Putzplan brauchen wir nicht, das kriegen wir auch so hin. Wird sicher schön, die Wohngemeinschaft mit Billie The Vision And The Dancers. Und den Kajal können wir uns ja alle teilen.

Zugegeben: Sänger Lars Lindquist und der Rest des Billie-Bunch wissen noch nichts von meinen Plänen, vermutlich fällt es aber auch nicht weiter auf, wenn eine Zahnbürste mehr im Badezimmer herumfliegt. Denn diese Folk-Pop-Band aus Malmö besteht aus immerhin sieben Instrumentalisten – und der kleine Sprössling im Bauch von Bassistin Maria Carlsson ist da noch gar nicht mitgezählt. Auf einer kleinen Bühne wie der des Hafenklangs ergibt das ein Bild, das ein wenig an Stickeralben von siebenjährigen Mädchen erinnert – bunt und wild zusammengewürfelt.

Dass eine Band trotz dieser Größe dermaßen gut harmoniert, ist allerdings genauso selten wie ungewöhnlich, und macht die Schweden deshalb umso sympathischer. Verschwörerische Blicke der Bandmitglieder und kleine Anekdoten von Lindquist ließen auch das Hamburger Publikum diesen besonderen Zusammenhalt spüren. Da spielten sich dann auch Szenen ab wie folgende: Lindquist pries zunächst die Gitarrenkünste seines Kollegen Gustav Kronkvist an, bevor er diesen mit einer Handbewegung auf einen Verstärker wies. Darauf stehend legte Kronkvist – angefeuert von Band und Publikum – fix eine kesse Sohle aufs Parkett. Ein paar Hüftschwünge und Mambo-Schritte später sprang er dann samt E-Gitarre ins Publikum, um den Anwesenden zu zeigen, wie ein Gitarrensolo aus der Nähe aussieht. „Große Klasse“, dachte sich Lindquist, kam dazu und vollführte einige schlangenartige Bewegungen, um sich anschließend zurück auf der Bühne gemeinsam mit Kronkvist von der ganzen Mannschaft feiern zu lassen. Eine ganz normale Billie-Show, schätze ich.

Manch weiblicher Konzertbesucher war während der kleinen Einlage unterdessen völlig begeistert von den Schminkkünsten des Sängers. Wenn Lindquist nämlich von seinem vermeintlichen Alter Ego „Pablo Diablo“ und einer verflossenen Lily singt, hübscht er sich zuvor mit viel schwarzem Kajal, floral bemusterter Strumpfhose und einem Madonna-Shirt auf. Was das angeht ist Lindquist wahrscheinlich der Einzige, der in dieser Aufmachung allen Ernstes über seinen verstorbenen Großvater singen kann, ohne den Text ins Lächerliche zu ziehen.

Meine Entscheidung steht also fest: Ich ziehe bei Lars, Maria, Silvio, John, Lisa, Fia und Gustav ein. Für meine zukünftigen Mitbewohner lerne ich sogar, wie man Köttbullar zubereitet – ich muss nur oft genug „Karlsson vom Dach“ gucken. Einziges Problem: Ich bin pleite und die Miete bezahlt sich nicht von selbst. Aber wie heißt das bandeigene Plattenlabel noch so passend? „Love can pay the bills“. Na wer sagt’s denn!

Empfohlen von Intro: