×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

The Strokes live

In der Kirche der Coolness

14.12., Berlin, Arena Wenn die Strokes noch für etwas anderes stehen als gepflegten, gefälligen Minimal-Rock, dann ist es ohne Zweifel ein unschlagbares Wissen um die perfekte Selbstdarstellung. Mögen sie sich bei Interviews auch noch so zerrissen und von Selbstzweifeln geplagt geben: Bei ihrem
Geschrieben am

14.12., Berlin, Arena

Wenn die Strokes noch für etwas anderes stehen als gepflegten, gefälligen Minimal-Rock, dann ist es ohne Zweifel ein unschlagbares Wissen um die perfekte Selbstdarstellung. Mögen sie sich bei Interviews auch noch so zerrissen und von Selbstzweifeln geplagt geben: Bei ihrem Auftritt in der Treptower Arena ist davon nichts zu spüren – wenn man nicht will. Fünf stahlharte Profis.

Bloß nichts dem Zufall überlassen: Die Umbaupause dauert eine gute Viertelstunde länger als der ganze Auftritt. Viel passiert währenddessen zwar nicht – den Sound der Strokes hätte man wahrscheinlich auch in zehn Minuten in den Griff bekommen. Aber als ebenso unspektakulärer wie eindrucksvoller dramaturgischer Effekt ist die Equipment-Fummelei der gelegentlich auftauchenden Roadies nicht zu toppen. Immer und immer wieder werden die richtigen Einstellungen der Verstärker und der Mikro-Ständer überprüft: Ist jetzt auch wirklich alles bereit für den großen Moment? Jeder die Bühne verlassende Techniker wird als Omen für die nahende Ankunft der Band bejubelt: zehn mal, zwölf mal, jetzt aber - und noch ein Soundcheck. Nur wenige Bands schaffen es, sich so stilvoll als Superstars zu inszenieren.

Folgerichtig steht die Menge kurz vorm kollektiven Schreikrampf, als die fünf Mittzwanziger in todschick schlecht sitzenden Anzügen endlich zu leisem Jazz auf die Bühne schlendern. Ohne großes Federlesen werden die Instrumente umgeschnallt, Julian Casablancas klammert sich in schiefer Haltung an seinen Mikroständer (eine Pose, die er den ganzen Abend lang nicht aufgeben wird) - und los. Knapp 60 Minuten für beide Alben, straight runter gerockt. Ohne lange Ansagen, ohne Abweichungen von den Studioversionen. Und auch ohne Fehler, weder beim Spielen noch beim Stageacting.

Während ein schmissiger Uptempo-Rocker nach dem anderen die Arena zum Zappeln zwingt, bricht die Bühnenshow der Strokes alle Statik-Rekorde. Jeder hat seine zugeteilten zwei Quadratmeter Standfläche. Das muss reichen. Julians Gesicht liegt ständig im Dunkeln, die anderen blicken die meiste Zeit zu Boden oder auf die Griffbretter. Konzentriertes Arbeiten. Sicherlich nicht leicht, sich angesichts 8.000 ausrastender Fans jede adrenalinbesoffene Rockstar-Pose zu verkneifen. Aber das hier kommt natürlich tausend mal besser. Ganz beiläufig wird irgendwann der letzte Song angekündigt: natürlich nicht „The End Has No End“, sondern “Take It Or Leave It” – Verdammt, die machen ja wirklich gar nichts verkehrt! Und so unaufgeregt wie Julian zum Schluss seinen Mikroständer übers Schlagzeug zieht und Albert Hammond jr. auf den Verstärker-Türmen herumturnt, passt sogar solch ein beknacktes Rock-Finale ins Programm.

Die Strokes wären nicht die Ersten, die versuchten, Unsicherheit und Versagensängste (man denke an den enormen Erwartungsdruck auf die aktuelle Platte) mit demonstrativer Coolness zu überspielen. Aber bei der Selbstverständlichkeit und Unaufdringlichkeit, mit der das geschieht – niemals. Die nicht. Die Strokes sind Götter. Zumindest sehen sie so aus.