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Mit Christian Steinbrink

Immer noch Indie? #263

Es gibt so viel gute Musik. Es wird sie auch in Zukunft – nach dem Ende von Intro – geben. Man muss sie nur suchen, aber man kann sie finden. Hier zehn letzte Hinweise. Hört nicht auf zu suchen!

Geschrieben am

»Childqueen« (Fat Possum), das zweite Album der Kalifornierin Kadhja Bonet, mag alle Genregrenzen sprengen – über seine spirituelle Klasse darf man aber auch in einer Indie-Kolumne nicht hinwegsehen. Ein warmer, beruhigender Psych-Pop-Vibe verbindet sich darauf mit sachtem R’n’B und tief inspiriertem Soul und Jazz. Hätte Janelle Monáe nicht die Ambition gehabt, mit ihrer aktuellen LP die Charts zu erobern, ihr hätte eventuell auch so ein Album gelingen können. So blieb es Bonet vorbehalten, diese Leerstelle zu besetzen und in der näheren Zukunft unter Garantie für Furore zu sorgen.

Kadhja Bonet

Childqueen

Release: 08.06.2018

℗ 2018 Fat Possum Records in partnership with OBE, LLC

Stark kontrastiert zwischen schattig und sonnendurchflutet changieren die Folk-Songs von Jess Williamson auf ihrem dritten Album »Cosmic Wink« (Mexican Summer). Nachdem die Musikerin zuletzt nach Los Angeles zog, sind ihre getragenen Sixties-Folk-Wurzeln zwar immer noch gut herauszuhören. Sie sind nun aber in ein akzentuiertes Gewand aus Surf- und Psych-Rock gekleidet, das Williamsons nach wie vor tollem Songwriting mehr Theatralik, aber auch Eindringlichkeit verleiht.

Jess Williamson

Cosmic Wink

Release: 11.05.2018

℗ 2018 Kemado Records, Inc., d/b/a Mexican Summer

Das zumeist französischsprachige Säuseln von Maud Nadal alias Halo Maud mag zunächst ein bisschen zu sehr wie ein sinnlich-süßliches Klischee wirken. Schnell wird aber klar, dass ihr Album »Je Suis Une Île« (Heavenly) zu viel Substanz und Klasse bietet, um es als schlicht kitschig abzutun. Halo Maud spielt einen ungemein anregenden Psych-Pop mit 1960er-Anleihen, genauso wie einen treibenden Synthie-Rock, der hin und wieder sogar an Warpaint erinnert. Eine besondere Stärke liegt in den farbenfrohen, ungemein kreativen Arrangements, die sie in die Liga von Genre-Ikonen wie Broadcast heben.

Halo Maud

Je suis une île

Release: 25.05.2018

℗ 2018 Heavenly Recordings under exclusive license to [PIAS]

Nicht jeder ihrer Fans weiß, dass Channy Leaneagh vor ihrer Zeit bei der Indie-Electro-Band Poliça mit Roma Di Luna schon jahrelang eine andere Formation betrieb. Die hat sich nun, während der ersten Pause Poliças, wiedervereinigt und mit »We Were Made To Forgive« (RDL) ein wunderbar verhalltes Indie-Rock-Album aufgenommen. Die Platte ist trotz starker Emotionalität stilistisch enorm vielseitig, oftmals erinnert sie in ihrer grazilen Dezenz an Hope Sandovals Mazzy Star und kann sich mit dieser Referenzgröße durchaus messen.

Roma di Luna

We Were Made to Forgive

Release: 06.04.2018

℗ 2018 RDL Records

Der Songwriter, der es schafft, an die Sphären von Ikonen wie Elliott Smith oder dem frühen Ryley Walker heranzureichen, heißt in diesem Monat Matt Holubowski. Sein Debütalbum »Solitudes« (Motor) erschien in Kleinstzusammenhängen bereits 2016, erreichte immer mehr Fans und wurde nun im Kontext seiner Support-Tournee für Ben Folds wiederveröffentlicht. Mit Folds hat der Kanadier die Fähigkeit gemein, klassische 1970er-Folkrock-Songs in herausragende Arrangements zu kleiden. Er überzeugt aber auch als sensitiver Solo-Songwriter und Folk-Gitarrist.

Matt Holubowski

Solitudes

Release: 18.05.2018

℗ 2018 RAR marketed by Motor Entertainment

Auch nach über 30 Jahren ist der Output von Thalia Zedek immer noch so groß wie hochklassig, aber mit »Negative Work« (Thrill Jockey) als Teil des Trios E ist ihr wieder einmal ein Highlight geglückt. Dieses zweite Album der Band changiert zwischen rohem Noise- und Indie-Rock, wie man ihn von Zedek seit den frühen 1990ern kennt, und einer schroffen, theatralischen Attitüde, die der LP noch mehr Widerborstigkeit und Originalität verleiht.

E

Negative Work

Release: 25.05.2018

℗ 2018 Thrill Jockey Records

Mit Lithics hat das altehrwürdige Riot-Grrrl-Label Kill Rock Stars endlich wieder einmal eine Band an der Angel, die seine emanzipatorischen Errungenschaften der 1990er in die Jetztzeit transportieren kann. Der Postpunk ihres zweiten Albums »Mating Surfaces« (Kill Rock Stars) ist schneidend und schroff, gleichzeitig aber auch so antreibend, dass man an eine rockigere Version von Le Tigre denken kann. Mit nicht mal einer halben Stunde Spielzeit ist das Album zwar schnell vorbei, es entwickelt aber Sogwirkung und lässt auch für die Live-Situation viel erhoffen.

Lithics

Mating Surfaces

Release: 25.05.2018

℗ 2018 Kill Rock Stars

Nichts Geringeres als eine Sensation ist das selbstbetitelte Debütalbum (Captured Tracks) der Neuseeländer Wax Chattels. Das Trio verbindet darauf den hochkonzentrierten Mathcore der Battles mit dem verstiegenen Electro-Krautrock PVTs und – Überraschung! – Dream-Pop-Elementen. Das Ergebnis wirkt trotz dieser ambitionierten Vielfalt so elektrisierend und hochklassig, dass man nicht anders kann, als der Band eine große Zukunft in der ersten Liga des Indie zu prophezeien und sie bei erstbester Gelegenheit live zu testen.

Wax Chattels

Wax Chattels

Release: 18.05.2018

℗ 2018 Wax Chattels

Auch wenn das Moon Duo im letzten Jahr gleich zwei neue Alben vorgelegt hat, scheint seine Keyboarderin Sanae Yamada noch nicht ausgelastet zu sein – im Gegenteil: Als Vive La Void veröffentlicht sie nun ein selbstbetiteltes Debütalbum (Sacred Bones), das die Klasse ihrer Hauptband in gewisser Weise sogar noch übersteigt. Die Härte des Moon Duos ersetzt sie durch fein gewebte und äußerst kreative psychedelische Synthie-Arrangements, die sich mehr als eindeutig beim Electro-Kraut Kraftwerks bedienen, deren atmosphärische Dichte aber noch übertreffen.

Vive la Void

Vive la Void

Release: 04.05.2018

℗ 2018 Vive La Void under exclusive license to Sacred Bones Records

Der Abschluss bleibt Liz Phair vorbehalten. Ihr Debütalbum »Exile In Guyville« wird 25 Jahre alt – fast so alt, wie Intro geworden ist – und deshalb als »Girly-Sound To Guyville: The 25th Anniversary Box Set« (Matador) mit drei Zusatz-CDs voller Bonusmaterial wiederveröffentlicht. Weitgehend sind das Demos von Lo-Fi-Indie-Songs – kurios, aber ganz hinreißend und prägend wie das Originalalbum selbst, dessen Lyrik immer noch zum Besten gehört, das US-Indie-Rock jemals hervorgebracht hat.

Liz Phair

Girly-Sound To Guyville: The 25th Anniversary Box Set

Release: 04.05.2018

℗ 2018 Matador

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