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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Christian Steinbrink

Immer noch Indie? #262

Da ist eine Menge guter Indie in diesen Wochen. Deshalb bleiben wir ausnahmsweise mal ausschließlich auf unserem angestammten Spielfeld – zumindest fast.

Geschrieben am

Bevor die tollen Berliner Psych-Styler Fenster im Sommer wieder als Band auf den Plan treten, hat ihr Sänger Jonathan Jarzyna schnell noch ein Soloalbum als John Moods eingeschoben. Und diese LP namens »The Essential John Moods« (Mansions And Millions) ist ein wahres Schätzchen: Vor sonnendurchfluteten Yacht-Pop-Perlen führt Jarzyna all seine Schrullen und Kreativität vor und schwingt sich von perlendem Synthie-Pop über verträumten Hall hin zu wärmenden psychedelischen Sperenzchen. Trip und Urlaub vereinen sich hier auf allerhöchstem und dennoch spielend leicht ausgestelltem Niveau.

John Moods

The Essential John Moods

Release: 20.04.2018

℗ 2018 MAMI

Etwas reinrassiger interpretieren die Texaner Holy Wave den Psych-Pop der 1960er. Twang-Gitarren und Orgeln gehören selbstverständlich zu ihrem Handwerkszeug, natürlich auch Hall und die Informationen, die sie durch das Studium von Tame Impala, Stereolab und Broadcast erhielten. Ihr Songwriting und ein feines Händchen für Arrangements machen ihr neues Album »Adult Fear« (The Reverberation Appreciation Society) aber zu einer lohnenswerten Angelegenheit auch über Exegeten des Stils hinaus.

Holy Wave

Adult Fear (feat. Holy Wave)

Release: 30.03.2018

℗ 2018 Reverberation Appreciation Society

Der unwiderstehlichste und lakonischste Crooner der Ausgabe ist Mt. Davidson, Sänger der Band Twain. Deren neues Album »Rare Feeling« (BB*Island) wirkt wie eine Lo-Fi-Version der Fleet Foxes, evoziert mit dem unentwegten Jaulen Davidsons aber eine reizende Stimmung zwischen Sinnlichkeit und Hinterlist. Sein Vortrag ist so stark, dass er auch die teilweise recht dünnen Arrangements überstrahlt, mehr noch: Sie lassen ihm den nötigen Raum, um seine packenden Außenseiter-Geschichten in aller Erhabenheit auszubreiten.

Twain

Rare Feeling

Release: 02.02.2018

℗ 2018 BB*ISLAND

Dass es um Bart Davenport nach einer ereignisreichen Phase Ende des letzten Jahrzehnts zuletzt ziemlich still war, bedeutet nicht, dass der Songwriter nicht aktiv gewesen wäre. Er hat alles nur eine Liga kleiner gehalten und sich vornehmlich auf seine US-amerikanische Heimat konzentriert. Dort erscheint jetzt auch »Blue Motel« (Lovemonk) unter seinem aktuellen Projektnamen Bart & The Bedazzled und ruft wieder die herausragende Klasse des Musikers ins Gedächtnis: Das sind elf leichte und beschwingte Songs zwischen Yacht-Rock und Indie, hervorragend geschrieben und mit einem Hauch von Wehmut. Quasi eine erdigere Version von Real Estate.

Ähnlich bezaubernd verschlafen klingt »Longwave« (Woodsist), das zweite Album der US-Slacker Bonny Doon: reduziert instrumentierter Lo-Fi-Indie von gemächlichem Tempo und mit hinreißenden Harmonien, die oft an Pavement und manchmal sogar an Bill Callahan erinnern. Zwar besitzt die Band noch nicht die prägend kantige Stilistik dieser Helden, ein warmherziger Spaß ist ihr Album aber dennoch.

Bonny Doon

Longwave

Release: 23.03.2018

℗ 2018 Woodsist

Es wäre fahrlässig, als Pop-Chronist nicht auch immer mit wenigstens einem Auge nach Wien zu schielen – egal, ob trotz oder doch wegen Wanda und Bilderbuch. Denn dort wird man verlässlich fündig, aktuell etwa durch Nelio, einen weiteren unwiderstehlich charmanten Poeten mit Schmäh und Hinterlist. Sein Debütalbum »Neiche Wege« (Problembär) ist klug getexteter und blanker Pop zugleich, stilistisch erstaunlich breit angelegt und von einem schneidenden Style überlagert. Gewissermaßen die Schnittmenge von Bilderbuch und Der Nino Aus Wien.

Nelio

Neiche Wege

Release: 09.03.2018

℗ 2018 Problembär Records

Schon seit Jahren sind Scraps Of Tape die vielseitigsten und besten Vertreter des schwedischen Postrock. Das unterstreicht abermals ihr sechstes Album »The Will To Burn« (Denovali), gerade auch, weil es sich ein gutes Stück von der reinen Postrock-Lehre wegbewegt und in Richtung von Noise-Rock und Grunge rückt. Besonders der Gesang ist enthusiastischer denn je und wird von dichten und treibenden Arrangements untermalt, die keinen internationalen Vergleich zu scheuen brauchen.

Scraps Of Tape

The Will to Burn

Release: 23.02.2018

℗ 2018 Denovali Records

Die klassischen Gefilde des Postrock beackern dafür Wess Meets West mit ihrem dritten Album »A Light Within The Fracture« (Hassle). Rein instrumental zelebrieren sie das Laut/Leise-Spiel, gewinnen aber durch temporeiche Groove-Passagen und akkurat auf den Punkt gebrachtes Riffing. Sicher eine LP mitten aus dem Genre, aber darin mindestens überdurchschnittlich.

Wess Meets West

A Light Within the Fracture

Release: 06.04.2018

℗ 2017 Wess Meets West under exclusive license to Hassle Records

Mit Jackie-O-Motherfucker ist ein weiteres Flaggschiff des Avantgarde-Indie nach Jahren der Stille und Mini-Releases mit einem vollen Album zurückgekehrt. »Bloom« (Textile) beginnt sachter als manche Vorgänger-LPs, nach und nach schält sich aber die gewohnte und geliebte Feedback-Kakofonie aus den zähen Slow-Rock-Stücken des losen Kollektivs heraus. Natürlich dringen JOMF auch wieder zu den Wurzeln des Rock’n’Roll vor und beweisen sich ein weiteres Mal als Vorreiter der freidrehenden US-Rock-Szene.

Jackie-O Motherfucker

Bloom

Release: 03.04.2018

℗ 2018 Textile Rds

»Let Go« ist nicht nur das Album, das die Longtail-Indie-Karriere Nada Surfs nach dem Teenie-Hit »Popular« final ins Rollen brachte, sondern auch in 15 Jahren außergewöhnlich gut gealtert. Deshalb ließen sich Matthew Caws & Co. wohl auch zu dem eigentlich etwas eitlen Schritt hinreißen, eine Cover-Compilation zusammenzustellen. Die heißt »Standing At The Gates: The Songs Of Nada Surf’s Let Go« (Mardev) und ist so gut, wie eine solche Zusammenstellung nur sein kann. Sie enthält nicht nur hittige Interpretationen von Rogue Wave und dem Manchester Orchestra, sondern auch eine große Bandbreite von Grenzgängen in andere Genres. So bleibt das Album vielfältig und spannend, auch wenn nicht jedes Cover ein großer Wurf ist.

Various Artists

Standing at the Gates: The Songs of Nada Surf's Let Go

Release: 02.02.2018

℗ 2018 Mardev Records