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Mit Christian Steinbrink

Immer noch Indie? #261

Indie? Pah! Wir hören diesen Monat wieder alles, was uns gefällt. Stichwort: Soul. Aber keine Sorge: Wir kehren trotzdem auch wieder auf unser Stammesgebiet zurück.

Geschrieben am

Von wegen engstirnig: Auch die Welt des Indie ist auf der Suche nach den legitimen Nachfolgern der seligen Sharon Jones und Charles Bradley. Und in den USA sind die längst gefunden: Durand Jones & The Indications haben 2016 mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum den Retro-Soul im Sturm erobert und ob ihrer seelenvollen Klasse für offene Münder gesorgt. In Europa wird diese pointiert arrangierte und rauchig produzierte LP (Dead Oceans) nun nebst erster Tournee wiederveröffentlicht, und sie wird die Fans des Genres begeistern. Jede Wette.

Durand Jones & The Indications

Durand Jones & the Indications (Deluxe Edition)

Release: 01.07.2016

℗ 2018 Dead Oceans / Colemine Records

Apropos Soul: Als eine nicht weniger große Sensation entpuppt sich Joey Dosik auf seiner mit umfangreichem Bonusmaterial angereicherten Debüt-EP »Game Winner« (Dead Oceans). Wenn Durand Jones an den knarzenden Curtis Mayfield erinnert, ist Dosik der sanfte Marvin Gaye in einem sinnlichen, verstaubt produzierten Lo-Fi-Gewand. Dosik singt über seine wundervollen Soul-Nummern mit einer leichten, hellen Stimme und braucht dabei gar nicht die grell blinkenden Reize, derer ein respektabler Artist wie Mayer Hawthorne noch bedurfte. Songs wie die titelgebende Single sind so pur und schön, dass den Hörern die Spucke wegbleiben wird.

Joey Dosik

Game Winner (Deluxe Edition)

Release: 24.06.2016

℗ 2018 Secretly Canadian

Über eine helle und leichte Stimme verfügt auch der gebürtige Sauerländer Dino Joubert. Auf seiner neuen EP »Freedom In A Cage« (Neverland) besingt er damit fünf Songs, die verteufelt an den großen Elliott Smith erinnern, aber die Klasse besitzen, nicht als bloßes Abziehbild zu wirken. Das liegt auch an den dezenten Arrangements seiner Band, die deutlich mehr Elemente als Smith bei den meisten seiner Hymnen integriert, ohne einen Song jemals damit zu überfrachten. Gerade hierzulande liegt Joubert damit weit über dem Durchschnitt.

Dino Joubert

Freedom in a Cage - EP

Release: 09.03.2018

℗ 2018 Dino Joubert under exclusive license to Neverland Music

Ein ganz hinreißendes Sammelsurium an Sounds und Stilen hat Gris-de-Lin auf ihrem Debütalbum »Sprung« (BB*Island) angehäuft. Es ist wirklich verblüffend, wie charmant die Britin Postrock, traditionellen Folk und störrischen Blues-Rock sowie elektronische Elemente in einen Sound verwebt, der von nicht mehr als einem zarten Lo-Fi-Gestus und ihrer akzentuiert hüpfenden Stimme zusammengehalten wird. Ihr Multitalent überzeugt schon jetzt, könnte, in die richtigen Kanäle geleitet, aber noch weitaus größere Meisterwerke hervorbringen.

Gris-de-Lin

Sprung

Release: 06.04.2018

℗ 2018 BB*ISLAND

Ein ähnlich schönes und kaum einzuordnendes Kleinod ist »Apocalypse!« (Rio Bogota) der Little Tornados, einem Projekt, in dem sich neben dem federführenden David Thayer auch Stereolabs Laetitia Sadier und Tortoises John Herndon tummeln. Das stilistische Spannungsfeld dieser beiden bietet auch die einzige Möglichkeit, diesen sachten halbstündigen Kreativ-Trip ansatzweise einzuordnen: Kraut-Pop-Rhythmen werden von psychedelischen Auswüchsen umgarnt, Songs bauen sich auf und flauen wieder ab, umgeben von einer inspirierten Aura, die unterstreicht, wie gewinnbringend es ist, diesen Protagonisten auch nach all den Jahren ihrer Karrieren noch zu folgen.

Wer an den späten Future Islands ein wenig Weite und Tiefe vermisst, könnte an Alex Highton Gefallen finden. Der Brite hat auf der einen Seite eine klare, charismatische Ansprache in seinem Vortrag, auf der anderen aber auch viele Schrullen und Unwägbarkeiten in seiner Stilistik. Gekoppelt mit seinem unbestreitbaren Talent, wird »Welcome To Happiness« (BB*Island) zu einem Vergnügen, wie es nur aus dem avancierten Indie-Pop kommen kann.

Alex Highton

Welcome to Happiness

Release: 30.03.2018

℗ 2018 BB*ISLAND

Die verführerischste Dream-Pop-Versuchung kommt in diesem Monat von den Schweden Hey Elbow und heißt »C0C0C0« (Adrian). Seinen sanft hallenden Synthie-Sound erweitert das Trio aber sehr substanziell um ambitionierte Krautrock-Elemente und durchaus groß gedachte Arrangements. Eben weil man sich diese Komponenten eher schlecht zusammendenken mag, ist dieses Zweitwerk nicht nur gelungen, sondern auch fortschrittlich konzipiert. Fans von Fever Ray zum Beispiel könnten hier auch auf ihre Kosten kommen.

Hey Elbow

C0c0c0

Release: 16.03.2018

℗ 2018 Adrian Recordings

»Come, Future« (Backseat) von den Niederländern Jo Goes Hunting ist ein seltsam störrisches Album. Nicht, weil es sich offensichtlich von The Antlers, Grizzly Bear oder auch Timber Timbre inspirieren ließ, sondern weil die elf Songs auf einem recht erdigen Indie-Rock fußen und teilweise sogar Hit-Qualitäten besitzen. Diese Fusion aus Tradition und Moderne wirkt anregend, manchmal aber auch überfordernd. Letztendlich überzeugt die LP aber doch durch ihren Einfallsreichtum, gerade angesichts der Tatsache, dass es sich hierbei um ein Debütalbum handelt.

Jo Goes Hunting

Come, Future

Release: 30.03.2018

℗ 2018 Backseat

Es hätte nicht viel gefehlt, und man hätte »Iago« (Adore) von dem Schweden Daniel Skoglund alias Songs Of Boda als recht altbackenes Folk-Pop-Album zu den Akten legen können. Wären da nicht auf der einen Seite sein ausgesucht feines Songwriting, auf der anderen seine subtilen Schritte in die beseelten Untiefen von uraltem Folk und Blues, die er seinen Hörern mit einem reizend samtenen Vortrag nahebringt. Dadurch ist Skoglund US-Vorbildern aus diversen Epochen in vielen Momenten dieser zehn Songs so nah wie kaum ein anderer Zeitgenosse.

Songs of Boda

Iago

Release: 09.03.2018

℗ 2018 Adore Music

Auf der Heimaterde des traditionellen US-Indie-Rock tun sich in diesem Monat Lemuria hervor. Die DIY-Überzeugungstäter von der Ostküste haben unlängst überraschend ihr neues Album »Recreational Hate« (Big Scary Monsters) veröffentlicht und können sich ans Revers heften, den Sound der ganz frühen Weezer für den Underground zurückgewonnen zu haben. Gleichzeitig glänzen die Altmeister auch mit der Melodieseligkeit solcher Indie-Helden wie Mates Of State, und auch ihr Songwriting hat sich über die Jahre profiliert.

Lemuria

Recreational Hate

Release: 15.12.2017

℗ 2017 Lemuria

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