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Im Interview: Notgeiler Werwolf mit Herz sucht ...

Eels

Auf dem neuen Album "Hombre Lobo" gibt er den bärtigen, notgeilen Werwolf.
Geschrieben am
Im Moment gibt es zwei Mark Oliver Everett im Handel. Im Buchregal findet man ihn so, wie man ihn sich am liebsten vorstellt - als schrägen Vogel mit Herz, der aus der allseits bekannten Leidens- und Todesstory seiner Familie durch die Kraft der Musik heile herausgekommen ist. So will man ihn sehen, wenn man sich zum Beispiel nachts "P.S. You Rock My World" anhört - und dazu am besten die wirklich gelungene (und ganz gut übersetzte) Autobiografie "Glückstage in der Hölle" in der Hand hält. Aber Everett alias Mr E hasst es, die Leute mit dem Immergleichen zu langweilen. Deshalb findet man im CD-Regal dieser Tage eine andere Ausgabe von ihm: Auf dem neuen Album "Hombre Lobo" gibt er den bärtigen, notgeilen Werwolf. Daniel Koch traf beide in London.

Man hält deine Texte ja meist für autobiografisch. Wenn das auch für dein neues Album gilt, werden nun viele denken, du hättest es derbe nötig. "Fresh Blood" klingt zumindest so - und in "Lilac Breeze" singst du sogar: "Girl I want it bad". Ist dem so?

Ich schreibe ja nicht immer autobiografische Songs. Sagen wir so: Für den Charakter in den Songs trifft es schon zu. Ich habe mir da die Perspektive eines notgeilen alten Werwolfs vorgestellt. Ich stand vor dem Spiegel, betrachtete meinen Bart und dachte plötzlich an das letzte Bart-Album, das ich gemacht habe. Das fing mit dem Song "Dog Faced Boy" an. Ich wollte erzählen, wie es dem "Dog Faced Boy" jetzt eben so geht. Allerdings: Als ich einer Freundin sagte, dass ich gerade meine "Horny Werewolf"-Platte mache, sagte sie bloß, das klänge nach der ehrlichsten Platte, die ich je aufgenommen hätte.


Kann es sein, dass du nach der letzten Tour, nach den Best-of-Releases und nach all den Interviews über deine Vergangenheit, die das mit sich brachte, einen Neuanfang wolltest?
Ja. Die Vergangenheit kotzt mich inzwischen ziemlich an. Das ist das Spannende an dem Album: Ich bin wieder in der Gegenwart gelandet.

Dennoch wirst du das Thema wohl nicht loswerden. Gerade jetzt, wo die ersten Übersetzungen deines Buches erscheinen. Wird das langsam zur Last, dass du dein Leben künstlerisch so ausgiebig thematisiert hast?
Mir persönlich hat es sehr geholfen, und ich höre immer wieder, dass die Songs, die aus dieser Zeit stammen, auch anderen Leuten helfen. Das ist das höchste Kompliment, das man kriegen kann. Aber es wird einfach zu oft zu creepy. Deshalb vermeide ich auch den direkten Kontakt mit den Fans. Wir haben die Security-Abläufe auf Konzerten so optimiert, dass ich den ganzen Abend keinem von ihnen begegnen muss. Ist zwar traurig, aber geht nur so.

Nach deiner letzten Tour meinten viele, du hättest es überreizt mit der Selbstdarstellung und dem Ausschlachten deines Lebens, spätestens, als du dich von Gott auf der Bühne tadeln und nach der Vorband einen anderthalbstündigen Film über dich zeigen ließest. Ich fand das eigentlich eher witzig. Wer hat denn jetzt den Gag nicht kapiert?
Wir wollten eine Parodie auf Veranstaltungen wie "An Evening With Barbra Streisand" machen, aber das kam wohl nicht so durch. Ein Großteil denkt jetzt, ich sei ein Riesen-Arschloch mit Ego-Problem. Aber man kann es ja nicht immer allen recht machen. Ich will die Leute eben nicht langweilen - dafür muss ich in Kauf nehmen, ihnen auch vor den Kopf zu stoßen. Ich halte nicht viel davon, einfach Konzerte zu spielen - man muss schon auf irgendeine Weise eine Show draus machen. Nicht im Sinne von Kiss natürlich - es sollte schon Leidenschaft und Seele haben.



Wie wird denn nach "Hombre Lobo" deine Show aussehen? Stripperinnen? Verstärkertürme hinter deinem Rücken? Breitbeinposen?
Keine schlechte Idee. Vielleicht sollte ich dir ja die Konzeption überlassen ...