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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Bilder für die Ewigkeit

iLiKETRAiNS live

Trotz Bahnstreik: Unser Autor Michael Noll wiederholte den ganzen folgenden Tag lang nur den Namen der Band. Irgendwas muss ihn begeistert haben...
Geschrieben am
16.11.07, Köln, Gebäude 9.

Es beinhaltet schon eine gewisse Ironie sich in Zeiten von Bahnstreiks und einem strikten Alkoholverbot in allen Zügen des KVB genau mit diesen Vehikeln auf den Weg ins Gebäude 9 zu machen, um sich dort eine Band aus Leeds anzuschauen, die den kryptischen Namen iLiKETRAiNS trägt. Aus Angst vor Verspätungen durch gestrichene Züge und der für das obligatorische Warm-up-Kiosk-Bier eingerechneten Zeit, sind mein Kollege aus Dortmund und ich bereits frühzeitig am Ort des Geschehens und damit nicht allein.

Ein gelungenes Zeit-Management, denn mit dem letzten Schluck ertönen auch schon die ersten düsteren, schwermütigen Töne des Supports Long Distance Calling, einer Band, die es schafft, die zur jetzigen Jahreszeit passenden, tief-melancholische Emotionen allein durch ihr gekonntes Zusammenspiel aus Gitarren, Bass, Drums und wohl durchdachte Arrangements zu transportieren. Lyrics "fehlen" komplett - werden aber auch keine einzige Sekunde vermisst. Der Sound, dessen Herkunft man nicht unbedingt in Deutschland vermutet, sei hier jedem ans Herz gelegt, der seine Trauer und gleichzeitige Wut vertont hören möchte. Die nächste Chance dafür gibt es bereits am Donnerstag wiederum im Gebäude 9, wenn Long Distance Calling das Publikum auf Envy vorbereiten wird.

Ein mehr als gelungener Auftakt für einen Abend, der noch viel verspricht und diese Erwartungen in vollem Maße erfüllen soll. Denn bereits nach einer kurzen Pause sind die Schemen von 5 Männern in schwarzen Hosen, weißem Hemd, schwarzer Krawatte und Trauerbinde am rechten Arm auf der noch unbelichteten Bühne zu erkennen. Das Konzert beginnt mit dem Song 'Twenty Five Sins', bei dem die bestechende Zeile der niederbrennenden Stadt durch eine "flammende" Videoanimation untermalt wird. Auch alle weiteren Songs werden visuell unterstützt. Sei es durch Geschichten einer Expedition durchs ewige Eis ('Terra Nova'), eines Gefangenen der seiner Hinrichtung harrt ('Spencer Perceval'), eines Schachspiels ('A Rook House For Bobby') oder durch die Abfolge von Tintenkleksen eines Rorschach-Tests...die Bilder passen stets genau zur tiefen Stimme Dave Martins und verstärken das Gesungene durch persönliche Interpretationen in ihrer Wirkung, so dass sich schnell ein äußerst intensives Gefühl einstellt. Fast andächtig steht man da und lässt dieses mit allen Sinnen auf sich wirken, saugt es in sich auf und genießt es!

Leider findet das Konzert ein unpassend abruptes Ende - die im Anschluss stattfindende Balkan-Beats-Party fordert ihren Tribut. Dennoch: Die Impressionen bleiben - auch in der Bahn, in der es leider wieder kein Bier geben wird...