×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Distractions«

Ikonika

Verwirrendes Chiptuning am alten Benz: Das neue Album von Hyperdub-Küken Ikonika klingt geradlinig und trotzdem zerfahren.
Geschrieben am
Konsistenz ist in Zeiten um sich greifender Digitalisierung speziell für Künstler elektronischer Musik kein allzu relevantes Markenzeichen mehr. Ideen werden gerne in Acryl über Alben gesprenkelt, um einen eklektizistischen Anspruch oder kreative Weitsicht zu demonstrieren. Oft genug gelingt das, wie Ikonikas Labelkollege Zomby 2013 mit seiner Stilminiaturen-Sammlung »With Love« auf beeindruckende Weise zeigen konnte. Um nicht im Brackwasser der Beliebigkeit unterzugehen, erfordert die wilde Kompilation von Einflüssen und Ausdrucksformen paradoxerweise ein hohes Maß an Fokussierung. Auf »Distractions« zelebriert Sara Abdel-Hamid diesen Fokus über 40 Minuten hinweg, ohne ihn zu finden, und bleibt dabei hinter ihrem letzten Werk »Aerotropolis« zurück. Zwar gelingen der Britin vereinzelt herrlich säuselnde Trap-Skulpturen (»Lossy«) und lila schäumende Fusionen aus UK Bass und Wonky (»435«), doch insgesamt fehlt den Ideen Sprengkraft, das gewisse Etwas, vielleicht einfach nur Mut zum Experiment. Konsistent sind hier vor allem die durchgehend glattpolierte Produktion und das auffallend enge Klangspektrum, mit dem sich »Distractions« begnügt. Arrangiert wurde alles wie ein Playmobil-Bausatz, der mit drei Griffen fertiggestellt ist. Fürs nächste Album wünscht man sich daher Lego Technic inklusive angeklebter Modellbauteile auf gelötetem Untergrund.

Ikonika

Distractions

Release: 02.06.2017

℗ 2017 Hyperdub