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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die Zwillinge

Ibeyi

Die eine wollte Opernsängerin werden, die andere gab in der Jugend das twerkende Partygirl. Trotz der Gegensätze erschaffen die Zwillinge mit französisch-kubanischen Wurzeln gemeinsam einen ebenso harmonischen wie zeitlosen Pop-Entwurf, der XL-Recordings-Chef Richard Russell geradezu schwindelig machte. Annett Bonkowski traf Ibeyi vor ihrer Show mit Chet Faker in Berlin zum Interview – der die beiden übrigens »dope!« findet. Das würden wir unterschreiben.
Geschrieben am
Mit den Zwillingen Lisa-Kainde und Naomi Diaz verhält es sich wie mit den beiden Zeichen Yin und Yang. Von ihrem individuellen Charakter her einander entgegengesetzt, als Geschwisterpaar aber dennoch aufeinander bezogen, finden die beiden als Duo unter dem Namen Ibeyi, was auf Yoruba »Zwilling« bedeutet, zu ihrer ganz eigenen Balance. Lisa: »Unsere unterschiedlichen Persönlichkeiten führen oft dazu, dass wir uns in den Haaren liegen. Andererseits lebt unsere Musik von den konträren Impulsen. Ich bin normalerweise eher ruhig und komponiere sanfte, melodische Songs. Naomi liebt HipHop und fügt dem Ganzen eine lebhafte Rhythmik hinzu. In dieser Hinsicht ergänzen wir uns perfekt.« Die eine wollte als Kind Opernsängerin werden und vertrieb sich die Zeit zu Hause am Piano, die andere lebte ihre extrovertierte Seite auf Partys aus und verrät uns stolz, dass sie ziemlich gut im Twerken sei. Kein Wunder, dass ihre Songs nur so vor Eigendynamik brodeln.
Der Sound des selbstbetitelten Debüts ist das Ergebnis sowohl eines persönlichen, kulturellen als auch kreativen Kontrastes, der klanglich zwischen traditionellen Elementen der west-afrikanischen Yoruba-Kultur, kubanischer Leidenschaft und französischer Stilsicherheit angesiedelt ist. Geboren in Paris, lebten Lisa und Naomi zwei Jahre auf Kuba und saugten früh die Geschichte und Kultur des Yoruba-Volkes auf. Der Vater, Miguel »Anga« Diaz, galt bis zu seinem überraschenden Tod im Jahr 2006 als einer der weltweit besten Conga-Spieler, war Mitglied des Buena Vista Social Club und gewann sogar einen Grammy. Die Mutter nahm sie oft mit zu Konzerten; der Wunsch, einmal selbst gemeinsam Musik zu machen, kam bei den Zwillingen aber erst später auf, betont Naomi: »Wir haben nie innerhalb der Familie zusammen Musik gemacht, aber viel gemeinsam getanzt. Trotz der Tatsache, dass ich zehn Jahre lang die klassische Form der Percussions studiert habe und Lisa Piano spielte. Erst nach dem Tod meines Vaters begann ich Cajón zu spielen und Lisa zu begleiten.« 

Bei den Aufnahmen zu ihrem Debüt, unter der Regie von XL-Recordings-Chef Richard Russell, lernten die beiden, ihre Leidenschaft für rituelle Yoruba-Gesänge, Piano und Percussions mit elektronischen Samples zu verbinden. Als bekennende Fans von James Blake orientieren sie sich an einem minimalistischen Klangbild mit elektronischen Akzenten. Die gemeinsame Arbeit förderte aber auch eine neue Form der Verbundenheit: »Die Aufnahmen im Studio waren die schönsten Monate meines Lebens. Wir haben wochenlang zusammen gearbeitet, ohne uns anzuschreien«, berichtet Naomi glücklich. Der teils für Reibung sorgende Ton untereinander weicht auf musikalischer Ebene einer non-verbalen harmonischen Kommunikation, die Ibeyi im Vorprogramm von Chet Faker schon fesselnd demonstrierten. Tradition und Moderne? Yin und Yang? Oder ganz einfach – Ibeyi.
Ibeyi »Oya EP« (XL / VÖ 18.09.14) & »Ibeyi« (XL / Beggars / Indigo / VÖ 16.02.15)

Ibeyi

Oya - EP

Release: 07.08.2014

℗ 2014 XL Recordings