×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kunst: Daniel Johnston

»I've seen it all on TV«

Der amerikanische Künstler Daniel Johnston stellt noch bis zum 15. Januar in der Kölner Galerie Susanne Zander aus.
Geschrieben am

Die Arbeiten des als Musiker bekannt gewordenen Johnston reflektieren seinen ganz eigenen Blick auf die amerikanische Popkultur: Bunt, von Comics geprägt, sehnsüchtig nach Hollywood blickend und voller Skepsis der Kirche gegenüber, die in Person seiner Mutter seine Jugend prägte, zeichnet sich Johnston durch seine Interpretation der Welt.

Es war 1998, Daniel Johnston spielte in dem gerade eröffneten New Yorker Avantgarde-Club Tonic in der Lower East Side. Das Tonic sollte in den Jahren bis 2007 zu einem dieStadt prägenden Ort im Spannungsfeld aus Avantgarde-Jazz (John Zorn), reflexivem Techno (Terre Thaemlitz) und Neo-Psychedelic-Pop (R. Stevie Moore) werden und für Johnston eine stete Anlaufstelle sein, wenn er in der Stadt weilte.

Daniel Johnston, den ich zuvor noch nie live gesehen hatte, dessen Musik ich aber schon lange Zeit verehrte, eilte der Ruf eines sehr verschüchterten Menschen voraus. Ein Bild, das sich gut neben seinen verschrobenen Lofi-Songwriter-Pop hängen ließ. Die Musik, oft leichthin als naiv bezeichnet, in Anspielung an ihre sehr rudimentären Aufnahmebedingungen und die eher impulsiv spontane Herangehensweise an die Songs, strahlte eine Wärme aus, die zu fühlen nicht viele in der Lage sind und schon gar nicht weiterzugeben. Nach seinem mitreißenden Set, das immer wieder unterbrochen wurde von kurzen Colaübergaben seitens seines Vaters, für den Nachschub an den Colaabhängigen Sohn zuständig, wurde Johnston ein ums andere mal vom Publikum frenetisch um Zugaben gebeten. Bis er sich einfach hinter einem der Bühnenvorhänge versteckte und für den Rest des Abends nicht mehr hervorkam. So sehr er die Anerkennung der Welt sucht, so verschüchtert kann dieser Daniel Johnson doch nur mit ihr umgehen.

Das Werk von Daniel Johnston kann nicht ohne die Person Daniel Johnston und ihren Lebenslauf gelesen werden. Der heute 51jährige wurde 1961 an der Westküste Amerikas geboren. Schon früh zeigten sich bei ihm Zeichen von Schizophrenie sowie manisch depressiver Zustände, die bis heute sehr unmittelbar seine Arbeiten prägen. Die Bilder und Songs zeugen von der Achterbahnfahrt seines Lebens, den Hoffnungen auf Teilnahme und Ruhm sowie den Ängsten. Mit seiner Musik dockte Johnston in den 1980er Jahren ganz selbstverständlich bei einer Band wie den Butthole Surfers an, die mit ihm aufnahm, bei einem Produzenten wie Shimmy Disc Labelmacher Kramer, der ihn unter seine Fittiche nahm, oder eben bei Nirvanas Kurt Cobain, der ihn verehrte und gerne mit Daniel-Johnston-T-Shirt auftrat. Gerade letzteres führte kurzweilig in den frühen 1990er Jahren zu einem massiven Popularitätsschub. Den in dessen Folge angebotenen Plattenvertrag mit Elektra Records, lehnte Johnston allerdings ab, da er nicht mit Metallica auf einem Label sein wollte, diese seien ja vom Satan besessen.

Parallel zu dieser Popularitätswelle des Musikers Johnston traten endlich auch seine Zeichnungen, die er seit früher Kindheit täglich produziert, ins Zentrum der Wahrnehmung. Wie seinen Songs eröffnen auch die Bilder einen direkten Einblick in die kleine Welt des Daniel Johnston, die ein warnender Spiegel ist von vielem, was in der großen weiten Welt schief läuft. Es ist der Staat, der ihm mit seinen Exekutivorganen Polizei und Militär Angst macht, die Kirche, die ihm das Gefühl gibt nicht akzeptiert zu sein – und es sind Superhelden und Popstars, die ihm Rettung versprechen.

Die Arbeiten zu Daniel Johnstons aktueller Ausstellung »I´ve seen it all on TV«, die noch bis zum 7. Januar in der Galerie von Susanne Zander läuft, kann man als Vorskizzen zu seinem im März veröffentlichten ersten Comic »Space Ducks – An Infinite Comic Book of Musical Greatness«ansehen, viel mehr sind sie aber Zeugnisse des nimmer ermüdenden Schaffensdrang Johnstons, der Tag für Tag reagieren muss auf die Welt um ihn herum, da sie sonst nicht mehr existiert.

Daniel Johnston, Galerie Susanne Zander, Köln
06.15.2013 (Winterpause 22.12.2012-07.01.2013)