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Irres Licht

I Love You But I`ve Chosen Darkness live

09.10.06, Köln, Gebäude 9. Der Name ist natürlich das Allerbeste. Eine Alltime-Favourite-Textzeile quasi. Und auch wenn die Band I Love You But I've Chosen Darkness aus Austin, Texas selbst fast genauso gut ist, ist klar, dass man an diesem Montagabend im Gebäude 9 nicht die Ansteher der großen
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09.10.06, Köln, Gebäude 9. Der Name ist natürlich das Allerbeste. Eine Alltime-Favourite-Textzeile quasi. Und auch wenn die Band I Love You But I've Chosen Darkness aus Austin, Texas selbst fast genauso gut ist, ist klar, dass man an diesem Montagabend im Gebäude 9 nicht die Ansteher der großen Trends erwarten kann. Ist ja auch ausnahmsweise mal gut so. Dass die Band, die man liebt, für ausschließlich die 40 Auskenner spielt, die bei solchen Anlässen immer da sind. Stichwort familiär. Passend dazu einer der großen, alten und gezwungenermaßen unambitionierten Kapellen des westfälischen Indies, Green Apple Sea aus Münster, als Support. Die sind für viele immer noch Aushängeschild ihrer Stadt und erinnern an die kurze Zeit, als Ostwestfalen den Puls der europäischen Schrammelwelt darstellte. Damals waren Locust Fudge und die Speedniggs populär, Protagonisten gitarrenpoppiger Innovation hörten auf so lustige Namen wie Schneider, Krite und Kowarsch, und Green Apple Sea hießen damals in Teilen noch Nolte. Später veröffentlichten sie mal ein tolles Album namens "All Over The Place", und heute sind sie nicht mehr ganz so langsam wie damals, haben ihr Heil aber in harmonischen Folkpopsongs gefunden, können die angemessen instrumentieren und auf der Bühne sehr freundlich darstellen. Eine nahezu perfekte Supportband also.

I Love You But I've Chosen Darkness selbst haben mit ihrem nichtsdestotrotz tollen Album "Fear Is On Our Side" für viele nicht ganz das gehalten, was ihre grandiose, selbst betitelte Debüt-EP versprochen hatte. Trotzdem war ihr Stil auf der Platte so heterogen, dass es spannend war, darüber zu spekulieren, wie sie sich live darstellen würden.

Der erste Eindruck ist dann auch gleich gewaltig. Die sechs Amerikaner sind zu Spitzenzeiten mit vier Gitarren auf der Bühne vertreten und veranstalten folgerichtig ein Noise-Feuerwerk, das seinesgleichen sucht. Ihre Musik ist durchsetzt mit der düster schimmernden Atmosphäre, die uns Joy Division brachten und die später durch die Editors und Interpol in blanken Pop übersetzt wurde. Letztere sind wohl auch der deutlichste Verweis, der bei ILYBICD herauszuhören ist, mit dem Unterschied, dass ihre Musik eben nicht Pop ist. Sie ist nicht zwingend, sie zielt nicht auf den schnellen Höhepunkt, sondern auf Kontinuität, Psychedelik und Komplexität. Sie führt nicht so häufig zur Eruption wie all die schönen Interpol-Hits sondern baut sich langsam auf, verharrt eine ganze Weile am Kamm des Songs und schraubt sich ebenso langsam wieder zurück. ILYBICD spielen ein für die müden Zuschauer eines Montagabends angenehmes Konzert, in dem die Gemütslage nicht durch ständig auftauchende Höhepunkte wie ein Pendel ausschlägt. Man hat Zeit, die Stücke zu lesen und zu erfahren. Und diese Stücke sind eine aufmerksame Auseinandersetzung wert. Die Band scheint über den geringen Publikumszuspruch zunächst etwas enttäuscht, ist dann aber umso überraschter über die euphorischen Ovationen der Anwesenden, denen es nicht soviel auszumachen scheint, dass der Gesang von Frontmann Christian Goyer kaum zu hören ist. Ist auch nicht wirklich schlimm. Denn eine gute Stunde mit einer tollen Gitarrenband aus diesem an guter Musik so reichen Umfeld der Labels Jagjaguwar und Secretly Canadian in einem Club mit viel Platz - das ist doch auch mal was.