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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Gods And Monsters

I Am Kloot

Eine zartbittere Lakonik, ein Faible für Brüche und noir désir ist seit jeher das Kennzeichen der britischen Band I Am Kloot. Die eindrücklichste Textzeile des Debüts lautete denn auch "There's blood on your legs / I love you" - die lyrische Programmatik John Bramwells lässt sich kaum prägnanter
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Eine zartbittere Lakonik, ein Faible für Brüche und noir désir ist seit jeher das Kennzeichen der britischen Band I Am Kloot. Die eindrücklichste Textzeile des Debüts lautete denn auch "There's blood on your legs / I love you" - die lyrische Programmatik John Bramwells lässt sich kaum prägnanter zusammenfassen. Auch der Titel "Gods And Monsters" scheint wohl gewählt, erinnert er doch an den wunderbaren Film Bill Condons über das einsame Sterben des schwulen Frankenstein-Regisseurs James Whale, welcher sich Ende der 50er-Jahre in Hollywood einem Klima der Bigotterie und Verachtung ausgesetzt sah und sich doch voller Würde und Sarkasmus zu behaupten wusste. Im Nachhinein kann man die Tatsache, dass I Am Kloot vor fünf Jahren der "Quiet is the new loud"-Schule zugeordnet wurden, nur als Symptom fortgeschrittener Schubladeritis mit einhergehender Hilflosigkeit diagnostizieren. Die Band und ihr Management indes ließen ES geschehen, darauf hoffend, durch das illustre Etikett würden mehr als die Warhol'schen 15 Minuten Berühmtheit dabei rumkommen. Doch weit gefehlt: Schon beim zweiten, nicht so brillanten Album wurde ihnen nicht mehr die ganz große Aufmerksamkeit zuteil. Nun sind sie wieder zurück, und obwohl das Instrumentarium um u. a. secondhand erworbene Wurlitzer-Orgeln erweitert wurde, klingt das Ganze wieder so rau und spröde wie am Anfang der Karriere. Die Songs sind durchweg große Klasse, allen voran das ungemein lässige "Dead Men's Cigarettes". Überdies ist Sänger Bramwell mit einem Organ gesegnet, das exakt in der Mitte zwischen Stephen Duffy und John Lennon angesiedelt ist. Allein dieser Stimme zu lauschen ist pure Wonne.