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»Mit einem schwarzen Anzug kann man nichts falsch machen«

Hurts im Gespräch

Schon seit ihrem Karrierebeginn scheiden sich an Adam Anderson und Theo Hutchcraft die Geister: Die einen lieben Hurts für ihre makellose Ästhetik und ihren Breitbandpop, die anderen hassen sie aus denselben Gründen. Dabei sind die beiden von Anfang an vor allem eines: konsequent und zumindest in Modefragen stilsicher. Dem würden selbst die Hater zustimmen.
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Zu Beginn eurer Karriere hieß es bei euch noch: »Don’t let go, never give up, it’s such a wonderful life«. Mit eurem dritten Album »Surrender« deutet ihr nun dem Titel nach die Unterwerfung an. Vor wem oder was kapituliert ihr? 
TH: Es geht auf der neuen Platte nicht im klassischen Sinne um das Aufgeben, sondern vielmehr darum, loszulassen und sich den Dingen um sich herum zu öffnen. Die damit einhergehende Freiheit steht dabei für uns im Mittelpunkt. Wir wollten genau mit diesem Gefühl an das neue Album herangehen. Es gab vorab kein Konzept wie beim Vorgänger »Exile«. Wir haben uns allenfalls unseren Ideen unterworfen und diese Erfahrung als sehr angenehm empfunden. Ich denke, das hört man dem fröhlicheren Grundton auch an. 

Der Ernst und die getragene Stimmung eurer ersten beiden Alben weichen auf »Surrender« tatsächlich einer sehr poppigen Leichtigkeit. Wie entgeht man im Zuge des gefundenen Glücks als Künstler der Klischeefalle? 
AA: Obwohl die neuen Songs mehr Freude ausstrahlen, gaben wir diesem Gefühl nicht ununterbrochen nach. Songwriting funktioniert für uns eher auf der Ebene der Erinnerung. Wir hatten eine tolle Zeit bei den Aufnahmen, aber es gab auch immer wieder Momente, in denen wir aus den weniger guten Empfindungen der Vergangenheit schöpften. Kreativität bedeutet für mich, an frühere Emotionen anzuknüpfen.  

Rein visuell seid ihr eurer passgenauen, makellosen Ästhetik in all den Jahren treu geblieben. Was hat euch bisher davon abgehalten, auch auf diesem Gebiet risikofreudiger zu werden? 
AA: Ich glaube, unser Stil hat einen Wiedererkennungswert, gerade weil wir nicht versuchen, ständig mit dem Strom zu schwimmen. Wir mögen diese gewisse zeitlose Ästhetik, die wir durch unsere Kleidung, unsere Videos oder unser Artwork ausstrahlen. Wir sind keine dieser Bands, die sich für ein neues Album optisch neu erfinden müssen. 
TH: Es dauert eine Weile, bis man als Individuum und auch als Band seinen Stil gefunden hat und den mit der eigenen Vision von der Welt vereinbaren kann. Warum sollten wir das alles mit jedem neuen Album wegwerfen? Visualität war uns schon immer wichtig. Die Tatsache, dass wir zu zweit sind, schafft eine Art Balance. Ohne sie hätten wir vermutlich schon längst die Perspektive verloren. 
AA: Das ist mir nur ein Mal passiert, als ich 2011 für ein paar Shows ein Cape auf der Bühne trug!

Hegt ihr als modeaffine Künstler eigentlich heimliche Ambitionen, einmal selbst etwas zu designen? 
TH: Ich finde, wir tasten uns als Band immer mehr an diesen Aspekt heran. Wir fühlen uns nicht als reine Musiker, sondern empfinden Hurts als Projekt, in dem wir auch jeglichen ästhetischen Impulsen nachgeben. Selbst Kleidung zu entwerfen wäre einfacher, als shoppen zu gehen. Ich könnte im Atelier stehen, meine alte Kleidung umherwirbeln und Leuten sagen, dass sie diese kopieren sollen. Das wäre großartig! 
Es gibt kaum ein Bild, auf dem ihr nicht im feinen Zwirn vor die Linse tretet. Was muss ein Anzug haben, um perfekt zu sein? 
TH: Er muss sich vor allem so anfühlen, als ob man gar keinen Anzug tragen würde. Nur ein wirklich guter Anzug gibt dir das Gefühl, nicht in ihm eingesperrt zu sein. Ein guter Stoff ist dabei am wichtigsten. Prinzipiell kann man mit einem schwarzen Anzug nichts falsch machen. Mann kann ihn zu jedem Anlass tragen. Sogar mehrmals.  

Daniel Radcliffe hat einmal gesagt, dass er sich vor allem immer dann sehr britisch fühle, wenn er in einem Anzug ins Ausland reise. Geht es euch da ähnlich? 
TH: Ich habe noch nie darüber nachgedacht, aber es stimmt schon. Wir reisen sehr viel, und uns wird oft gesagt, dass wir sehr britisch aussehen. Das muss wohl an unseren Anzügen liegen! 

Euer allererster Auftritt fand bei einer Fashion Show in Berlin statt. Hattet ihr als Musiker nie Bedenken, im Zuge solcher Veranstaltungen auf eure Kleidung reduziert zu werden? 
TH: Damals war es vor allem eine Gelegenheit für uns, aufzutreten. Wir haben es zwar als komisch empfunden, vor so vielen schönen Leuten zu spielen, aber es war schon immer in Ordnung für uns, mit Mode in Verbindung gebracht zu werden. Es ist nur eine weitere Art, sich auszudrücken und wahrgenommen zu werden.  
AA: Selbst zu Zeiten, als wir weder Geld noch Plattenvertrag hatten, warfen wir uns morgens in gute Klamotten und wollten smart aussehen. Das war von Anfang an ganz natürlich für uns. Wir fühlten uns dadurch einfach besser. Manchmal ziehen wir uns aus Versehen gleich an, aber solange wir nicht wie The Hives enden und der Look immer identisch ist, habe ich da keine Bedenken.

Kommt das eurer Meinung nach einem absoluten Style-No-Go am nächsten? 
AA: Nein, ein No-Go wäre für mich eher schlecht sitzende Kleidung. Ich finde es schrecklich, wenn Menschen viel Geld für Mode ausgeben, die ihnen nicht richtig passt. Optisch fatal sind auch diese Shirts für Männer mit den riesigen Ausschnitten. Das sieht wahnsinnig lustig aus. Die wurden vermutlich nur erfunden, damit sich Männer im Fitnesscenter gegenseitig ihre Muskeln zeigen! 

Warum gibt es eigentlich noch keinen Dresscode für eure Crew, ähnlich wie es bei den Shows von Jack White der Fall ist? 
TH: Unsere Band ist optisch schon aufeinander abgestimmt. Die Crew würde bei diesem Vorschlag wahrscheinlich streiken, weil sie sich bei ihrer Arbeit ständig dreckig macht. 
AA: Wir haben unseren Tontechniker einmal überreden können, bei einer unserer Shows einen Anzug zu tragen. Er ist eher der Typ Mann, der den T-Shirt-Gammellook bevorzugt. Das war ein großartiger Moment für uns. Es hat nur zwei Biere gebraucht, um ihn davon zu überzeugen.

Hurts »Surrender« (Four / Sony / VÖ 09.10.15)

Hurts

Surrender (Deluxe)

Release: 09.10.2015

℗ 2015 Major Label Limited under exclusive license to Sony Music Entertainment UK Limited

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