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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Bigger than HipHop

Hudson Mohawke

»Ich will auch mit Major Pop Acts zusammenarbeiten!« So formulierte Produzent und DJ Hudson Mohawke bereits 2011 seinen persönlichen Anspruch. In die Fußstapfen des einst über alle Zweifel erhabenen Timbaland treten? Auf jeden Fall! 2013 ist er diesem Ziel ein gehöriges Stück näher gekommen. Und 2013 war das Jahr, in dem er endlich in dem Genre wahrgenommen wurde, in dem immer seine Wurzeln lagen.
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Vor inzwischen vier Jahren signte ein Anfang zwanzigjähriger Schotte bei den Elektro-Pionieren von Warp Records, die damit eine der Untergrund-Sensationen des Jahres an sich binden konnten. Sein Name: Ross Birchard alias Hudson Mohawke. Ein Turntable-Spezialist aus Glasgow, der vom Auflegen schnell zum Beatbauen gefunden hatte. Und umso schneller von der pulsierenden Beatmaker-Szene gefunden und gefeiert wurde. Sein Soundentwurf war provokant: Verkopfte Beats, bis zur völligen Unkenntlichkeit gechoppte Samples und schrille Synthesizer, die eine Energie erzeugten, mit der zeitgleich höchstens Flying Lotus' sphärische Patterns aus L.A. konkurrieren konnten. Nur: Hudson Mohawkes Ansatz war von Beginn an massenkompatibler konzipiert und von popkulturellen Referenzen durchzogen. Vor allem in der Rückschau kann man diese Lust an hitverdächtigen Melodien als Kontinuität im über die Jahre gewachsenen Backkatalog erkennen.

 

Für Mohawke selbst war diese Marschroute schon früh evident, nur die ungeliebte Musikkritik hatte seine ambitionierten Ziele nicht erkannt. Sein 2009er Debutalbum »Butter« wurde zwar von so ziemlich jedem Musikjournalisten, Blogger und selbsternannten Kritiker hochgelobt, aber zugleich unter den Untergrund-Hashtags #wonky und #glitch in eine Reihe mit ähnlich gesinnten Produzenten gesetzt. Dieses Detail nagte an Hudson Mohawke. Dass er weiterhin nicht als der eigenständige, neue Genres definierender Künstler wahrgenommen wurde, als der er sich bereits sah, motivierte den Produzent zu neuen Höchstleistungen.

Zwischen unzähligen Clubgigs arbeitete er nun umso akribischer an seinem Soundentwurf. Und nach vier Jahren dues-paying war 2013 das Jahr, in dem Ross' Kunst so rezipiert wurde, wie er sich das bereits vor Jahren vorstellte: Nachdem er im Vorjahr zusammen mit Kanye West an dessen Labelsampler »G.O.O.D. Summer« arbeitete, unterschrieb er im Januar als Produzent bei dessen Label G.O.O.D. Music und noch wichtiger: Für sein neues Opus »Yeezus« sah Kanye West den Schotten als einen der Eckpfeiler, die den generalüberholten Klangentwurf des neuen Albums ausarbeiten sollten. Auf der einen Seite also Wests unbedingter Wille, den eigenen Sound mit dem Zeitgeist zu revolutionieren, für den Hudson Mohawke schlussendlich der Ritterschlag des extrovertierten Kaisers der kontemporären Rapwelt. Der verkappte HipHopper Hudson Mohawke kommt 2013 da an, wo er immer hinwollte.

 

Mit TNGHT, dem Joint Venture mit Lunice, redefinierte er das dahinsiechende HipHop Subgenre Trap mit EDM Einflüssen und hat seitdem einen allgegenwärtigen Hype losgetreten. Und das Wichtigste: Im HipHop-Kosmos wird er endlich als Produzent wahrgenommen. Neben dominierenden Songs wie »I Am A God« und »Blood On The Leaves« auf Kanye Wests jüngsten Album hat er Stücke für Drakes LP »Nothing Was The Same« und Pusha-Ts »My Name Is My Name« produziert. Selbst mit Detroits Kronprinz des Weirdo-Rap, Danny Brown, entstanden Tracks, die nur noch auf ihre Veröffentlichung warten

 

Diese Meilensteine entsprechen seinen Ambitionen, realistisch bleibt er dennoch: »Die Charts sehe ich für meine Soloproduktionen als nicht realistisch. Aber es wäre schön, wenn ich mit meinem nächsten Album als eigenständiger Künstler wahrgenommen und nicht wie bislang unter irgendeiner Soundzuschreibung in ein Fach mit anderen Künstlern einsortiert würde. Davon träume ich, und dafür muss ich noch hart arbeiten.« So klingt ein gewachsener Künstler, der ganz genau weiß, welches Potenzial in ihm steckt und der die Klangästhetik der gegenwärtigen und zukünftigen Popkultur maßgeblich beeinflussen will.

 

Was für ihn wie selbstverständlich auch bedeutet mit den ganz großen Künstlern im Pop-Geschäft zusammenzuarbeiten. Kanye und Drake sind ein erster Schritt, doch Mohawke denkt weiter: »Mir gefällt der Gedanke etwas merkwürdige Produktionen mit großen Pop Vocals zu kombinieren. Wenn du das Instrumental von Justin Timberlakes ›My Love‹ hörst, würdest du dich fragen, was das zur Hölle soll? Aber zusammen mit den gut geschriebenen und sehr gut vorgetragenden Vocals wird es wieder etwas komplett anderes!«

 

Und wem das alles zu erwachsen und ambitioniert klingt; all den Beatheads der ersten Stunde, die glauben, dass nichts mehr vom Beats zerfrickelnden, sich im Studio verbarrikadierenden Nerd übrig geblieben sei, dem legen wir @HudMo auf Twitter ans Herz. Schonungslos offener Low-Fi Humor eines 27-jährigen Geeks, der mal eben seinen Traum lebt und sich locker easy zu unserem Lieblingsproduzenten 2013 aufgeschwungen hat.