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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

In Köln: Thrash Is King

Hot Club De Paris live

Kids von überragender Virtuosität, die sich benehmen wie Prolls: Das sind Hot Club De Paris, bezeichnenderweise aus Liverpool.
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Kids von überragender Virtuosität, die sich benehmen wie Prolls: Das sind Hot Club De Paris, bezeichnenderweise aus Liverpool. Ihr Konzert in Köln ist deshalb zwar ambivalent, lässt für die Zukunft aber trotzdem noch eine Menge erhoffen.

15.11.08, Köln, Gebäude 9.

Es ist schon ein seltsames Schauspiel, dass sich da auf der Bühne des Gebäude 9 bietet: Da stehen drei betont britische Jungs, machen derbe bis schlechte Witze und spielen fast wie nebenbei Songs von einer atemberaubenden dynamischen Vertracktheit. Ganz so, als wären es ihre Landsleute aus dem Club um die Ecke gewesen, die Mathrock erfunden haben. Das war aber bekanntermaßen nicht so, und die transatlantische Übertragungsleistung, die Hot Club De Paris folgerichtig schaffen mussten, ist möglicherweise auch ein Grund dafür, warum sie in Musik und Auftreten so außerordentlich wirken.

Woher sie ihre Inspiration beziehen, machen sie schon sehr früh im Set klar: Sie covern "The Anchor" von den Minutemen, und dieser Querverweis scheint auf einmal so offensichtlich, dass man sich schämt, sie nicht schon vorher erkannt zu haben. Denn es ist gar nicht so sehr die vorher vermutete Verschmelzung von Shellac und Britpop-Attitüde, die Hot Club De Paris sich ausgedacht haben, es ist vielmehr eine ziemlich originalgetreue Transformation von frühem, launigem und noch relativ melodischem Hardcore in die Jetztzeit.

Video: Hot Club De Paris - "My Little Haunting"




Das Jazzige von beispielsweise Karate sparen sie sich komplett, dafür streuen sie auch mal poppunkige Schrammelpassagen und simples Gegröhle ein, schließlich soll niemand denken, sie seien Akademiker. Eine solche introvertiert-künstlerische Haltung ist ja auch zumeist älteren Bands vorbehalten, vorerst wollen Hot Club De Paris vor allen Dingen Spaß mit der Musik, die sie mögen und auch selbst spielen können. Und Spaß haben sie an diesem Abend, trotz eines ziemlich kleinen aber tanzfreudigen Publikums.
[usercomment=http://www.intro.de/forum/plink/2/1223222488/1223222439]Wären die Foals cool und würden anspruchsvolle Musik machen, wären sie Hot Club De Paris![/usercomment]
Irgendwann, nachdem die Briten es doch einmal geschafft haben, alle Leute im Saal zum Lachen zu bringen, verlegen sie sich wieder ganz auf ihre Musik, auf ihre wie kurzentschlossen wirkenden Rhythmuswechsel und die furiosen Melodieführungen. Es ist jetzt schon toll, dem zuzuschauen, es eröffnet aber auch die realistische Aussicht, dass die Band mit etwas mehr Reife und Ernsthaftigkeit und etwas weniger Bier noch ganz neue Stufen des Post-Hardcore entdecken und betreten könnte. Das wird kommen, solange die Band beisammen bleibt und sich ihren sicher vorhandenen Ehrgeiz erhält. Bis dahin regiert aber der Slogan, der an diesem Abend auch das Shirt von Gitarrist Matthew Cameron Smith ziert: "Thrash Is King".