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Versteckte Dialoge

Hot Chip

Glaubt man der britischen Musikpresse, dann sind Hot Chip ein Haufen nerdiger Mittzwanziger, die Prince, Stevie Wonder und 2 Step Garage lieben – im realen Abgleich wirken die beiden Songschreiber Alexis Taylor und Joe Goddard eher wie zwei nette Süd-Londoner Indie-Lads und damit wie Au&s
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Glaubt man der britischen Musikpresse, dann sind Hot Chip ein Haufen nerdiger Mittzwanziger, die Prince, Stevie Wonder und 2 Step Garage lieben – im realen Abgleich wirken die beiden Songschreiber Alexis Taylor und Joe Goddard eher wie zwei nette Süd-Londoner Indie-Lads und damit wie Außenseiter im glitzernden Disco-Business. Dass sie auf ihrem zweiten Album “The Warning” gegenüber dem 2004er-Debüt “Coming On Strong” aber mehr Wert auf Tanzbarkeit als auf cheesy Orgelsounds legen, macht für Joe Goddard trotzdem Sinn: “Ich mag unser Debüt natürlich immer noch: Der Sound ist angenehm, aber man hört das Album nicht oft in Clubs. Es fehlen einfach ein paar härtere, rhythmische Momente, damit die Songs auch auf dem Dancefloor funktionieren.”

“The Warning” ist ein frisches, glitzerndes Electro-Pop-Wunder, das von der schlichten Direktheit der Beats und Synthie-Melodien und dem weichen, androgyn wirkenden Gesang Alexis’ lebt. Zunächst gab es jedoch auch Schwierigkeiten bei der Neuorientierung. “Der erste Track ‘Careful’ war ein entscheidender Punkt bei der Entstehung des Albums”, erklärt Joe. “Ich hatte bereits die Drums und die Bassline programmiert und wollte eine Art verrückten 2 Step Garage, gemischt mit afrikanischen Tribal-Drums, machen; als ich aber Alexis’ Gesang hörte, hatte ich das Gefühl, dass dieser nicht zu der Kraft und Wildheit der Musik passt. Wir haben gemerkt, dass wir beide aufeinander eingehen müssen, um weiter am Album zu arbeiten.”

Gegenüber dem entspannten Funk früherer Hits wie “Down With Prince” klingt “Careful” daher zunächst regelrecht hyperaktiv. Dieser Eindruck wird bereits vom zweiten Track “Boy From School” – einer wundervollen Pop-Offenbarung – zurechtgerückt. Die herzzerreißende Ballade gewinnt durch den Gegensatz aus treibendem Disco-House und getragenem, bitter-süßen Gesang einen ungeheuren Reiz. Eingängige Textzeilen wie “We tried, but we didn’t have long / We tried, but we didn’t belong” geben dem Song eine rätselhafte Größe und einen fast schon hymnischen Charakter. Der Titeltrack “The Warning” ist dagegen einer dieser federleichten Popsongs, die ihre Antriebskraft der Verzahnung eines geraden 2-Step-Rhythmus’ mit einer funky Bassline verdanken. Dabei geht einem der doppelstimmige Gesang so butterweich runter wie bei den besten Nummern von Erlend Øye.

Bei allem strahlen die Songs in ihren besten Momenten auch immer ein Gefühl von Wärme und Intimität aus. Das liegt nach Joes Meinung vor allem an der langjährigen Beziehung, die ihn mit Alexis verbindet. Zwar wird die Band inzwischen durch den Gitarristen Owen Clarke und bei Live-Sets durch zwei weitere Musiker, Al Doyle und Felix Martin, erweitert, doch als Joe und Alexis das Album in der entspannten Atmosphäre von Joes Wohnung aufnahmen, war das eher wie das musikalische Gespräch zwischen zwei guten alten Freunden: “Wir kennen uns seit der Schulzeit, und die Musik ist inzwischen wie ein Dialog zwischen uns. Darum gibt es auch immer wieder Stellen, die er singt, dann singe ich wieder. Es ist aber kein offener Dialog, über den wir außerhalb der Musik sonst sprechen könnten.”