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Der Samstag mit I Am Kloot und Ärzte

Highfield 2008

Der zweite Tag des Highfield in Hohenfeld stand ganz im Zeichen der Ärzte. Aber auch die Indie-Melancholiker I Am Kloot fanden ihren Platz. Und sogar der selbsternannte "Opa" Rollins.
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Der zweite Tag des Highfield in Hohenfelden stand ganz im Zeichen der Ärzte. Aber auch die Indie-Melancholiker I Am Kloot fanden ihren Platz.


Wer war denn noch gleich Headliner am Samstag? Es brauchte nur einen Gang über das Gelände, um diese Frage ein für allemal zu klären. So viele "gejazzte" Leute, so viele Shirts mit DEN drei Namen, so viele "Belafarinrod!"-Rufe – da brauchte man keinen Blick ins Line-up mehr. Zum Glück war der Großteil der Fans feiernd und freundlich unterwegs und nicht vom selben Schlag, wie die kleine Fünfer-Clique, die es noch für witzig hielt, sich bei Bands, die man nicht wirklich mag, in die vorderen Reihen zu stellen um da singend klarzustellen, dass es für sie nur eine Band gibt. Muss ja eine wahnsinnig übersichtliche Plattensammlung sein.

Anyway – seltsamerweise wusste man dann später zu den Headlinerzeiten gar nicht mehr so genau, wer jetzt am ehesten gepunktet hat: The Hives oder Die Ärzte. Bei den Schweden drängten sich jedenfalls die meisten Leute vor der Stage, und wenn man sich anschaute, in welcher Regelmäßigkeit euphorisch-erschöptfe Moshpitler rausgereicht wurden, könnte man glatt auf einen Hives-Punktsieg tippen. Pelle Almqvist Performance saß jedenfalls mal wieder genauso gut, wie die Outfits der Band – immer wieder wickelte er sich und sein Mikrokabel um die verzweifelten Kameramänner vor der Bühne. Leider hatte man wieder das Gefühl, die Hives besäßen nur vier Songs, die sie leicht variieren.Auch die Ärzte, die ja in diesem Jahr "an jeder Pferdetränke" spielten, wie es ein Kollege formulierte, zeigten die Souveränität, die man nach so einer Mammuttour und so langen Bandkarriere wohl automatisch hat. Es wurde gewitzelt, es wurden die Hits abgespult – die Fans bekamen also das, was sie sich wünschten. Lobenswert auch der Einsatz für die Intitiative Viva Con Agua, bei der man seinen Pfandbecher spenden kann, um Trinkwasserprojekte in Krisenregionen zu unterstützen. Die Ärzte forderten einfach die Menge auf, jeden Becher auf die Bühne zu feuern, den sie in der Hand hielten – und stellen sich dann mutig dem Becherhagel, bevor die Viva-con-Agua-Helfer die Sauerei für den guten Zweck aufräumten.

Früher am Abend wurde es dann noch mal ein wenig verschwurbelter, was das Mitsingen anging, als Kettcar die Menge mit dem düsteren "Sylt“-Material wie "Kein Außen Mehr“ oder dem "Nullsummenspiel“ konfrontierten. Die niederschmetternde Ballade "Am Tisch“ wurde gar mit Bela B. gesungen, der den Part von Niels Frevert übernahm. Das Set endete mit einem furiosen "Wir danken der Acadamy“.
Im Zelt der Coca-Cola Soundwave Discovery Tour konnte sich das Line-up ähnlich sehen lassen. Zunächst konnten die Gewinnerbands des großen Wettbewerbs zeigen, dass sie das Zeug haben, in Festivalsituationen zu bestehen. Was vielen ungemein gut gelang.Stereo Inn aus Köln zum Beispiel, die mit ihrem hochmelodischen Indierock sicher den ein oder anderen neuen Fan gefunden haben. Oder aber die Gute-Laune-Mannschaft von Piazumanju, die sich nach dem Auftritt gar mit Autogrammwünschen konfrontiert sahen. Ehrwürdig wurde es dann mit Henry Rollins, der heutzutage ja keine Band mehr braucht, um die Leute zu unterhalten. Einen Zettel, von dem er seine Stories abliest ebenso wenig. Aber es heißt ja auch spoken word. Der mal belehrende mal unterhaltsame Monolog über sein Leben in Amerika, sein Nick-Cave-Fantum und seine Reisen in all die Länder, die seine Regierung auf die Achse des Bösen gepackt hat, war jedenfalls ein Highlight, das nur im ersten Moment deplatziert wirkte. Später rotzten Louis XIV noch herrlich größenwahnsinnig über die Bühne, bevor I Am Kloot, für einen verschmitzt-melancholischen Abendausklang im Manchester-Indie-Style sorgten – inklusive dem wunderschönen "Proof“ und "I Believe“. Und heute? Gibt’s die Gutter Twins, Slut, Blood Red Shoes, die Dropkick Murphys und die Beatsteaks – letzteres konnte man wieder an der Fanshirt-Dichte erraten. Eine Bildergalerie wird es in Kürze ebenso geben.