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Zum Denovali Festival 2015

Hidden Orchestra im Interview

Kommendes Wochenende steht in Essen wieder die ursprüngliche Version der mittlerweile auch in Berlin und London residierenden Denovali Festivals an. Wir sprachen mit Joe Acheson vom Hidden Orchestra über die Veranstaltung, das gleichnamige Label und die besonderen Beziehungen unter den Künstlern dieser einzigartigen Szene.
Geschrieben am
Joe, wir wollen mit dir über das Essener Denovali Festival und sein Label sprechen. Du gehörst ja schon seit 2011 dazu. Wie gut hast du das Ruhrgebiet und Essen seitdem kennengelernt?
Vor den Denovali Festivals habe ich Essen nur zwei oder drei Mal besucht. Einmal haben wir in einer sehr schönen Kirche in Bochum gespielt. So gut kenne ich die Gegend also nicht. Die Konzerte waren aber sehr gut und die Auftrittsorte immer schön. Es ist eine tolle Gegend zum Durchfahren. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen.
 

Wie würdest du die Atmosphäre auf dem Festival beschreiben? Gibt es besondere Beziehungen zwischen den Künstlern und den Gästen? Ist es angenehm oder eher herausfordernd für einen Künstler?

Das Denovali Festival war schon immer toll! Die Produktion ist sehr gut und es ist wirklich schön, dass alle Künstler ein Set in voller Länge spielen können. Es wirkt eher wie eine Reihe über den Tag verteilte Konzerte als wie ein normales Festival. Es gibt viel Platz für die Künstler und ihr Merchandise, fast schon einen kleinen Marktplatz. Dort lernt man sich kennen und kommt leicht mit anderen Leuten und auch dem Publikum ins Gespräch. Traditionell erreicht das Programm der Denovali-Acts und der auftretenden internationalen Künstler ein sehr sachkundiges und leidenschaftliches Publikum. Es ist eine große Freude, vor diesem Publikum zu spielen.  

Wie eng ist dein Kontakt zu den anderen Künstlern, die auch auf diesem Label ihre Alben veröffentlichen? Ist es eine besondere Umgebung für kreative Beziehungen?
Durch Denovali bin ich auf viele tolle Künstler gestoßen, wie Piano Interrupted und Witxes. Manche habe ich auch dem Label vorstellen können, zum Beispiel Poppy Ackroyd und Floex. Viele dieser Beziehungen halten über Jahre und sind sehr produktiv: Ich habe zum Beispiel für meine aktuelle Veröffentlichung »Reorchestrations« Songs von Piano Interrupted, Poppy Ackroyd und Floex neu inszeniert.
 

Dieses Mal spielst du ein »Live Remix Duo Set«. Ist das eine besondere Herausforderung für dich oder ähnlich wie die Remix-LP, die du gerade erst veröffentlicht hast?
Beides. Das Projekt startete als ein DJ-Seit mit Live-Schlagzeug. Doch nach der »Reorchestrations«-LP habe ich schnell herausgefunden, dass es viel interessanter und unterhaltsamer ist, wenn ich mich mehr auf die improvisierten Live-Remixe meines eigenen Hidden Orchestra-Materials konzentriere. So mache ich auch neue Versionen für »Reorchestrations«, die von Schlagzeug begleitet und auf der Bühne gesamplet und geloopt werden.

Es ist eine sehr andere Herangehensweise verglichen mit der Art, wie wir vorher als Live-Band die Stücke gespielt haben. Deutlich herausfordernder. Es hat dazu geführt, dass ich ein paar der live erprobten Techniken in die Band-Performances eingeführt habe. Für die große Europa-Tour, die wir im November und Dezember machen (hiddenorchestra.com/dates), versuchen wir, diese neue, stärker improvisierte und spontanere Art der Performance auszuarbeiten. Der Auftritt in Essen wird der erste sein, bei dem wir Visuals haben und uns als Duo ausprobieren.

In den letzten Jahren hast du dich sehr auf Remixe und Reworks konzentriert. Was war der Grund für diese Ausrichtung?
Das war keine wirkliche Absicht. Ich mache viele andere Sachen als Komponist und Sound-Künstler, habe mich zwischen den Hidden Orchestra-Tourneen aber auch auf ganz andere Sachen konzentriert. Außerdem bin ich von Edinburgh nach Brighton gezogen und habe hier bis jetzt kein wirklich gutes Studio-Equipment. Abgesehen davon war es aber ein ziemlich guter Weg, verschiedene Produktionen und Kompositionstechniken zu entwickeln, was man auch auf dem nächsten Release von Hidden Orchestra hören wird.
 

Gibt es einen Künstler im diesjährigen Line-Up, den du unbedingt live sehen willst?
Ich habe am Freitag einen anderen Gig in London, daher kann ich leider nicht Holly Herndon und William Basinski sehen. Aber ich will unbedingt Brandt Brauer Frick zum ersten Mal sehen. Ich bin sehr gespannt, wie sie auftreten werden.
 

Gibt es Pläne für neue Aufnahmen von dir in den nächsten Monaten?
Aktuell arbeite ich an einer neuen Hidden Orchestra-EP für das nächste Jahr. Nebenbei laufen aber auch noch ein paar andere Projekte, zum Beispiel ein Release namens »Marconi And The Lizard«, der vom National Trust und der British Library beauftragt wurde. Es beinhaltet ausschließlich Aufnahmen, die ich an der Lizard Coast in Cornwall gemacht habe. Guglielmo Marconi hat hier ein paar seiner wegweisenden Radio-Experimente aufgenommen - schöne Vögel, Wellen, Nebelhörner, alte und zeitgenössische Funkgerät-Geräusche.

Denovali Festival 2015: 01.-04.10. Essen § Thomas Köner, Kaitlyn Aurelia Smith, Holly Herndon, Ah! Kosmos, Mondkopf, Multicast Dynamics, Oneirogen, Moon Zero, Blanck Mass, Emptyset, Orson Hentschel, Stephen O’Malley, Noveller, Second Moon Of Winter, Witxes, Elektro Guzzi, Carlos Cipa, Hidden Orchestra, Subheim, Poppy Ackroyd, Sankt Otten u. v. a.

Hidden Orchestra
»Reorchestrations« (Denovali / Cargo)    

Übersetzung: Isabelle Friedrich