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Schon seit Ewigkeiten in Mode

Heute: Der Pullunder

Genscher liebte seinen in parteigerechtem Kanarienvogelgelb. Die »Was Lacostet die Welt«-80s-Popper konnten nicht ohne ihn. In anderen Worten: Nicht nur heimlich galt der Pullunder als superspießig.
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Genscher liebte seinen in parteigerechtem Kanarienvogelgelb. Die »Was Lacostet die Welt«-80s-Popper konnten nicht ohne ihn. In anderen Worten: Nicht nur heimlich galt der Pullunder als superspießig.

Dann kamen die 90er-Jahre, und plötzlich wurde er zum Stilmittel einer ganzen Generation, die mit schlecht geschnittenem Haar, schmalen Cordhosen, Vintage-Sakkos und Diskurskultur auf sich aufmerksam machte. Und ein bisschen war wohl auch Stil-Gott Jarvis Cocker (nicht zufällig ehemals verheiratet mit Vogue-Stylistin Camille Bidault-Waddinton) schuld, der auf kaum einem Bild ohne Pullunder zu sehen war. Doch auch er konnte gegen Ende des Jahrzehnts nicht verhindern, dass es ruhig wurde um den Pullover ohne Ärmel - man sah ihn wirklich nur noch an Opas und 5-Jährigen.

Tja, und dann kam Olaf Schubert, dieser teilzeitwitzige Typ im Rauten-Pullunder, der kurz nach Cindy aus Marzahn in einschlägigen Comedy-Sendungen auftauchte und es mit einer Acryl-Persiflage auf das Kleidungsstück versuchte. Sein Zugang: Hässlich gleich Kult.

Trotz schlechter Witze und ebensolchem Kontext lässt sich der Ärmellose aber nicht unterkriegen, und die Pullunder-Reise setzt sich fort. Im Jahr 2011 ist »Retro« als Modern-Retro auferstanden und der Nerd wieder schick. Wie sangen schon Tocotronic so wunderschön und wahr in »Für immer dein Feind«: »Für die Pullunder, die du damals trugst, bin ich erst jetzt bereit.« Also, her damit. Aber bitte nie, nie wieder aus 140% Polyester. Wir wollen Kaschmir sehen. Und fühlen!