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Disco aus dem Geiste von Punk & Soul

Hercules And Love Affair / Holy Ghost!

Mit seinem auf DFA erschienenen Debütalbum hat das New Yorker Danceprojekt Hercules And Love Affair 2008 das Disco-Revival in neue Dimensionen geführt. Im Herbst wird endlich der lang erwartete Nachfolger erscheinen.
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Mit seinem auf DFA erschienenen Debütalbum hat das New Yorker Danceprojekt Hercules And Love Affair 2008 das Disco-Revival in neue Dimensionen geführt. Im Herbst wird endlich der lang erwartete Nachfolger erscheinen.

Es dürfte sich einiges ändern, denn die Besetzung wurde nahezu komplett ausgetauscht, sodass von den ursprünglichen Mitgliedern neben Produzent Andy Butler nur noch Kim Ann Foxman übrig geblieben ist. Das habe weniger mit persönlichen oder musikalischen Differenzen zu tun gehabt, erzählt Foxman im Rahmen eines Kölner DJ-Gastspiels im Coco Schmitz, Butler wollte lediglich ein paar neue Gesichter in die Band integrieren, die sich vor allem als Kollektiv versteht.



Das Debütalbum war von den markanten Stimmen Nomis und Antony Hegartys geprägt gewesen. Erstere feiert gerade als Jessica 6 Erfolge, Letzterer füllt mittlerweile mit Antony And The Johnsons die ganz großen Konzerthallen. Deren Parts werden nun von der venezuelanischen Performance-Künstlerin Aerea Negrot übernommen, die in Berlin lebt und auf Ellen Alliens Label BPitch Control ihre Soloplatten veröffentlicht. Darüber hinaus gibt es mit Shaun Wright einen weiteren Neueinsteiger, den Andy Butler nach einem Konzert wegen seiner auffallenden Dreadlocks angesprochen haben soll. Auch Kele von Bloc Party hat Vocals zu einem Song beigesteuert. Das Album wurde von Andy Butler zusammen mit der Wiener Elektronik-Koryphäe Patrick Pulsinger produziert.

Butler hat in jungen Jahren Komposition studiert und Musik für zahlreiche Ballettinszenierungen beigesteuert, parallel dazu aber auch als DJ in verschiedenen Gay-Clubs aufgelegt. Das Projekt Hercules And Love Affair wurde während gemeinsamer Sets mit dem hawaiianischen Tomboy Kim Ann Foxman aus der Taufe gehoben. Die beiden eint die Liebe zu ganz frühen House- und Discoproduktionen aus Chicago, Detroit und New York, einer Zeit, in der Dancemusik sowohl kommerziell als auch progressiv sein konnte. Aus dem schwulen schwarzen Underground revolutionierten Produzenten und DJs wie Frankie Knuckles, Larry Levan oder Ron Hardy die Tanzmusik für immer, während New Yorker Bands wie Liquid Liquid oder E.S.G.den Funk aus dem Geiste von Punk heraus neu interpretierten. Obwohl weder Foxman noch Butler jene legendäre Zeit aktiv miterlebt haben, bezogen sie sich in ihren Produktionen immer wieder auf diese radikale Frühphase der modernen Tanzmusik, ohne ausschließlich „retro“ klingen zu wollen. Das machte sie zu Vorreitern einer neuen queeren House- und Discobewegung, die uns zuletzt so großartige Künstler wie Azari & III oder Hardton bescherte.

Ebenfalls aus dem DFA-Umfeld stammt das Brooklyner Duo Holy Ghost!, dessen Debütalbum noch dieses Jahr erscheinen soll. Seit der ersten Single „Hold On“ von 2007 gelten die beiden als Hoffnung des New Yorker Labels und sollen die Lücke füllen, die James Murphy nach der finalen Platte seines Projekts LCD Soundsystem hinterlassen wird. Kürzlich schafften sie es mit einem Song auf die „Maison“-Compilation des französischen Trendlabels Kitsuné. Nicht nur ihr Remix zu Phoenix’ „Lisztomania“, auch der aktuelle Disco-Ohrwurm „Static On The Wire“ zeigt, dass die Wurzeln der elektronischen Tanzmusik eben im Soul liegen.