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Hercules And Love Affair

Hercules And Love Affair

Der Name des Produzenten Andrew Butler war bis vor Kurzem wahrscheinlich nicht wirklich vielen geläufig.
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Der Name des Produzenten Andrew Butler war bis vor Kurzem wahrscheinlich nicht wirklich vielen geläufig. Zusammen mit Freunden hat der New Yorker jetzt ein Projekt auf die Beine gestellt, das es ziemlich in sich hat.


Die Freunde heißen Antony Hegarty von Antony & The Johnsons, Tim Goldsworthy von DFA, Kim Ann und Nomi. Zu den ersten beiden muss man wohl nicht mehr viel sagen. Nomi ist eine Brooklyner Performerin und Sängerin aus dem Coco-Rosie/Bunny-Rabbit-Umfeld, die ihren Namen als Referenz an Klaus Nomi verstanden wissen will und zuletzt auch mit Debbie Harry gearbeitet hat. Ein It-Girl wie aus der Factory. Und obendrein gesegnet mit einer Stimme à la Sade in ihren besten Tagen.

Kim Ann war früher in erster Linie House-DJ, singt aber auch. Über House ist zuletzt ja wieder viel geschrieben worden. Aus gutem Grunde, denn House erlebt derzeit eine fulminante Renaissance. House natürlich nicht im Sinne von den Disco Boys, Mousse T. oder ähnlichem Scheißhaus-Ornament. Sondern House, wie er Anfang der Achtziger im Chicagoer Schwulenclub Warehouse kultiviert und über Labels wie Trax oder DJ International Records weiterverbreitet wurde. Als der DJ Frankie Knuckles eine Kraftwerk- und eine Parliament-Platte nahm, sie ineinander mixte und sah, dass es gut war. Auf diese Tradition bezog sich das New Yorker Label DFA zuletzt immer wieder.

Andrew Butler hätte für sein oldschooliges Projekt keinen perfekteren Unterschlupf finden können. Die Stücke mit Antony lassen einen unweigerlich an Arthur Russel denken, an jenen Disco-Pionier, der in den frühen Neunzigern an Aids gestorben ist. Das Album ist ein sensationeller Bastard aus Chicago House, Postpunk und sehr viel Disco. "You Belong" mit seinen HipHop-Anleihen treibt einem Bilder von der coolsten und queersten Blockparty aller Zeiten vors geistige Auge. Der Groove der Single "Blind" nimmt es locker mit sämtlichen Klassikern der frühen Achtziger auf. Nicht einen einzigen Füller gibt es. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich macht dieses Album mehr als glücklich.