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Konzertbericht zur Show im Stadtgarten

Her feiern in Köln ohne Trauer

Statt dem Tod der einen Hälfte des französischen Soulpop-Duos mit Melancholie hinterher zu trauern, liefern Her ein Konzert zum Feiern: Das Leben, die Liebe und natürlich sich selbst.

Geschrieben am

18.04.2018, Köln, Stadtgarten

Man kann es nur schwer ausblenden. Auch wenn man es gar nicht möchte, schwingt doch der Tod Simon Carpentiers immer ein wenig mit. Der ist vergangenes Jahr nach nur zwei Jahren Bandhistorie und zwei veröffentlichten EPs an einer Krebserkrankung verstorben. Bandkollege Victor Solf und jetzt so etwas wie ein Frontmann der Band, entschied sich anschließend mit den anderen Musikern das Erbe Carpentiers weiter zu tragen. Die Veröffentlichung des selbstbetitelten Debütalbums vor wenigen Tagen bringt Her jetzt auf die Bühne des ausverkauften Stadtgarten. Das Konzert wird beileibe keine Todesmesse, sondern eher ein tanzbarer Tribut.

Das drückt sich vor allem in der schieren Spielfreude und sichtlichen Berührtheit Victor Solfs aus, der aus dem Bedanken kaum noch herauskommt. Das liegt am herzlichen und überschwänglichen Empfang des Publikums, das von Beginn an die Hüften schwingt, wie es sich zu dem leicht elektronisch infizierten Soulpop Hers gehört. Dieser folgt zwar häufig dem gleichen Schema und ist daher naturgemäß ein wenig austauschbar, was aber der Euphorie keinen Abbruch tut. Denn in den besten Momenten sind die Songs von Her ein fantastischer Ohrenschmaus aus gefühligem Gesang, Soul-Instrumentierung vom feinsten und einem leichten Einschlag französischer Opulenz.

Das äußert sich dann vor allem in Songs wie dem behutsam voran stampfenden »Icarus« oder den beiden großartigen – schon auf den EPs vertretenen – Singles »Five Minutes« und »Quite Like«. Als kleine Besonderheit steht auch noch Hennig May – seines Zeichens Sänger der befreundeten Kölner Band AnnenMayKantereit – beim Song »On & On« als Gastsänger parat. Durch diese kleine Sammlung an Hits, die laut Victor Solf in unterschiedlichsten, aber meist lebens- und liebensbejahenden Situationen entstanden sind, wird das Konzert zu einer Feier ohne Trauer. Simon Carpentier würde das bestimmt gefallen.