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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Monochrome & All Roads Lead To Ausfahrt

Helmet & No Means No

Es gab eine Zeit, da waren beide wichtig. Doch während die einen heute nicht mehr wichtig, aber sympathisch unbeweglich wie ein Fels in der Brandung sind, haben die anderen, nämlich Helmet, längst alles verloren, was ihrer Musik zumindest mal den Anschein von Relevanz gegeben hatte. Beide Bands ware
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Es gab eine Zeit, da waren beide wichtig. Doch während die einen heute nicht mehr wichtig, aber sympathisch unbeweglich wie ein Fels in der Brandung sind, haben die anderen, nämlich Helmet, längst alles verloren, was ihrer Musik zumindest mal den Anschein von Relevanz gegeben hatte. Beide Bands waren zur richtigen Zeit angetreten, um die dogmatisch gewordene Punk- und Hardcore-Szene durchzuwirbeln. Ihre Musik war Balsam gegenüber dem knüppelnden Einheitsbrei von Agnostic Front oder Sick Of It All, durchdrungen von seltsamen Breaks, schnittigen Funk-Linien und anderen Grenzüberschreitungen, die Anfang der 1990er noch niemand als Crossover bezeichnet hätte. Heute dagegen wird deutlich, dass Helmet sehr wohl all dem Tür und Tor geöffnet haben, was Crossover so unerträglich macht: Muckertum, Metal-Gebaren, Zwangsoriginalität und „Reden über Verstärkersorten“, wie die Lassie Singers einmal unsere „männlichen Mitmenschen“ charakterisiert haben. Inzwischen unterscheiden sich Helmet in Sound und Attitüde nicht mehr von ihren gamsbärtigen Enkeln, jegliche Originalität von einst ist zur breitbeinigen Geste erstarrt. Dem gegenüber wünscht man sich dann doch wieder die alte intolerante Hardcore-Szene zurück, die immerhin noch Sexismus zu buchstabieren wusste und angesichts von Biografien wie der Helmets ihre guten Gründe hatte, auf musikalisches Können zu pfeifen.

Seltsam aber, dass No Means No auf ihrem inzwischen zehnten Album ebenfalls ihrem musikalischen Können wie eh und je freien Lauf lassen, aber wie eh und je auch kein bisschen nach Mucke klingen. Es muss sie also doch geben, die feinen Unterschiede. Sie sind extrem diffizil, da sie sowohl von einer Haltung bestimmt werden wie von einem Sound, aber auch von Geschlechterpolitik und Szene-Verbundenheit. Trotz Metalfunk-Gefrickel gibt es bei No Means No kein einziges Moment der Überheblichkeit, sondern nur jene aus der Minutemen-Tradition kommende Spielfreude, die das Publikum mit einschließt. Hardcore und Do-it-yourself als Einstellung werden hier seit zwanzig Jahren gelebt und vermittelt – beinahe drängt sich das schreckliche Wörtchen Authentizität auf –, was einen milde darüber hinwegsehen lässt, dass sich musikalisch bei No Means No seit Jahren schon nichts mehr bewegt und sogar in den Texten immer wieder der eigenen Philosophie des kreativen Nihilismus gefrönt wird. Wenn bei No Means No jedoch laut Titel ihrer aktuellen CD alle Straßen in Richtung Ausfahrt weisen, dann ist damit nicht jene Sackgasse gemeint, in der Helmet längst stecken, sondern der nächste Weg zum coolen Livekonzert im Jugendzentrum deines Vertrauens.