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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

So war die Preisverleihung in Hamburg

Helga!® Award 2015

Gemeinsam mit dem Reeeperbahn Festival hat unser Schwestermagazin Festivalguide in Hamburg zum dritten Mal den Helga!® Award verliehen. Sechs Festivals und eine Band können sich jetzt den Award ins Regal stellen, eines bekam obendrauf noch Standing Ovations und das völlig zurecht.
Geschrieben am
Den roten Teppich war ausgerollt, im Abendkleid kam noch immer niemand. Gut so. Der Helga!® ging in die dritte Runde, mit neuer Jury (rund 30 Bands), neuen Kategorien und einem neuen Moderator, der den von der Bollerwagenkindermafia entführten...äh, kranken Festivalguide-Chef Carsten Schumacher vertrat. An seiner Stelle begleitete uns Bernd Begemann durch den wie immer reichlich wuseligen, sehr lustigen und  durchaus bierseligen Abend und verteilte Preise und Dosenbier. Außerdem dabei: Ein Carsten-Double aus Pappe. Ganz ohne ihn geht's halt auch nicht.  

Aber Begemann war eine mehr als würdige Vertretung. Kein Wunder, immerhin ist auch er Helga-Veteran der ersten Stunde. Er spielte schon bei der Premiere seine Hymne auf die Festivalhygiene (»Kelly Family Feeling«) und begleitete im letzten Jahr Helga Beimer an der Akustikgitarre. Wer das mitgemacht hat, der weiß eben, dass der Helga mit piefigen Award-Verleihungen nix zu tun hat. »Man sagt ja, die Leute gehen in erster Linie zum Helga weil es hier die besten Goodie Bags gibt«, erklärte er den Nichtwissenden und legte ihnen das beigefügte Dosenbier ans Herz und/oder die Leber,  bevor er den kleinen Kräuterschnapps zu einem Toast auf den kranken Gastgeber hob.  

Das sind die GewinnerInnen des diesjährigen Helga!® in der Übersicht:  

Rührigste Festival-Crew: Appletree Garden
Überzeugendste Festivalpremiere: A Summer’s Tale
Brillantester Sound: Serengeti Festival
Leidenschaftlichste Festival-Performance: Beatsteaks bei den Winterthurer Musikfestwochen Großartigster Festivalansager: Klaus Fiehe / c/o pop
Meiste Veranstalterpersönlichkeit: Birgit und Horst Lohmeyer / Jamel rockt den Förster
Bestes Festival National (Publikumsvoting): Parookaville
Zu den Preisen gab es nicht nur kaltes Dosenbier und Schnäpse sondern auch bisweilen großartige Lobpreisungen von den LaudatorInnen. Für Totte von den Monsters Of Liedermaching hätte es nach seiner Rede zu »Brillantester Sound« zum Beispiel eigentlich noch den Award für die beste Laudatio on top geben müssen. Seine in schönster Schülermanier vorgetragene Ode an den Soundmann war eine dermaßen rührige, mit schlechten Metaphern vollgepackte, pubertär verklärte, wahnsinnig komische Angelegenheit, die manch einen sein Bier vor Lachen ausspucken ließ.   

»MTV Legende« - so nennt er sich selbst augenzwinkernd - Ray Cokes sprach in seiner Laudatio über die Bedeutung von Live-Musik. Die funktioniere noch immer am besten »in echt«, die könne man nicht streamen. Recht hat er.   

Der schönste und auch rührendste Moment ergab sich während der Laudation zur »Meisten Veranstalterpersönlichkeit«. Birgit und Horst Lohmeyer veranstalten in Jamel, einem Ort mit einer starken rechten Szene, seit einigen Jahren ein Festival gegen Nazis, das »Jamel rockt den Förster«. Im Sommer wurde die Scheune auf dem Hof der Lohmeyers angezündet. Die beiden veranstalteten das Festival trotzdem. Die LaudatorInnen, Mitglieder der Band Tonbandgerät, wiesen noch einmal darauf hin, wie wichtig solch ein Festival gerade jetzt sei in Zeiten, in denen »besorgte Bürger« vor Flüchtlingsunterkünften demonstrieren. Das Publikum spendete tosenden Applaus, am Ende gab es für Birgit und Horst Lohmeyer Standing Ovation. Und der Manager der Beatsteaks, der im Anschluss einen Award entgegennahm sagte ganz treffend: »Der wichtigste Preis ist gerade eben an die Lohmeyers übergeben worden. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.«   

So ging nach knapp anderthalb Stunden eine aufgedrehte Veranstaltung zu Ende, mit ein paar sympathischen Pannen und vielen Momenten, die man so nie hätte planen können.