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Mit Kristof Beuthner

Heimspiel #254

Zwischen Plüschsesseln und Festivalbühnen, Bierdosen und Game Boys, stillen Wäldern und schwarzem Samt: zehn Mal Musik, die man in nächster Zeit gerne und viel hören darf.
Geschrieben am
Beginnen wir besinnlich mit Christian Maiwald alias Mayforest, dessen selbstbetiteltes Debüt (mayfore.st) mit flächigen Ambient-Texturen die Naturschönheit eines stillen Waldes einfängt und somit per se schwer kitschverdächtig ist. Um in die allzu offensichtliche Falle zu tappen, sind die kryptisch mit »-)(-« oder »~------~« betitelten Stücke aber schlicht zu kontemplativ, meditativ und betörend und so dem Output von Künstlern wie Loscil oder A Winged Victory For The Sullen nah.
Etwas mehr Rhythmus gibt es bei Mathias Götz unter dem Alter Ego Le Millipede, der die Stücke seines selbstbetitelten Debüts aus dem Jahr 2015 für »Mirror Mirror« (Alien Transistor) von Joasihno, Saroos und anderen remixen ließ. Da mischt sich dezente Elektronik mit antiker Krimi-Score-Romantik und Jazz, was das Album zu einem adäquaten Begleiter für kleine Stadtclubs mit Plüschsesseln und Bio-Limonade aus Indie-Manufakturen macht. Schön verspielt und hypnotisch.

Le Millipede

Mirror Mirror

Release: 24.03.2017

℗ 2017 Alien Transistor

Ein wirklich spannendes Projekt hat der Berliner Sebastian Counts mit ToiToiToi am Start, dessen Debüt es nur unter der Hand gab, sodass »Im Hag« (Ghost Box) die erste regulär erhältliche LP darstellt. Hier findet man auf 19 mehr oder weniger skizzenhaften Tracks ein wahres Sammelsurium aus schrägen Tönen zwischen Jazz, Game-Boy-Fiepsen, Sprachgewirr und entspannten Beats. Was sich sehr anstrengend liest, ist in Wirklichkeit überaus zurückgelehnt und filigran. Muss man sich drauf einlassen, lohnt sich dann aber.

toitoitoi

Im Hag

Release: 12.05.2017

℗ 2017 Ghost Box

Bescheidwissern ist Tonia Reeh durch ihre Solo-Werke und ihre Teilnahme an Projekten wie Monotekktoni oder Masonne auf dem Berliner Label Sinnbus ein Begriff; zusammen mit Rudi Fischerlehner bildet sie nun das Duo La Tourette. Der Bandname lässt in Verbindung mit dem Albumtitel »The Great Mickey Mouse Swindle« (Solaris Empire) skurrilen Gaga-Pop befürchten, in Wirklichkeit aber hören wir hier sehr stilvollen, elektrifizierten und angejazzten Drama-Pop, der erahnen lässt, warum man Reeh eine klangliche Nähe zu Amanda Palmer nachsagt.

la tourette

The Great Mickey Mouse Swindle

Release: 05.05.2017

℗ 2017 Solaris Empire

Lorraine, im Kern nur aus Eliane Oesch und Hajo Cirksena (Frames, Ove) bestehend, versammeln auf ihrer selbstbetitelten Debüt-EP (officiallorraine.wordpress.com) eine Truppe großartiger, aus anderen Bands bekannter Musiker wie Sönke Torpus an der Trombone und Jonas Meyer am Keyboard. Sanft treibend legt sich Oeschs Stimme mit viel Klasse und erhabener Anmut über sechs dezent angejazzte, nachtdunkle Samtpopsongs. Musik für stille Stunden.
Seit acht Jahren existieren die Duct Hearts aus München schon, nach etlichen Singles und EPs veröffentlicht die Band jetzt endlich ihr Debütalbum »Feathers« (Time Is A Color). Und obwohl sich das Trio in der Vergangenheit auch im Emo sehr wohlfühlte – was man vor allem an den rau-impulsiven Ausbrüchen merkt, die hier hin und wieder die Führung übernehmen –, ist »Feathers« vor allem ein klassisches Postrock-Album mit anschwellenden Crescendi, einbrechenden Soundwänden und wahrhaft malerischer Melodieführung. Und eben mit Gesang. Dringend zu empfehlen.

Duct Hearts

Feathers

Release: 09.06.2017

℗ 2017 Time as a Color

Von dort ist es nur ein kleiner Schritt zu Depart, deren »Find Yourself A Light« (Recordjet) die Hörer in die Hochzeit veritabler Indie-Bands aus hiesigen Gefilden wie frühe Slut oder die großartigen Readymade zurückführt. Depart erreichen allerdings nie deren Leichtigkeit, sondern suhlen sich zwischen wunderbar druckvollen Gitarren-Parts, energetischen Drums und leidenschaftlichen Vocals in schönster adoleszenter Melancholie.

Depart

Find Yourself a Light

Release: 21.04.2017

℗ 2017 Fabian Horn

Bei Kosmonovski handelt es sich um ein aus neun Musikern bestehendes Bandkollektiv, dessen Debüt »Augen zu und Furcht« (This Charming Man) in Münster eine vortreffliche Label-Heimat gefunden hat. Wer sich noch gerne an Muff Potter, die Band des heute eher als Buchautor agierenden Nagel, erinnert, dürfte sich an dieser Platte erfreuen: Der zackige Indie-Rock mit durch die Bank spürbarem Punk-Ansatz macht vieles ganz genauso richtig. 

This Charming Man Records

Augen zu und Furcht

Muff Potter und dazu die frühen Kettcar haben garantiert auch Lester gehört. Für »Die Lüge vom großen Plan« (Bakraufarfita) haben sich die fünf Münchner deren Pop-Appeal geborgt. Ansonsten haust die Band eher im Punk, fein ablesbar an Songtiteln, die »Dackelblut« oder »Halbe Distanz« heißen und zwar nichts Neues erzählen, diese Tatsache aber schön zupackend und rumpelig zelebrieren. Spätestens beim Riff des zweiten Songs »Blickdicht« hat einen die Band. Das würde in einer besseren Welt bei kleinen Festivals auf dem Land eine gute Rolle spielen.

Lester

Die Lüge vom großen Plan (Bonus Version)

Release: 26.05.2017

℗ 2017 Bakraufarfita Records

Dort sind schon seit geraumer Zeit Liedfett zu Hause, deren neuestes Werk »Phoenix aus der Flasche« (Ferryhouse) zum Großteil live eingespielt wurde. Diese Unmittelbarkeit hört man den elf Songs auch an, aber das ist halt nichts Außergewöhnliches für ein Trio, das im Liedermacher-Punk-Pop zu Hause ist. Als Neuerung hat sich die Band ein echtes Schlagzeug anstelle der obligatorischen Cajon gekauft. Sonst ist alles beim Alten: alltagsweise, unaufdringliche Lyrik zwischen Gesellschaftsverdruss und Aufbruchslust.

Liedfett

Phoenix aus der Flasche

Release: 05.05.2017

℗ 2017 ferryhouse productions GmbH & Co. KG

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