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Mit The Sealevel, My War und Cloudberry

Heimspiel-Ticker vom 27.09.2005

::: Wir sind mit euch. Aber seid ihr doch auch mit uns! Und teilt euren Proberaum mit der Außenwelt. Schickt eure mp3s, Fotos, Links und mundgemalten Selbstporträts an heimspiel@intro.de. Zeigt uns, dass da in Deutschlands Kellerräumen einfach wahnsinnig viel gute Musik gemacht wird. Und mit ein bi
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::: Wir sind mit euch. Aber seid ihr doch auch mit uns! Und teilt euren Proberaum mit der Außenwelt. Schickt eure mp3s, Fotos, Links und mundgemalten Selbstporträts an heimspiel@intro.de. Zeigt uns, dass da in Deutschlands Kellerräumen einfach wahnsinnig viel gute Musik gemacht wird. Und mit ein bisschen Glück findet auch ihr euch bald in illustrer Gesellschaft im Heimspiel-Ticker auf dieser Seite wieder.

::: Seit 22. September ist der Sommer vorbei, zumindest kalendarisch. Umso schöner, dass mir kurz vor Ablauf der Frist noch diese CD, quasi direkt vom Wannseeufer auf den Tisch gespült wird. The Sealevel aus Berlin spielen jangelnden 60’s-Gitarren-Pop mit Beach Boys-Twists und –Twang, ihre ent- wie ansprechend aufgemachte CD "Beach from last summer“ erscheint am 04.10. über das kleine Label Firestation Records. Und man denkt natürlich an Brian Wilson und die Feuerwehrhelme. "We’ve cracked the code to change the weather“ singen sie. In der Tat: Leichtfüßiger Bababa-Satzgesang, zu dem man sich ballspielende Kinder, Eis am Stiel und was weiß ich noch auf Urlaubs-Super 8 vorstellen kann. Am Strand, natürlich. Blöde Frage. Hiergibt es mehr zu bestaunen.

::: My War nennt sich ein illustres Arschtret-Gitarren-Pop-Kollektiv aus Hamburg. Allein, was das für ein Krieg ist, den sie da (und gegen wen auch immer) führen bleibt schleierhaft. Laut Beipackzettel ergebe sich der Bandname aus den Initialen der letzten sechs Bürgermeister der finnischen Stadt Haakkijärvi. Oder stand doch 9/11 Pate, jener schicksalhafte Tag, an dem die Band sich fand und erfand? Sei’s drum, das Material auf der EP "Eins Zwei Drei Off The Tiger“ ist ebenso zerstreut wie gut. "Das ist kein Regen, was da vom Himmel fällt, das ist Gott sein Koks“, heißt es im "Gegenkönig“. Oder ein fahler Ascheregen? Mehr gibt es hier.

::: Jetzt aber: Nicht kleckern, klotzen. Killing Game Show haben sich 1997 im Taunus gegründet, und bei der Gründung standen Helmet zusammen mit Rush Pate. Frontmann und Bassist Marian, Keyboarder Jakub, Gitarrist Boris und Schlagzeuger Björn legen gleichmal eine Doppel-CD vor, von nichts kommt ja nichts. Auf dem selbstbetitelten Album findet sich teils heftiger, teils verfrickelter Alternative-Prog-Rock, tight wie Sau gespielt von der hervorragenden Rhythmus-Sektion. Zum Schlussakkord "Planet End“ gibt es auf www.killing-game-show.de zudem ein ansprechendes Video.

::: Gisbert zu Knyphausen. Hört sich ja mal adlig an, dieser Singer/Songwriter aus dem Rheingau. Sparsam geht er aber zu Werke, was den knapp mit Klampfe und hin und wieder Cello instrumentierten und kauzig betexteten Geschichten, die er zu erzählen hat, indes keinen Abbruch tut. Im Gegenteil. "Schau nicht so gequält, das sieht scheiße aus!“. Recht so. Omaha Records hat er sein kleines Label genannt und ein Schelm, der Böses dabei denkt. Conor Obersts Weltschmerz triff er nicht ganz, aber eine schöne Melancholie geht von Stücken wie "Spieglein, Spieglein“ oder "Wer kann sich schon entscheiden?“ aus. Authentisch und aufrichtig, die höchsten Attribute für Liedermacher. Und so will Gisbert zu Knyphausen bestimmt genannt werden, er singt ja auch deutsch. Alles nachzuschlagen hier.

::: Reduktion des Pop auf seinen Kern, nicht weniger fordert Marco Pleil von sich und seiner One-Man-Band Cloudberry. Unterm Strich bedeutet das: Songs, Pop-Songs, unter der 3-Minuten-Grenze, zuweilen sogar weit darunter. Ärgerlich manchmal, da die Songs, die vor allem durch seine melodieseligen Vocals getragen werden, gerade zünden – da sind sie wieder vorbei. Da wo andere Bands den C-Teil einfügen, also nach dem zweiten Refrain. Allein, man soll ja aufhören, wenn es am Schönsten ist. Sein neues und zweites, von Guido Lucas einmal mehr im Troisdorfer bluBox-Tempel produziertes Album "Destroyer“ heißt nur so negativ, hat aber durchweg positives zu vermelden. Pop-Musik, nicht mehr und schon gar nicht weniger. Die Platte erschien bereits am 22.08. über SaintRecords/BrokenSilence.