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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Verdammt gut so

Heimspiel-Ticker 21.08.07

::: Combo Kanista, ein Name wie aus dem Suff. Beim Einlegen der CD macht man sich darauf gefasst, sie drüben auf den Stapel langweiligen Metalcores zu befördern. Aber man wird ja immer wieder gern überrascht. So auch hier das erste was sich aus den Boxen schlängelt, ach was, sich aalt, ist funky und
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::: Combo Kanista, ein Name wie aus dem Suff. Beim Einlegen der CD macht man sich darauf gefasst, sie drüben auf den Stapel langweiligen Metalcores zu befördern. Aber man wird ja immer wieder gern überrascht. So auch hier das erste was sich aus den Boxen schlängelt, ach was, sich aalt, ist funky und breit produziert. Dann ein Rapper, dessen süddeutscher Sound so angenehm an den Blumentopf erinnert. Hier mal ein Jazz-Sample, dort ein Funk-Bass. Sie erfinden nichts neu, aber machen ihre Sache gut und sogar der Sänger klingt angenehm beschwingt trotz deutscher Texte. Irgendwie so wie Lagnese.
.: www.combokanista.de :.

::: Viel mehr Druck erklingt dafür bei Cargo City in den Songs. Druck soll hier allerdings nicht tiefe Bässe oder gar stumpfgezerrte Gitarren heißen, sondern Druck in der Stimme: Dringlichkeit, Frustration. Oder auch Druck in den Beats: Enge, Straightness. Darin erinnert Cargo City ein wenig an No Wave, an düstere Prä-Industrial Mucke, man hört Simon Konrad an, dass er mit der Drum Machine ringt, und diese Spannung macht seine Songs so gut. Denn das letztliche Ergebnis klingt ganz und gar nicht nach Klangexperiment, sondern nach Pop, nach Songwriting mit Akustikgitarre und all dem, was derzeit so gern aus Skandinavien importiert wird. Nur unbeschwert klingt es nie und das ist verdammt gut so.
.: www.cargocitymusic.com :.

::: Und noch beschwerter geht es weiter mit der Gesellschaft ohne Hoffnung. Diese feinen Kameraden gibt es eigentlich schon nicht mehr, aber ihre spezifische Version von Surrealismus (oder Situationismus) sollte hier doch Erwähnung finden. Die Musik ist Industrial, ist Krach in einigermaßen kommensurabler Form, die Texte, die kaum zu verstehen sind, wechseln zwischen deutsch und englisch und sprechen beredt von zweierlei zugleich: der Härte, die in solcher Musik dargestellt wird und dem Schwachsinn, der dieser Härte innewohnt. "Phantasie, ein Genuss bei vielen Gelegenheiten." Da kann man ihnen nur zustimmen. Heute gibt es immerhin noch einige dieser Stücke auf mp3.de umsonst zum Download.
.: www.gesellschaftohnehoffnung.com :.

::: Und beinahe noch tiefer in die Abgründe nicht-kommerziellen Musizierens führen uns Sturm und Drang. Zwar gibt es irgendwo durchaus einen subkulturellen Markt für diese Musik, die genaue Genrebezeichnung übrigens lautet Neofolk, aber dazu sollte es dann doch Informationen zu der Platte geben. Hier gibt es jedoch nichts, nur eine E-Mail-Adresse in Edding auf der CDR. Schade eigentlich, denn die Musik muss sich nicht verstecken, gegen die häufig eklige Weltflucht, die im Gothic so wichtig ist, setzen Sturm und Drang erfrischend ehrliche und weltständige Texte. Sie sind sogar witzig, wenn sie erzählen, dass sie "Licht" wollen und da tut's das Handydisplay der Discobekanntschaft eben nicht. Gothic mit Selbstironie? Das soll uns wohlfeil sein.
.: Keine Homepage vorhanden. :.