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Mit Kristof Beuthner

Heimspiel #263

Das finale Heimspiel. Der Vorhang senkt sich, aber wir wollen nicht nur traurig sein. Lest hier über Platten für das eine weinende und das andere lachende Auge – zum letzten Mal.

Geschrieben am

Wie passend: »Und niemand kann von der Stirne mir nehmen den traurigen Traum« heißt das letzte Stück auf »A Golden Boat« (Bekassine), der zweiten LP des maskierten Kunstpop-Kollektivs A Prouder Grief. Es spielt – genau wie die anderen drei Songs der recht langen EP – ein ausladendes Konstrukt aus Post- und Krautrock, elegisch und mäandernd, sogar mit einer gewissen neoklassizistischen Noblesse. Das klingt sehr nachdenklich und gleichzeitig faszinierend suggestiv und ist ein wirklich wunderschönes Mini-Album.

A Prouder Grief

A Golden Boat

Release: 27.04.2018

℗ 2018 Bekassine Records

Nosie Katzmann kennt jeder, der in den 1990ern groß geworden ist – allerdings vermutlich unbewusst. Der Gute hat dereinst etliche Eurodance-Hits geschrieben, von »More And More« bis hin zum unkaputtbaren »Mr. Vain«. Zusammen mit dem Gitarristen Stefan Kahne setzt er als Kahne Katzmann mit »I See Signs« (GIM) ganz offensichtlich dem großen Tom Petty ein klangliches Denkmal, macht mit der Zeile »There is only one Tom Petty« aber auch die Krux dieser ansonsten wirklich hörenswerten Platte deutlich.

Kahne Katzmann

I See Signs

Release: 18.05.2018

℗ 2018 GIM Records

Während Intro das Zeitliche segnet, braucht es uns um die Zukunft der hiesigen Bandlandschaft nicht bange zu sein. Das beweisen unter anderem die Würzburger Zulu, die an der dänischen Ostküste ihr Debüt »Analogue Heart // Digital Brain« (AdP) geschrieben haben. Mit sanften Beats, sphärischen Gitarrenfiguren und zwischen geisterhafter Zurückgezogenheit und Auto-Tune changierenden Vocals findet das Album inmitten von The xx und James Blake seinen Platz: entrückt, mondän und ziemlich filigran.

Zulu

Analogue Heart // Digital Brain

Release: 23.03.2018

℗ 2018 AdP Records

Aus Stuttgart stammen Rikas, die man vielleicht schon aus dem Vorprogramm von AnnenMayKantereit oder jüngst Fil Bo Riva kennt und bei denen man es jammerschade findet, dass ihr »Swabian Samba« (Fanny Pack) nach sechs herrlich leichten und zwischen Surf, Twang und Indie-Pop taumelnden Sommersongs schon zu Ende ist. Niemand macht derzeit so Appetit auf warme Tage wie diese Band.

Rikas

Swabian Samba - EP

Release: 13.04.2018

℗ 2018 Fanny Pack Party

Zu den gefragtesten Newcomern des Landes gehört derzeit Das Paradies, dabei steckt dahinter ein alter Bekannter: Florian Sievers hat schon mit der Band Talking To Turtles für einen äußerst guten Ton gesorgt. Auf seiner ersten EP »Die Giraffe streckt sich« (Grönland) singt Sievers zu irrsinnig relaxtem Downbeat, der an ruhigere Whitest-Boy-Alive-Stücke erinnert, über Rauchen als Eskapismus und das Leben in der Zentrifuge namens Gesellschaft. Sievers gibt die genau richtigen Denkanstöße, sein Sound ist tanzbar und weich, die EP ein absoluter Gewinn.

Das Paradies

Die Giraffe streckt sich - EP

Release: 20.04.2018

℗ 2018 Grönland Records

Ganz wunderbar klingt auch das Album-Debüt von Crush aus Österreich namens »Sugarcoat« (Numavi). Es ist die Quintessenz von Dream-Pop und Shoegaze, bei der dem Hörer sofort einfällt, warum The Pains Of Being Pure At Heart einst sehr schnell zu einer Lieblingsband wurden. Produziert von Wolfgang Möstl (Sex Jams, Mile Me Deaf), flirren die Gitarren, hallen die Drums und schmachtet Christina Lessiak so einnehmend, dass die LP zu einem inneren Frühlingstag wird.

Crush

Sugarcoat

Release: 27.04.2018

℗ 2018 Numavi Records

Das Kollektiv Luksan Wunder kennen wir vor allem von den genialen »Korrekte Aussprache«-Videos bei YouTube. Aber natürlich ist ihnen klar, dass der Grat zwischen formidablem Nonsens und feinsinnig erdachter Satire bei einem Album schmal ist. So gesehen erfüllt »Nie wieder Mittwoch« (Rummelplatz) die Erwartungen in jeder Hinsicht. Die Platte fängt mit Gastbeiträgen von Quemlem Swyne, Tomas Tulpe oder Manfred Groove musikalisch eine große Bandbreite zwischen Rap, Tekkno und Gaga-Core ein, ist zwischendrin auch hart bescheuert und macht gerade deshalb ungeheuer Spaß.

Luksan Wunder

Nie wieder Mittwoch

Release: 13.04.2018

℗ 2018 Rummelplatzmusik

Ebenfalls nichts anderes als Dadaismus darf man von einer Band erwarten, die sich Black Heino nennt. Nach ihrer 2016er-LP »Heldentum und Idiotie« gibt es nun ein neues Lebenszeichen in Form einer EP namens »Fear Of The Black Heino« (Tapete). Im Titeltrack heißt es: »Ich bin Asi mit Niveau, ich les’ Adorno auf dem Klo«, und das sagt eigentlich schon eine Menge aus: Rumpelnder Rocksound, viel Humor, Post-NDW-Core, gib ihm! Muss man nicht ernst nehmen, weil macht dann mehr Spaß.

Black Heino

Fear of a Black Heino - EP

Release: 25.05.2018

℗ 2018 Tapete Records

Skatepunk ist natürlich derbe 1990er. Jugendzentrum. Dosenbier. Baggy Pants. Aber eben auch: Haltung. Offenheit. Miteinander. Für diese Werte steht die Angry Youth Elite nicht nur – sie sieht sie in der heutigen Gesellschaft auch stark gefährdet. So gesehen soll »Ready! Set No!« (Sportklub Rotter Damm) vor allem ein Statement sein, ein Manifest der Wut, das den Spaß aber nicht zu kurz kommen lässt. So punkten eindeutig betitelte Songs wie »Pissed« oder »Anger Turns To Hate« gleichzeitig mit geballter Faust und mehrstimmigen Mitsing-Refrains.

Angry Youth Elite

Ready! Set! No!

Release: 25.05.2018

℗ 2018 Sportklub Rotter Damm

Und dann noch dies: Nach den tollen Indie-Kinderliedern auf den »Unter meinem Bett«-Compilations veröffentlichen die Kölner Intro-Lieblinge Locas In Love unter dem Alias Gorilla Club nun sogar eine reine Kinderplatte namens »1-2-3-4« (Oetinger Audio), und zwar in ihrer eigenen, wunderbar lakonischen und unvergleichlich liebenswerten Weise. Als Gäste sind Gisbert zu Knyphausen, Albrecht Schrader und Francesco Wilking dabei, dessen italienisch gesungener Part auf dem Schlaflied »Nicht müde« zu den großen Momenten dieses wundervollen Albums gehört, das ihr dringend mit euren Kleinen hören solltet. Am liebsten würde ich sagen: Das ist ein Befehl.

Gorilla Club aka Locas In Love

Gorilla Club 1-2-3-4!

Release: 19.03.2018

℗ 2018 Oetinger Media GmbH, Hamburg

Auch ich sage Goodbye. Danke fürs Dabeisein. Danke fürs Heimspiel-Lesen. Seid gut zueinander! Hört viel Musik!

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